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| Unterwegs in Afghanistan |
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Teil 1: Schlechte Stimmung im Hauptquartier
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Bundeswehrsoldaten sichern in
Kundus die Hauptstraße nach Kabul.
Beim schwersten Anschlag seit knapp
vier Jahren gegen die Bundeswehr in
Afghanistan waren am 19. Mai drei
deutsche Soldaten getötet worden.
Foto: ddp
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Verärgerung. Deutsche Bundeswehrsoldaten der ISAF-Truppe in Kabul werfen der Politik in der Heimat Des-
interesse und mangelndes Engagement vor.
Von Hans-Joachim Guth
Kabul. Es ist ein schlechter Tag im Hauptquartier (HQ) der internationalen Schutztruppe ISAF - wieder einmal. Nicht jeder der fast 2000 Soldaten im HQ weiß genau, was geschehen ist, aber jeder weiß, dass etwas geschehen ist. Es hat Tote auf Seiten der NATO-Streitkräfte und ihrer Verbündeten gegeben. Die Fahnen der Alliierten vor dem Stabsgebäude wehen auf Halbmast. Diesmal traf es drei Deutsche oben in Kundus. In einer Region, die in Deutschland gemeinhin als "sicher" eingestuft wird.
Die Militärs haben davon niemals gesprochen. "Sicher ist in Afghanistan gar nichts", sagt General Bruno Kasdorf, der als Chef des Stabes im ISAF-HQ Dienst tut. Der ehemalige Kommandeur der 14. Panzergrenadierdivision HANSE mit Sitz in Neubrandenburg ärgert sich über manche Unwissenheit, die in der fernen Heimat mitunter zu krassen Fehleinschätzungen führt. "Stimmt, es war relativ ruhig im Norden - bis zum Sonnabend und dem verbrecherischen Anschlag in Kundus. Nur, diese Ruhe kann man nicht mit endgültiger Sicherheit gleichsetzen."
Auch frage er sich, so Kastorf weiter, was manch ein Politiker in Deutschland meine, wenn er sage, 2007 würde das "Jahr der Entscheidung" in Afghanistan werden. "Was soll da entschieden werden? Ich weiß es nicht, glaube eher, dass Ende 2008 und dann direkt 2009 mit den Wahlen in Afghanistan auch eine gewisse Entscheidung verbunden sein wird." In der Tat hoffen viele Menschen am Hindukusch auf diese Wahlen. Sind die meisten doch der Meinung, dass die jetzige Regierung "von den Amerikanern mitgebracht" wurde. Eine demokratische Wahl habe nie stattgefunden, heißt es.
Während Kastorf - einer der ranghöchsten Soldaten in Afghanistan - seine Worte noch mit einem gewissen diplomatischen Geschick verpackt, geht es im "Deutschen Eck" durchaus deutlich zur Sache. Auf der Dachterasse, wo man sich ein Stück heimischer Idylle mit Festzeltgarnitur und Büchsenbier geschaffen hat. Diese Deutlichkeit liegt nicht etwa an dem kühlen Bier, das man sich hier nach 12- oder 14-stündigem Dienst leisten darf. (Im Übrigen achtet die Militärpolizei strikt darauf, dass hier niemand einen über den Durst trinkt.) Diese Deutlichkeit hat vor allem etwas damit zu tun, dass man in der Enge des HQ mangels anderer Möglichkeiten immer wieder ins Grübeln kommt.
"Ich habe kein Problem mit der Erfüllung meines militärischen Auftrags hier in Afghanistan", sagt ein Oberstleutnant, der eigentlich beim Multinationalen Korps im polnischen Stettin (Szczecin) dient. "Ich würde auch in den Süden gehen, dahin, wo die Gefahr am Größten ist. Die Diskussion in Deutschland zu diesem Thema kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Aber ich will wissen, welche deutschen Interessen ich hier verteidigen soll, mit welchen Mitteln und in welchem Zeitraum", sagt der Mann mit über 20 Dienstjahren. Er, wie auch der neben ihm sitzende Hauptfeldwebel, hat noch keine Antworten gefunden. "Im Grunde fühle ich mich von der deutschen Politik verlassen und verraten", so sein beunruhigendes Fazit, mit dem er beileibe nicht allein steht.
Wenn sich doch einmal ein Politiker nach Kabul "verirre", so ein Major aus dem Thüringischen, dann packe man ihn in "weiche VIP-Watte". Er esse nicht dort, wo die Soldaten essen würden. Er schlafe nicht dort, wo die Soldaten schlafen würden. Er erführe nicht, was die Soldaten längst wissen würden. "Eigentlich müssen wir uns nicht wundern", sagt der Berufssoldat, "wenn die dann ins schöne Berlin zurückkehren und von einem sicheren Norden erzählen. Die einen wissen die Wahrheit nicht, die meisten aber wollen sie gar nicht erst erfahren". Resignation und Enttäuschung schwingen in diesen Worten mit. Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich diese Gedanken nicht gerade positiv auf das tägliche Dienstgeschäft auswirken.
Für wenigstens unqualifiziert hält man in Kabul den politischen Ruf nach einer veränderten Afghanistan-Strategie. Zum einen, so hieß es gestern aus Stabskreisen im HQ, sei man schon einigermaßen verwundert, dass sich Politik erst rege, wenn es Tote gebe. Zum anderen sei man mit der Strategie der "Afghan Development Zones" längst da, wo die Politik jetzt hinwolle. "Das Militär", erläutert der Chef des Stabes, "sorgt in einem ausgewählten Bereich mit den afghanischen Streitkräften für Sicherheit. In diesem gesicherten Bereich kann dann mit dem Wiederaufbau begonnen werden." Dieser Ansatz ist nicht neu und mitnichten eine Antwort auf die Morde von Kundus.
>>> MedEvac - weltumspannende Rettungskette
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Die Flagge vor dem
Bundeswehr-Zentral-
krankenhaus in Kob-
lenz hängt auf Halb-
mast. Foto: dpa
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Nahezu jede moderne Armee unterhält ein MedEvac (Medical Evacuation), also ein System zur Bergung und medizinischen Versorgung eigener Truppen im Auslandseinsatz.
Für Afghanistan hat die Bundeswehr wegen der besonderen geografischen, rechtlichen und militärischen Bedingungen eine Rettungskette eingerichtet: Basis ist ein Lazarett auf dem Standard eines modernen Kreiskrankenhauses im zentralen Feldlager (zunächst Camp Warehouse, Kabul, seit Sommer 2006 Camp Marmal, Masar-i-Scharif), verbunden mit einem zum Rettungsflieger umgerüsteten Transporthubschrauber CH53.
Um den Hindukusch zu überwinden, hat die Bundeswehr auf dem Umschlag-Stützpunkt im usbekischen Termez dauerhaft eine MedEvac Transall stationiert. Die ist wie die CH53 mit Raktenabwehr-Technik ausgestattet.
Von Termez übernimmt dann einer der in Köln/Bonn stationierten Airbus A310 MRT (Multi Role Transporter). Diese fliegenden Lazarette gelten als die modernsten MedEvac-Flugzeuge der Welt. Darin können 44 Patienten liegend transportiert werden, 16 Plätze gelten als Intensivstation für Schwerverletzte und für 6 Schwerstverletzte stehen Beatmungsintensivplätze bereit. Das Zentralkrankenhaus der Bundeswehr in Koblenz ist für Verwundete das Ziel des Transports.
Erstmals eingesetzt wurde ein MedEvac-Airbus im November 2000, als verletzte Palästinenserkinder aus dem Gazastreifen nach Deutschland gebracht wurden. Zum Einsatz kamen sie auch 2004 beim Rücktransport Verletzter nach dem Seebeben im Indischen Ozean in Thailand. Als "Feuertaufe" galt 2003 der Transport der Opfer des Anschlags auf den Bundeswehr-Bus in Kabul. Quelle: Wikipedia/NK
(Nordkurier, 22.05.2007)
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