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  Interview I
 Ein aus Afghanistan
zurückgekehrter Soldat
über den Kampf
gegen einen fast
unsichtbaren Feind



Interview II
 Ein aus Afghanistan
zurückgekehrter Soldat
über die Bürokratie der
Bundeswehr.


Interview III
 Ein aus Afghanistan
zurückgekehrter Soldat
über den Umgang mit
schwersten Verletzungen
von Kameraden und die
inzwischen tägliche
Lebensgefahr.



Interview IV
 Ein aus Afghanistan
zurückgekehrter Soldat
über Mängel in der
Vorbereitung für den
Einsatz und über die
psychologischen Folgen
der Dauerbedrohung.


Interview V
 Ein aus Afghanistan
zurückgekehrter Soldat
über das Gefühl an einem
Ort zu sein, an dem er als
Soldat nichts zu suchen
hat.


Interview VI
 Ein aus Afghanistan
zurückgekehrter Soldat
über Einsätze
amerikanischer Spezial-
kommandos,
die den Auftrag haben
"capture or kill-
Operationen" auszuführen.


Interview VII
 Ein aus Afghanistan
zurückgekehrter Soldat
über den Hass der afghani-
schen Bevölkerung und
die Politiker.


Interview VIII
 Ein aus Afghanistan
zurückgekehrter Soldat
über bürokratische
Probleme, die ständige
Bedrohung, Verwundung
und Tod - und welche
Nachwirkungen der Einsatz
für ihn im täglichen Leben
in Deutschland hat.



  Tagebuch Teil I
 Kriegstagebuchs eines
deutschen Soldaten
aus dem
Afghanistankrieg



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Unterwegs in Afghanistan
"Man baut einfach einen Hass gegen die Bevölkerung auf"
Die Personen auf den Fotos sind nicht mit dem Gesprächspartner identisch. Foto: AFP
Interview. Ein aus Afghanistan zurückgekehrter Soldat über den Kampf gegen einen fast unsichtbaren Feind - Auch Zivilisten geraten ins Visier.

Von Steffen Mayer, dapd

Wie oft werden deutsche Kräfte in Feuergefechte verwickelt?

Soldat: Das ist an der Tagesordnung. Es gibt Zeiten, da ist es täglich. Mal ist zwei, drei Tage Ruhe, mal gibt es mehrere Feuergefechte an einem Tag, das variiert, ist aber definitiv stetig.

Woran liegt es, dass es nicht mehr deutsche Tote gibt?

Soldat: Ich glaube, das meiste ist Glück. Ganz, ganz viel Glück, dass wir nicht viel, viel mehr Leichensäcke für uns da unten brauchen. Im Normalfall ist es so, dass die Taliban wissen, dass wir sie schnell entdecken und bekämpfen, wenn sie sich offen hinstellen und uns angreifen. Deswegen kommen sie nur ganz kurz aus ihrer Deckung, etwa einem Bewässerungsgraben, hoch und schießen sehr ungezielt. Oder sie halten die Waffe nur über eine Mauer und schießen dann in unsere Richtung. Und sie treffen auch immer wieder, dazu kommen noch die Sprengfallen. Es ist reines Glück, aber das hatten eben nicht alle Kameraden.

Sie sehen den Gegner also kaum?

Soldat: Man hat keinen Feind in dem Sinne. Die schießen blind auf uns. Man kann aber nicht wirklich zurückschießen, weil man niemanden sieht, außer die Waffe selber. Man kann nicht wirklich dagegen vorgehen. Das Einzige, was man machen kann ist, dass man das Compound kurz und klein schießt, also dieses Gehöft mit der dicken Mauer drumrum. Wenn man denn die passende Munition hätte. Da wären ein Leopard-Panzer oder großkalibrige Munition, schwere Maschinengewehre, sehr wünschenswert. Das einzige Problem ist, dass in den Compounds immer noch Frauen und Kinder drin sind.

Was waren die Folgen des Gefechtes bei Isa Khel?

Soldat: Man hat dann nachher intern gesagt, ich weiß nicht, ob das von offizieller Stelle abgesegnet war, dass bei solchen Vorfällen Leute mit Telefonen in der Hand zum Abschuss freigegeben werden. Die informieren den Feind über unser Vorgehen. Und genauso wird auf schreiende Zivilisten, die zwischen den Häusern laufen, geschossen. Weil man hat gesagt, dass bei solch einem Gefecht kein normaler Zivilist einfach schreiend hin und her rennt. Die normalen Zivilsten hocken sich bei einem solchen Gefecht in die Ecke oder legen sich auf den Boden und warten, bis es vorbei ist. Auf den schreienden Zivilisten, der von Compound zu Compound rennt, wird geschossen, weil man sagt, dass der zum Feind dazugehört und nur so gestoppt werden kann. Wir haben nämlich die Erfahrung gemacht, dass die ihre Waffe einfach in dem einen Haus zurück lassen, dann quasi als unbewaffneter Zivilist ins nächste Haus rennen und sich dort eine parat liegende Waffe greifen und wieder auf uns feuern.

Auf Unbewaffnete zu schießen, das widerspricht ja allem, was Sie in ihrem Berufsleben als Soldat gelernt haben. Ist das für Sie in Ordnung?

Soldat:
Am Anfang des Einsatzes sicher nicht, zum Schluss schon. Es gab auch Fälle, wo ich nicht auf einen Afghanen geschossen habe, bei dem ich keine Waffe gesehen habe. Aber hinterher habe ich mir deswegen Vorwürfe gemacht, dass ich nicht geschossen habe.

Wie steuert man in so einer Gefechtssituation den Drang, auf alle Afghanen, die man sieht, zu schießen?

Soldat:
Das ist eine sehr schwere Frage. Ich habe aber auch nicht einfach abgedrückt. Ich habe geschaut, identifiziert und dann geschossen. Doch, ich habe auch auf Zivilisten geschossen, von denen ich aber definitiv sage, das waren in Wirklichkeit feindliche Kämpfer. Die haben Stellungswechsel gemacht, die waren gerade dabei uns zu umgehen.

Wie ist das dann für Sie?

Soldat:
Das ist schon, das ist ... ja wie ist das? Man baut einfach einen Hass gegen die Bevölkerung auf. Das ist natürlich ein Problem, das haben aber viele. Man möchte am liebsten auch alle normalen Afghanen ins Jenseits befördern. Das liegt daran, dass man die einfach nicht unterscheiden kann und dann baut man ein allgemeines Feindbild auf. Jeder ist ein Feind, weil die sich nicht durch eine Uniform oder so unterscheiden. Und durch dieses allgemeine Feindbild fällt es einem dann auch nicht mehr schwer, auf die zu schießen.


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Insgesamt dienen
251000 Soldatinnen und Soldaten.
Davon Berufs- und Zeitsoldaten:
189.000.
Freiwillig länger Dienende:
27.000.
Wehrpflichtige:
35.000.
Soldatinnen:
16.965.
Im Ausland eingesetzt:
6.800 Soldaten.
Davon in Afghanistan:
4.600.
Verteidigungsetat 2010:
31,11 Milliarden Euro.
Quelle: www.bundeswehr.de,
Verteidigungsministerium