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Als der Postmann noch mit den Pferden kam

Es erstaunt sicher manchen Leser, dass Postkutschen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts fuhren. Schuld daran war der Benzinmangel nach dem Ersten ...

Ein Erinnerungsfoto der letzten Pferdepost am 27. April 1930 nahm der Demminer Fotograf Karl Trettin auf für den Postschaffner Wilhelm Awe (im Hintergrund) und den Posthalter Rudolf Böck mit seinem Schimmel.

Es erstaunt sicher manchen Leser, dass Postkutschen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts fuhren. Schuld daran war der Benzinmangel nach dem Ersten Weltkrieg.In der Hansestadt Demmin ging erst am 27. April 1930 die Pferdepost-Ära zu Ende. Sie hatte damit über etwa 230 Jahre Bestand.
Staatliche Postanstalten gab es zunächst Anfang des 17. Jahrhunderts in Vorpommern noch nicht. Erst um 1650 setzte die schwedische Regierung in einzelnen Städten königliche Postmeister ein. Transportiert wurde teils auf Rechnung des Staates, teils auf Rechnung der Städte. In Demmin war es staatlich geregelt.
Erste regelmäßigen Postverbindungen sind für die Zeit um 1700 in Demmin nachgewiesen, und zwar nach Rostock, Güstrow und Anklam. Im Jahr 1705 war Martin Friedrich Bohse königlich-schwedischer Proviant- und Postverwalter in der Hansestadt. Immer wieder jedoch waren die neuen Postverbindungen beeinträchtigt, vor allem durch den Nordischen Krieg und den Siebenjährigen Krieg. Doch danach, in den Friedenszeiten, begannen sie, sich zu entwickeln.
So hatte Demmin 1722 Sonntag und Mittwoch eine Postverbindung von Stralsund, Greifswald und Loitz, Ankunftszeit 13 Uhr, Weiterfahrt nach Rostock und Hamburg um 17 Uhr. Montag und Freitag kam die Postkutsche um 3 Uhr nachts aus Hamburg und Rostock und fuhr nach dem Pferdewechsel gleich weiter nach Anklam und Stettin.

Reiter meistern allein die schlechten Wege

Auch gab es eine Verbindung nach Treptow a der Tollense. Dies war eine Reitpost, denn nur so konnte man damals die schlechten Wege meistern. Außerdem war eine Fahrpost nicht rentabel.
Um 1800 wurde der Verkehr nach Rostock und Anklam – die so genannte Ost-West-Verbindung – so begehrt, dass die Verbindungen verdoppelt wurden. Nun verkehrten wöchentlich vier Fahrten in jeder Richtung. Die Reitpost nach Treptow wandelte sich in eine Fahrpost und ging weiter bis Neubrandenburg.
Durch die nach wie vor schlechten Straßenverhältnisse brachen an den Kutschen immer wieder Achsen oder Räder. Reisende saßen stundenlang fest oder marschierten bis zur nächsten Poststation, um darauf zu warten, dass die Gefährte wieder fahrtüchtig waren. Als endlich feste Straßen gebaut wurden, erhöhte sich die Reisegeschwindigkeit von zwei km/h im Jahr 1700, auf etwa zehn km/h im Jahre 1850.
1847 bekam Demmin einen Briefträger. Das Umland wurde wöchentlich zweimal mit Post versorgt: Vier Landbriefträger versahen diesen Dienst. Sie hatten jeden Tag einen anderen Bezirk und die Wegstrecke betrug 30 bis 40 Kilometer! Acht Jahre später eröffnete man eine Dampferlinie zwischen Demmin und Stettin. Anfangs wöchentlich dreimal und ab 1861 täglich besorgte ein Dampfer die Postsachenbeförderung auf der Peene.
Bedeutendleichter wurde der Postverkehr durch den Bau von drei Kleinbahnen: von Jarmen nach Friedland 1891, für Demmin 1896 und von Jarmen nach Greifswald mit Abzweig nach Züssow 1897. Diese Fahrten waren billiger, schneller und weniger gefährlich. Postkutschen blieben nur noch im nicht von der Bahn erschlossenen ländlichen Bereich im Einsatz. Die Erfindung des Autos beschleunigte das Ende.

Gäule übergeben ihr Tagwerk an die Bahn

Von der vorpommerschen Kleinstadt Jarmen fuhr die letzte Postkutsche nach Züssow am 30. April 1906. Dies war Anlass genug, an diesem Tag eine Ansichtskarte herauszubringen. Sie zeigt eine Kutsche vor der Jarmener Post und wurde vom Verlag A. Monse in Jarmen verlegt. Mit dieser Karte sandte ein Mann namens Wilhelm viele Grüße an den Postassistenten Otto Feist in Barth: „Umstehend sende ich Dir ein Bild unseres Hauses mit einer Postkalesche. Glücklicher Weise nur die tempi passati (die Zeit ist vorüber), der Betrieb regelt sich jetzt viel schöner mit den Bahnverbindungen. Das sieht man den Gäulen schon an, dass es höchste Zeit war, dass sie den Postkarren doch nicht mehr ziehen können.“
Erst nach Ende des Ersten Weltkrieges setzte 1919 der Kraftverkehr auf den Linien nach Dargun/Gnoien und Loitz/Greifswald ein. Einen enormen Aufschwung nahm der Kraftverkehr in den 1930er Jahren. Ein dichtes Netz von Linien verband nun fast alle Dörfer und Städte des Demminer Landes.
Bis April 1930 hatte den Paket- und Briefverkehr zwischen der Demminer Post und dem Bahnhof über viele Jahrzehnte der Posthalter Rudolf Böck mit seinem Schimmel besorgt. Ab Mai wurde diese Zustellung von Postautos übernommen. Der Schimmel von Böck soll noch lange danach nachts mit den Hufen gescharrt haben, um seinen Herrn an die Bahnhofsfahrt zu mahnen.