Zivilcourage:

Anklamer rettet Jungen vor dem Ertrinken

Als ein kleiner Junge in Stagnieß ins Hafenbecken fällt, springt der 40-jährige Guido Sembach aus Anklam hinterher. Damit rettet er das Leben des Jungen. Lob und Dank möchte er dafür nicht.

Guido Sembach mit Frau Kathleen und Tochter Leni Charleen. Aus einem Familienausflug wurde ein dramatisches Erlebnis.
Guido Sembach Guido Sembach mit Frau Kathleen und Tochter Leni Charleen. Aus einem Familienausflug wurde ein dramatisches Erlebnis.

Der 40-Jährige Guido Sembach wird diesen Tag wohl so schnell nicht wieder vergessen. Es geschah auf einem Familienausflug zum Hafen Stagnieß auf der Insel Usedom. 

Als der Anklamer Taxiunternehmer gerade einen Parkplatz suchte, erblickte seine Frau aus dem Beifahrerfenster zwei kleine Jungen, etwa vier bis sechs Jahre alt, die an der Hafenkante saßen. Plötzlich rutschte einer der Jungen ins Wasser. Guido Sembach reagierte sofort. Er sprang bei laufendem Motor aus dem Auto, schmiss sein Handy beiseite und lief zur Hafenkante.

Andere Passanten eilten zur Hilfe

Dort war der kleine Junge bereits untergetaucht. In dem Schlick und Modder im Hafenbecken war er zunächst gar nicht mehr zu sehen. „Doch dann kam er wieder hoch, bis etwa zehn Zentimeter unterhalb der Wasseroberfläche", berichtet Sembach. "Ich sah ihm in die Augen. Er war ganz ruhig. Dann tauchte er wieder ab."

Der Anklamer handelte sofort, sprang die rund eineinhalb Meter hinunter ins Wasser und bekam den Jungen noch am T-Shirt im Nacken zu fassen. „Ich hatte selbst ja noch Kleidung an und Mühe, mit dem Kind wieder an die Oberfläche zu gelangen.

Selbstständig aus dem Wasser konnte sich Guido Sembach dann nicht befreien. Er fand Halt an einer Metallplatte an den Spundwänden. Seine Frau eilte hinzu. Er schrie um Hilfe. „Sofort kamen Passanten und halfen. Sie zogen erst den Jungen, dann mich aus dem Wasser“, sagt Sembach.

Wenig überzeugendes Gespräch mit der Mutter

Sowohl Guido Sembach als auch der Junge blieben unverletzt. Das Kind wurde dann von seinem Onkel geholt. Sembach suchte nach dem Vorfall das Gespräch mit der Mutter. Ihr Sohn werde nun immer eine Schwimmweste tragen, sagte sie. Diese Antwort konnte Sembach aber nur wenig überzeugen.

Wie schnell ein kleines Menschenleben in Gefahr geraten kann, ist der Familie Sembach nun noch bewusster. „Ich möchte kein großes Dankeschön oder Anerkennung", sagt Guido Sembach. "Ich weiß, was ich getan habe und kann darauf zurückblicken.“

Dennoch treibt ihn die Frage um, wie viele Zufälle zusammenkommen mussten, damit der Junge den Tag am Hafen überlebte. „Meine Frau hat ihn ja zum Glück gesehen. Doch ich weiß nicht, ob ich ihn vom Grund des Hafenbeckens noch hätte hochholen können."