Nachtwächterführung durch die Hansestadt:

Anklamer Sparkasse hatte Leichen im Keller

Als Nachtwächter verkleidet, führte Wilfried Hornburg durch Anklam und zeigte seinen Zuhörern die Stadt, die heute fast nicht mehr zu sehen ist.

Der Nachtwächter umringt von seinen Zuhörern. An mehreren Stationen machte Wilfried Hornburg während seiner Tour Halt und erklärte, was sich an den Orten einst abspielte.
Simon Voigt Der Nachtwächter umringt von seinen Zuhörern. An mehreren Stationen machte Wilfried Hornburg während seiner Tour Halt und erklärte, was sich an den Orten einst abspielte.

Als sich die Sparkasse vor 15 Jahren am Pferdemarkt ein neues Gebäude errichten ließ, staunten die Arbeiter nicht schlecht, bei dem, was sie da beim Ausheben der Baugrube fanden. Mehrere Einhundert Leichen – die genaue Zahl ließ sich nicht mehr bestimmen – lagen dort eng beieinander. „Ein Pestfriedhof aus dem Mittelalter“, vermutet Wilfried Hornburg, Leiter des Steintormuseums.

Pestfriedhof muss dem Neubau weichen

Immer wenn diese Seuche über eine Stadt hereinbrach, forderte sie viele Menschenleben. Auch Anklam blieb da nicht verschont und so hatten die Bürger ab und an ein unappetitliches Problem: Sie mussten sehr schnell einen ganzen Berg von Leichen bestatten. Oft blieb keine andere Lösung, als sie großflächig zu verscharren. Im Laufe der Zeit wurde der Friedhof verschlossen und erst am Ende des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt.

Die Gebeine bestattete man darauf erneut im Umland, bei einem der gefundenen Körper konnten Archäologen sogar eine sogenannte „Vernagelung“ feststellen. Die Hände waren mit langen Eisennägeln fixiert, ein Brauch, der die Rückkehr in die Welt der Lebenden verhindern sollte. Wenn es nach Hornburg ginge, dann hätte die Sparkasse diesen besonderen Fund aufbewahren und in dem Neubau ausstellen sollen.

Nachtwächtertour gibt es wieder

Der Museumschef weiß viel zu erzählen über seine Stadt. Stilecht mit Laterne, Hellebarde, Hut und passendem Umhang verkörpert Hornburg selbst den Nachtwächter, der durch die Hansestadt führt. Er versetzte seine Zuhörer dabei in das Anklam, das heute fast verschwunden ist. Wer gern mehr über die Geheimnisse der Hansestadt wissen will, kann sich freuen, denn es soll weitere Touren dieser Art geben.

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