Kriminalität:

Autohändler kritisiert nach Bombenalarm die Polizei

Sonderbar: Obwohl rund 100 Anklamer am Samstag einen Polizeieinsatz wegen einer Bombendrohung gegen das Honda-Autohaus miterleben müssen, wird die Öffentlichkeit nicht über den Vorfall informiert. Zudem sieht der Autohaus-Chef die Ermittlungen der Ordnungshüter kritisch.

Manfred Lietze, Chef des Honda-Autohauses an der Spantekower Landstraße, und Tochter Diana sind nach der Bombendrohung gegen ihr Unternehmen am Wochenende ratlos. Sie hoffen, dass die Polizei nun ernsthaft gegen die Urheber ermittelt.
Jörg Foetzke Manfred Lietze, Chef des Honda-Autohauses an der Spantekower Landstraße, und Tochter Diana sind nach der Bombendrohung gegen ihr Unternehmen am Wochenende ratlos. Sie hoffen, dass die Polizei nun ernsthaft gegen die Urheber ermittelt.

Den vergangenen Samstag im Honda-Autohaus an der Spantekower Landstraße werden die rund 100 Gäste wohl so schnell nicht vergessen: Die Firma hatte zum traditionellen Honda-Frühstück eingeladen. Da werden die neuen Honda-Modelle des Jahres vorgestellt, ein bisschen Kultur darf auch nicht fehlen, und außerdem gibt’s einen Imbiss. So waren auch diesmal alle in bester Stimmung. Und es war so gegen 10.30 Uhr, als die Tänzer vom Fritz-Reuter-Ensemble eine flotte Sohle auf das Autohaus-Parkett legten.

Nach der Bombensuche passierte erstmal nichts

Da fuhren plötzlich zwei Polizeiwagen mit Blaulicht vor. Manch ein Besucher wird dabei im ersten Moment eine weitere Showeinlage vermutet haben, doch schnell stellte sich heraus, dass es alles andere als ein Spaß war. Die Beamten erklärten, dass in ihrem Revier eine Bombendrohung gegen das Autohaus eingegangen war. Sie baten Mitarbeiter und Gäste, das Haus zu verlassen. Gut eine halbe Stunde suchten die Polizisten dann nach einem Sprengkörper, doch ohne Ergebnis. Danach konnte die Veranstaltung zwar fortgesetzt werden, doch richtig Stimmung kam nicht mehr auf.

Am Montag waren Manfred Lietze und seine Tochter Diana dann doch ein wenig verwundert, dass die Bombendrohung gegen ihr Autohaus in den Medien gar nicht vorkommt. Auch die Polizei meldete sich nicht. Am Mittwoch riss bei Lietzes der Geduldsfaden.  Diana Lietze rief bei der Polizei in Anklam an, um sich nach dem Ermittlungsstand zu erkundigen.  Mehrmals wurde sie weiter verbunden, bis ihr gesagt wurde, der Fall läge noch zur Verteilung an die Ermittler bei der Sekretärin.

Nicht der erste Anschlag auf das Unternehmen

Für Klaus Lietze ein Unding, dass die Polizei sich so viel Zeit lässt. Dabei hat er den Polizisten vor Ort einen konkreten Verdacht genannt. Schon seit gut fünf Jahren gibt es immer wieder Anschläge auf das Autohaus und die Inhaber-Familie. Da wurden Nägel in die Einfahrt gestreut und die Wände des Privathauses beschmiert. Vor Kurzem bekam Firmenchef Lietze sogar eine Patrone per Post zugeschickt.

Doch alle Versuche, den Urheber zur Verantwortung zu ziehen, hätten bisher nichts gebracht. Die Staatsanwaltschaft hat immer alle Verfahren wegen Nichtigkeit eingestellt. „Muss denn erst wirklich etwas passieren?“, fragt Manfred Lietze und fordert von den Behörden, dass sie die Vorfälle endlich ernst nehmen.

Polizei weist Vorwürfe zurück

Axel Falkenberg, Sprecher der Polizeiinspektion Anklam, weist alle Vorwürfe zurück. Die Auskunft am Telefon gegenüber der Tochter des Unternehmers sei missverständlich gewesen. „So eine Akte muss auch mal angelegt werden, deshalb lag sie bei der Sekretärin“, erklärte er. Denn die Beamten sind seit Samstag mit der Aufklärung der Tat beschäftigt. Dem Verdacht des Autohauschefs werde nachgegangen und über die Staatsanwaltschaft soll nun eine richterliche Anordnung erwirkt werden, mit der der Telefonanruf des Möchtegern-Bombenlegers zurückverfolgt werden kann. Dass die Polizei den Bombenalarm geheim hielt, begründete Falkenberg mit ermittlungstaktischen Gründen.

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