Ein ganz übler Scherz:

Bestatter wird zu einem Krebskranken gerufen

Erwin Wendler ist schwer krank. Er hat Lungenkrebs im Endstadium und kämpft jeden Tag um sein Leben. Nun erlaubte sich jemand einen bitterbösen Telefonstreich mit dem Anklamer.

Erwin Wendler ist von seiner Erkrankung gezeichnet. Dass sich nun jemand einen derart bösen Streich mit ihm erlaubt hat, belastet den Anklamer zusätzlich.
Jörg Foetzke Erwin Wendler ist von seiner Erkrankung gezeichnet. Dass sich nun jemand einen derart bösen Streich mit ihm erlaubt hat, belastet den Anklamer zusätzlich.

Die Krankheit hat Erwin Wendler gezeichnet. Kraftlos und mit eingefallenen Wangen liegt er auf der Couch, rund um die Uhr läuft das Sauerstoff-Beatmungsgerät. Vor gut sechs Jahren hatten die Ärzte bei ihm Lungenkrebs festgestellt. Mittlerweile ist das Endstadium erreicht, Metastasen haben sich im Körper des Anklamers ausgebreitet.

Dennoch hat Erwin Wendler seinen Lebensmut nicht verloren. Gegenwärtig unterzieht sich der 64-Jährige einer weiteren Chemotherapie. Den letzten Termin hatte er am Donnerstag in Neubrandenburg. Das kostete den Mann sehr viel Kraft. Doch was danach passierte, haute Erwin Wendler erst richtig die Beine weg. Gegen 17.45 Uhr klingelte es an der Wohnungstür der Wendlers. Davor stehen Bestatter Joachim Radeke und sein Sohn. Man wolle den verstorbenen Mann abholen, eröffnen die beiden Veronika Wendler.

Die Frau fühlt sich wie vom Blitz getroffen, denn ihr Mann lebt und sitzt im Wohnzimmer. Auch er ist mehr als erschüttert. „Das hat mir sehr viel Kraft genommen und die Nacht danach konnte ich nicht schlafen“, erzählt er.

Auch Bestatter Joachim Radeke ist betroffen. Seine Frau habe den Anruf entgegengenommen. Ein offenbar angetrunkener Mann habe sich gemeldet und die Nachricht von Erwin Wendlers Ableben vermeldet. Dass jemand etwas alkoholisiert sei, wenn er derartige Nachrichten überbringen muss, hat den Bestatter nicht verwundert. „Das passiert schon mal“, berichtet er. Deshalb machte er sich ohne große Gedanken auf den Weg.

Schlechter Scherz ist kein Einzelfall

Als sich vor Ort aufklärte, dass die Angelegenheit mehr als ein übler Scherz gewesen sei, zeigte sich auch Bestatter Radeke betroffen. „So etwas wünscht man doch keinem, doch solche Idioten gibt es immer wieder mal“, sagt er.   Gut 25 Jahre führt Radeke sein Bestattungsunternehmen in Anklam, da habe es bereits mehrere derartige Fälle gegeben. Der letzte läge so zehn Jahre zurück. Doch reden mag er darüber nicht.

Wer mag Erwin Wendler diesen bitterbösen Telefonstreich gespielt haben? Der 64-Jährige hat einen Verdacht, den er auch der Polizei geschildert hat. „Doch der Beamte am Telefon habe gesagt, da könne man nichts machen,“ meint Erwin Wendler enttäuscht.  Gegen diese Handlung greift das Strafgesetzbuch nicht so richtig“, erklärt Axel Falkenberg, Sprecher der Polizeiinspektion in Anklam. Ob Verleumdung, üble Nachrede oder auch Beleidigung, kein Straftatbestand sei so richtig anwendbar. Man habe sich da auch mit der Staatsanwaltschaft beraten. Dennoch ist für die Polizei der Fall noch nicht abgeschlossen.

Gegenwärtig suchen die Kriminalisten nach Möglichkeiten, den Anrufer doch noch auf die Schliche zu kommen.

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