Kiellegung neuer Fregatte:

Blauer Aufschwung für Vorpommern

Glücksbringer unterm Kiel und milliardenschwere Rüstungsaufträge: Nach der Übernahme der ehemaligen P+S-Werft in Wolgast sind die Auftragsbücher für den jüngsten Lürssen-Ableger gut gefüllt.

Auf der zur Lürssen-Gruppe gehörenden Peene-Werft in Wolgast die vierte Fregatte der Klasse F125 auf Kiel gelegt worden.
Stefan Sauer Auf der zur Lürssen-Gruppe gehörenden Peene-Werft in Wolgast die vierte Fregatte der Klasse F125 auf Kiel gelegt worden.

Zwanzig Monate nach der Übernahme durch die Lürssen-Gruppe wird auf der Peene-Werft Wolgast an zwei milliardenschweren Aufträgen gearbeitet. In einem Festakt wurde am Donnerstag die vierte Fregatte der Klasse F125 für die Marine auf Kiel gelegt. Bereits Anfang des Jahres war auf der Werft mit derzeit 300 Beschäftigten mit den Arbeiten für den Bau von 100 Patrouillenbooten für Saudi-Arabiens Küstenwache begonnen worden. Werfteigner Friedrich Lürßen bezeichnete die Fregatten-Kiellegung als "wichtigen Meilenstein zur erfolgreichen Fertigstellung eines der richtungsweisendsten nationalen Marineprojekte der jüngeren Schiffbaugeschichte".

Zusammen mit ThyssenKrupp Marine Systems als Federführer baut die Lürssen-Werft die vier Marineschiffe, deren Auftragswert Werftangaben zufolge bei zwei Milliarden Euro liegt. Mit Waffentechnik und kompletter Ausrüstung kosten die jeweils 150 Meter langen Marineschiffe den Bund nach Angaben des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr rund 3,1 Milliarden Euro. Lürssen übernimmt dabei den Bau der rund 65 Meter langen Vorschiffe. Das letzte Vorschiff wird die Peene-Werft voraussichtlich im Mai 2016 in Richtung Hamburg verlassen, wie Projektleiter Claus Lebioda sagte.

Fregatten für den weltweiten Einsatz

Mit den vier Fregatten, die zwischen 2017 bis 2020 in Dienst gestellt werden sollen, will sich die Marine für den weltweiten Einsatz aufstellen. Dabei verfolge die Marine das Intensivnutzungs- und Mehrbesatzungskonzept, sagte Flottenadmiral Jürgen zur Mühlen. "Mit der Intensivnutzung - also der zweijährigen operationellen Verfügbarkeit - optimieren wir konsequent die Ausrichtung der Marine für einen weltweiten Einsatz."

Werfteigner Friedrich Lürßen hofft auf weitere Aufträge von Behörden für die auf Marineschiffbau spezialisierte Werft. "Die Peene-Werft braucht öffentliche Auftraggeber", betonte er in seiner Rede.

Nach der Insolvenz der P+S-Werften hatte Lürssen den Schiffbaubetrieb im Mai 2013 übernommen und millionenschwere Investitionen getätigt. Die Belegschaft, die den Sprung in das neue Unternehmen geschafft hat, ist zufrieden. "Wenn man so eine Katastrophe wie wir erlebt haben und sehen, was jetzt passiert, kann man sich vorstellen, dass wir vor Optimismus und Zuversicht nur strahlen können", sagte Betriebsrat Jürgen Popp.

Verunsicherung wegen Waffenexport-Stopp nach Saudi-Arabien

Die Vorfertigung für den umstrittenen Auftrag aus Saudi-Arabien hatte Anfang des Jahres auf der Peene-Werft begonnen. Berichte über ein Waffenexport-Stopp nach Saudi-Arabien hatten auch auf der Werft für Verunsicherung gesorgt. "Wir meinen, dass wir nicht davon betroffen sind", zeigte sich Lürssen am Donnerstag gelassen. Der Auftrag für Saudi-Arabien werde die Werft über mehrere Jahre auslasten. Das Auftragsvolumen soll über eine Milliarde Euro betragen.

Vor der Pleite der P+S-Werft waren in Wolgast mehr als 600 Schiffbauer beschäftigt. Die derzeitige Mitarbeiterzahl von 300 soll vorerst konstant gehalten werden. Sei ausreichend für die Bewältigung der bestehenden Aufträge, sagte Lürßen. Neben den rund 300 Mitarbeitern sind 40 Auszubildende auf der Werft beschäftigt.

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Kommentare (1)

Bundeswehr optimiert: erst für Deutschland, dann für die ganze Welt. Zwischendurch gab es eine friedliche Revolution und einen ostdeutschen Abrüstungsminister.