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Butzow: Entscheidung im Mord-Prozess

Das Urteil im Butzow-Fall ist gesprochen. Vor allem für die Tochter des Angeklagten dürfte es ein Schock gewesen sein. Nachzulesen in unserem Minutenprotokoll.

Die mitangeklagte Tochter des Opfers, Elise L. (r.), und der Angeklagte Max L. (l.) im Landgericht von Stralsund.
Marcus Brandt/dpa-Archiv Die mitangeklagte Tochter des Opfers, Elise L. (r.), und der Angeklagte Max L. (l.) im Landgericht von Stralsund.

+++ 18.10 Uhr +++: Das Urteil ist da! Elf Jahre muss Max L. ins Gefängnis, das Gericht sprach ihn wegen Totschlags schuldig. Überraschend hoch die Strafe gegen Elise L., die Tochter des Opfers. Das Gericht blieb weit über der Forderung der Staatsanwaltschaft (zwei Jahre) und verurteilte sie zu fünf Jahren und drei Monaten wegen Totschlags durch Unterlassung und Beihilfe zur Körperverletzung.

 

+++ 17.45 Uhr +++: Die Urteilsverkündung läuft. Gleich mehr...

 

+++ 16.30 Uhr +++: Die Urteilsverkündung wurde kurzfristig auf 17 Uhr verschoben.

 

+++ 16.20 Uhr +++: Gleich ist es soweit: Gegen 16.30 Uhr wollen die Richter ihr Urteil verkünden.

 

+++ 15.35 Uhr +++: Die anberaumte Entscheidung liegt Max L. anscheinend wie Blei auf den Schultern: Die aufgesetzte Heiterkeit der vergangenen Prozesstage hat der 29-jährige Hauptangeklagte verloren. Mit permanent gesenkten Kopf saß er heute im Gerichtssaal und hatte kaum einen Blick für seine Verlobte, die nur wenige Meter entfernt im Zuschauerraum Platz genommen hatte. Selbst als sie ein Stoffherz auf die Anklagebank legte, heiterte dies Max L. kaum auf.

 

+++ 14.35 Uhr +++: Zurzeit beraten sich die Richter. Mit einem Urteil wird gegen 16.30 Uhr gerechnet.

 

+++ 13.30 Uhr +++: Nach den Plädoyers hatten Elise L. und Max L.  eine letzte Gelegenheit vor der Urteilsfindung, sich zu äußern.

"Ich will, dass dieser Albtraum endlich vorbei ist", sagte Elise L. Sie würde alles tun, um die Zeit zurückzudrehen und die Sache ungeschehen zu machen.

Er habe unter Alkoholeinfluss schon viele Fehler gemacht, sagte Max L. Er habe in Butzow das Beste erreichen wollen und bereue sehr, dass er den Vater von Elise L. geschlagen und getreten habe. Und er distanzierte sich offensichtlich von seiner früheren Freundin: Er bereue, dass er nicht auf Freunde gehört habe, die meinten, dass Elise L. einen schlechten Einfluss auf ihn habe. Doch diese Erkenntnis komme zu spät. "Es tut mir alles sehr Leid", sagte  Max L.  hör- und sichtbar bewegt. Ihm kamen zum Schluss die Tränen.

 

+++ 12.40 Uhr +++: Das Plädoyer des Anwalts von Elise L. dauerte nur eine halbe Stunde. Er räumte ein, dass seine Mandantin Beihilfe zur Körperverletzung geleistet habe - mehr aber nicht.  Die Idee, nach Butzow zu fahren, sei von Max L. gekommen, und Elise L. bereue zutiefst, dass sie dem nachgegeben hätte. Dass Elise L. ihren Freund manipuliert habe, wies ihr Verteidiger zurück: Jeder Mensch sei für sich selbst verantwortlich und treffe eigene Entscheidungen. Und dazu sei Max L. auch jederzeit in der Lage gewesen. Nach Meinung des Anwalts kann von einer verminderten Schuldfähigkeit von Max L. keine Rede sein.

Die Schuld seiner Mandantin an dem Geschehen in Butzow hält der Verteidiger für begrenzt: Er plädierte für eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, die auf Bewährung ausgesetzt wird. Schon der Prozess habe ein Umdenken bei Elise L. bewirkt. Sie sei sehr engagiert in ihrer Ausbildung und wolle eventuell noch studieren.

 

+++ 11.40 Uhr +++: Sehr lange zwei Stunden hielt der Verteidiger von Max L., der Rechtsanwalt Christopher Zuberbier, sein Plädoyer. Er sieht den Fall natürlich anders als die Staatsanwaltschaft: Max L. habe kein Motiv gehabt. Zudem sei er durch seinen stark alkoholisierten Zustand am Abend der Tat, wenn überhaupt, nur vermindert schuldfähig für das, was im Haus geschah.

Außerdem unterstrich er, dass die Tochter des Opfers, Elise L., hochmanipulativ sei und angesichts des Zustandes von Max L. stärkere Verantwortung vor Ort hätte übernehmen müssen. Die Tat selbst, sagte der Anwalt, sei von einer dritten Seite ausgeführt worden. Er fordert für Max L. eine angemessene Strafe wegen schwerer Körperverletzung und den Aufenthalt in einer Entzugseinrichtung.

Nach einer Pause ist gleich der Verteidiger von Elise L. mit seinem Plädoyer an der Reihe.

 

+++ 10.30 Uhr +++: Im Moment halten die Verteidiger ihre Plädoyers. Danach wollen sich die Richter beraten.

 

+++ 9.30 Uhr +++: Der Staatsanwalt hält sein Plädoyer. Er fordert eine lebenslange Haft für Hauptangeklagten Max. L. Der Staatsanwalt meint, dass Max L. nur bei der polizeilichen Vernehmung, als er die Tat gestand, die Wahrheit sagte. Bei Elise L. ließ die Staatsanwaltschaft überraschend "Milde walten". Es wurden nur zwei Jahre Haft gefordert. Ihr wird zugute gehalten, dass sie zuvor noch nicht aufgefallen war und nicht hätte absehen können, dass die Vorfälle, die sie angestoßen hatte, zum Tod ihres Vaters führen.

 

Hintergrund:

Am Freitag will das Stralsunder Landgericht im Marathon-Prozess um die Bluttat von Butzow endlich ein Urteil sprechen. Doch die drei Berufsrichter und zwei Schöffen werden es bei der Entscheidungsfindung nicht leicht haben. Doch das wurde gleich vom ersten Prozesstag an deutlich: Der Hauptangeklagte Max L. widerrief damals seine vorherigen Aussagen und wollte sich zunächst an den Tat-Abend gar nicht mehr erinnern: Er sei schon betrunken aus dem Zug in Züssow gestiegen, wo ihn Elise L., die Tochter des Opfers erwartete. Auch an die anschließende Fahrt nach Butzow und das Aufeinandertreffen mit dem Opfer Karl-Heinz L. wollte er sich nicht mehr erinnern.

Elise L. hatte zuvor dem Freund erzählt, sie sei vom Vater im Kindesalter missbraucht worden. Max L., ganz „Kavalier“, wollte dem Vater dazu die Meinung sagen, „die Sache klären“, wie er vor Gericht angab. Dass die „Klärung“ mit Gewalt einherging, ja sogar den Tod des Vaters herbeiführte, daran habe Elise L. nach eigener Aussage nicht denken wollen. Die Strategie der Verteidigung lag klar auf der Hand: Max L. will den Stralsunder Gerichtssaal nicht als verurteilter Mörder verlassen und Elise L. soll möglichst straffrei davon kommen.

Brechen die Angeklagten ihr Schweigen?

Doch als im August dann nach drei Prozesstagen zum ersten Mal das Urteil gesprochen werden sollte, sorgt der Hauptangeklagte für eine überraschende Wende. Elise L. sei doch im Haus ihres Vaters gewesen, gibt er an. Mehr sagt er nicht, doch die Andeutung, die Tochter selbst könne dem Vater Gewalt angetan haben, war unüberhörbar. Die Vorsitzende Richterin Birgit Lange-Klepsch ordnet weitere Prozesstage an, und lässt Zeugen aus ganz Deutschland nach Stralsund anreisen. Doch zur Aufklärung der Umstände können sie nur wenig beitragen. Die Ausnahme war eine Anklamer Kriminalistin, deren Aussage interessante Aufschlüsse zur Persönlichkeit der Angeklagten bot. Sie schätzte Elise L. als sehr manipulativ ein: „Sie bestimmt, wo es langgeht.“

So darf man denn gespannt sein, wie das Gericht das Puzzle von Fakten, Indizien und Zeugenaussagen zu einem rechtsgültigen Urteil zusammenfügt. Doch möglich scheint noch, dass einer der Angeklagten, angesichts der nahenden Verurteilung, sein Schweigen bricht und mit seiner Aussage vollends Klarheit über die Butzower Bluttat bringt. (Hintergrund von Jörg Foetzke)

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