Messer-Mord von Butzow:

Jetzt fällen die Richter das Urteil

Im Prozess um den Butzower Messer-Mord soll am Donnerstag vor dem Stralsunder Landgericht das Urteil gesprochen werden. Für die Richter keine einfache Aufgabe. Denn der Hauptangeklagte Max L. will sich an die Mordnacht gar nicht mehr erinnern können.

In Begleitung eines Anwalts sitzt der Angeklagte Max L. im Landgericht Stralsund.
Stefan Sauer/dpa-Archiv In Begleitung eines Anwalts sitzt der Angeklagte Max L. im Landgericht Stralsund.

Zwar ist die Beweisaufnahme noch nicht abgeschlossen, doch mit umwerfenden Neuigkeiten rechnet kaum noch jemand. So werden Verteidiger und Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers halten, bevor die 21. Schwurgerichtskammer am Stralsunder Landgericht dann das Strafmaß für die zwei Angeklagten bekannt gibt.

Im Butzower Mordfall sollte bereits am 16. August ein Urteil gesprochen sein, doch der Fall war dann doch nicht so klar, wie die Richter es wohl angenommen hatten. Vor allem der des Mordes und der schweren Körperverletzung angeklagte Max L. brachte deren Konzept wohl völlig durcheinander. In der Mordnacht sei er derart betrunken gewesen, aufgrund dessen wären ihm alle klaren Erinnerungen abhandengekommen. Diese Erinnerungslücken-Taktik zog der 29-jährige Züssower bis zum dritten Verhandlungstag durch, dann schien er sich aber nicht mehr so sicher. Auf die Frage, ob die ebenfalls auf der Anklagebank sitzende Elise L. im Haus ihres Vaters war, als Max ihm das Messer in die Brust rammte, wollte er sichtlich erschüttert, plötzlich gar nichts mehr sagen. Waren die bisherigen Aussagen der Angeklagten Makulatur?

Angeblich wurde die Tochter missbraucht

Elise L. beschwor ihre Unschuld. Sie habe Freund Max lediglich nach Butzow gefahren und habe abseits des Hauses auf ihn gewartet. Der Freund habe mit dem Vater über seinen angeblichen Missbrauch der Tochter reden wollen. Gewalt sei nicht eingeplant gewesen, höchstens an eine Backpfeife habe sie gedacht. Diese Version des Tathergangs deckte sich bis dahin mit den Aussagen von Max. Doch an diesem dritten Verhandlungstag schien er einen Moment an sich selbst zu zweifeln. War es die quälende Aussicht auf eine langwierige Gefängnisstrafe und das im Angesicht seine Verlobten, die bangend jeden Prozesstag mitverfolgt hatte?

Doch Max fing sich wieder und dies hatte er offenbar der vorsitzenden Richterin Birgit Lange-Klepsch zu verdanken. Als der Hauptangeklagte sichtbar mit seinem Gewissen kämpfte, bat sie zur Pause. Zeit genug für den Züssower, sich wieder auf seine bisherige Verteidigungstaktik zu besinnen. Was wäre gewesen, hätte die Richterin die Befragung fortgesetzt, statt Pause zu machen?

„Bei guter Führung nach fünf Jahren wieder frei“

Stattdessen setzt Max L. nun wieder auf die fehlende Erinnerung. Die Tat selbst bestreitet er nicht. Doch den Vorsatz, den Vater seiner Freundin zu töten, habe es nie gegeben. „Er hat mich dazu provoziert“, nennt der Züssower als Grund für die folgenschwere Messerattacke an diesem Abend des30. September in Butzow. Jedem Prozessbeobachter wurde klar, wo dies hinführen soll. Gab es von vornherein den Plan, den Vater der Freundin zu töten, war es Mord. Max muss sich dann auf eine lebenslange Haftstrafe einrichten, was mindestens 15 Jahre hinter Gittern bedeutet. Lässt sich dieser Vorsatz jedoch nicht eindeutig nachweisen, muss die Butzower Tat als Totschlag angesehen werden. Max L. müsste dann lediglich mit einer Verurteilung zu acht Jahren Gefängnis rechnen, die er vielleicht noch nicht mal voll absitzen müsste. „Bei guter Führung kommt er dann nach fünf Jahren wieder frei“, meinte ein Insider.

Auch für Elise L. geht es um viel. Kann ihr die unmittelbare Beteiligung oder die Anstiftung zur Tat nicht nachgewiesen werden, kommt sie vielleicht mit einer Bewährungsstrafe davon.

Sicher gibt es Widersprüche, die auf ein anderes Tatszenario schließen lassen könnten, wie die Angeklagten es für den 30. September in Butzow schildern: Warum war das Hoftor geöffnet? Hat Elise L. gar mit dem Auto auf dem Hof geparkt? Warum hat das Opfer, der als Sicherheitsfanatiker bekannt war, einem Wildfremden die Haustür geöffnet? War die Tochter gar der Türöffner? Fragen, auf die es aber bislang keine abschließenden Antwortengibt.

So sind die Richter am Stralsunder Amtsgericht jedenfalls nicht um ihre heutige Aufgabe zu beneiden.

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