Gericht:

Butzow-Mord: Jetzt wollen die Richter ein Urteil sprechen

Der Mord von Butzow vor Gericht: Schon einmal sollte ein Urteil gefällt werden, doch dann gab es neue Erkenntnisse und der Prozess ging in die Verlängerung. Am Freitag nun ein neuer Anlauf zur Urteilsverkündung. Oder bricht doch noch einer der Angeklagten sein Schweigen?

Der Angeklagte Max L. im Landgericht Stralsund.
Stefan Sauer/dpa-Archiv Der Angeklagte Max L. im Landgericht Stralsund.

Am Freitag will das Stralsunder Landgericht im Marathon-Prozess um die Bluttat von Butzow endlich ein Urteil sprechen. Doch die drei Berufsrichter und zwei Schöffen werden es bei der Entscheidungsfindung nicht leicht haben. Doch das wurde gleich vom ersten Prozesstag an deutlich: Der Hauptangeklagte Max. L. widerrief damals seine vorherigen Aussagen und wollte sich zunächst an den Tat-Abend gar nicht mehr erinnern: Er sei schon betrunken aus dem Zug in Züssow gestiegen, wo ihn Elise L., die Tochter des Opfers erwartete. Auch an die anschließende Fahrt nach Butzow und das Aufeinandertreffen mit dem Opfer Karl-Heinz L. wollte er sich nicht mehr erinnern.

Elise L. hatte zuvor dem Freund erzählt, sie sei vom Vater im Kindesalter missbraucht worden. Max L., ganz „Kavalier“, wollte dem Vater dazu die Meinung sagen, „die Sache klären“, wie er vor Gericht angab. Dass die „Klärung“ mit Gewalt einherging, ja sogar den Tod des Vaters herbeiführte, daran habe Elise L. nach eigener Aussage nicht denken wollen. Die Strategie der Verteidigung lag klar auf der Hand: Max L. will den Stralsunder Gerichtssaal nicht als verurteilter Mörder verlassen und Elise L. soll möglichst straffrei davon kommen.

Brechen die Angeklagten ihr Schweigen?

Doch als im August dann nach drei Prozesstagen zum ersten Mal das Urteil gesprochen werden sollte, sorgt der Hauptangeklagte für eine überraschende Wende. Elise L. sei doch im Haus ihres Vaters gewesen, gibt er an. Mehr sagt er nicht, doch die Andeutung, die Tochter selbst könne dem Vater Gewalt angetan haben, war unüberhörbar. Die Vorsitzende Richterin Birgit Lange-Klepsch ordnet weitere Prozesstage an, und lässt Zeugen aus ganz Deutschland nach Stralsund anreisen. Doch zur Aufklärung der Umstände können sie nur wenig beitragen. Die Ausnahme war eine Anklamer Kriminalistin, deren Aussage interessante Aufschlüsse zur Persönlichkeit der Angeklagten bot. Sie schätzte Elise L. als sehr manipulativ ein: „Sie bestimmt, wo es langgeht.“

So darf man denn gespannt sein, wie das Gericht das Puzzle von Fakten, Indizien und Zeugenaussagen zu einem rechtsgültigen Urteil zusammenfügt. Doch möglich scheint noch, dass einer der Angeklagten, angesichts der nahenden Verurteilung, sein Schweigen bricht und mit seiner Aussage vollends Klarheit über die Butzower Bluttat bringt.

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