Enorme Verkehrsbehinderungen:

Diese Brücke lässt Vorpommern bald fluchen

Es ist einer der heikelsten Punkte im Straßennetz von Vorpommern: die Brücke der B109/110 über die Eisenbahnstrecke bei Anklam. Und genau diese Brücke ist so marode, dass sie ab 2015 saniert werden muss. Für Autofahrer hat das erhebliche Folgen.

Die Brücke stammt noch aus der DDR-Zeit und weist erhebliche Feuchtigkeitsschäden im Beton auf. Das Verkehrsministerium prüfte sogar einen Totalabriss der Brücke, entschied sich dann aber doch für eine Sanierung.
Gabriel Kords Die Brücke stammt noch aus der DDR-Zeit und weist erhebliche Feuchtigkeitsschäden im Beton auf. Das Verkehrsministerium prüfte sogar einen Totalabriss der Brücke, entschied sich dann aber doch für eine Sanierung.

Es hätte wirklich kaum eine schlimmere Stelle treffen können: Ausgerechnet die Brücke, auf der die Bundesstraße 109/110 nördlich von Anklam über die Bahngleise geführt wird, ist marode und muss ab dem kommenden Jahr saniert werden. Dazu muss sie über Monate halbseitig und mehrfach sogar für einige Tage komplett gesperrt werden.

Eine Alternative zu der Brücke gibt es in der näheren Umgebung nicht. Wer beispielsweise mit dem Auto von Anklam in die Stadt Usedom fahren will, normalerweise rund 30 Kilometer, müsste dann einen Umweg von 50 Kilometern über Jarmen in Kauf nehmen.

Die Sanierung der Brücke ist leider unumgänglich, sagt dazu Steffen Wehner, Sprecher des Schweriner Verkehrsministeriums. „Die Brücke ist in erbärmlichem Zustand.“ Im Zuge der turnusmäßigen Überprüfung sei aufgefallen, dass Feuchtigkeit in die Brücke eingedrungen sei und die Konstruktion massiv angegriffen habe. Der Beton im Unterbau der Brücke bewege sich, das Ganze lasse sich nicht mehr lange tolerieren: „Wir müssen umgehend handeln“, sagt der Mann aus dem zuständigen Ministerium.

Neubau wäre zu teuer gewesen

Immerhin lohnt sich die Sanierung der Brücke noch: „Wir haben auch einen Ersatzneubau geprüft“, sagt Wehner. Dabei gebe es allerdings verschiedene Probleme: „Wir müssten neben der bisherigen Brücke eine neue Brücke bauen, um Sperrungen der Straße zu vermeiden.“ Ein Neubau sei auf dem morastigen Untergrund allerdings höchst problematisch. „Letztlich war es dann auch eine Kosten-Frage: Die Sanierung kostet rund 1,5 Millionen Euro, ein Neubau hätte wohl das Vierfache gekostet.“

Nach Wehners Angaben sollen die Bauarbeiten nach der Sommer-Saison 2015 starten. „Uns ist natürlich bewusst, dass die Stelle ein neuralgischer Punkt ist“, sagt Steffen Wehner. Man habe daher entschieden, eine ganze Reihe von Vorkehrungen zu treffen, um die Auswirkungen gering zu halten: „Wir bauen jeweils nur halbseitig. Dadurch gehen wir davon aus, dass wir in zwei Bauphasen von jeweils sieben Monaten Dauer bauen können. In dieser Zeit kann der Verkehr aber natürlich nur halbseitig fließen, eine Baustellenampel muss den Verkehr regeln.“

An mehreren Tagen ist die Brücke komplett dicht

Der erste Bauabschnitt soll entsprechend in der Herbst-Winter-Saison 2015/16 stattfinden, der zweite dann nach der Sommerpause: „Innerhalb der Saison wollen wir möglichst nicht bauen“, sagt Wehner. Der genaue Plan werde allerdings derzeit noch vom Straßenbauamt ausgearbeitet. Fest steht allerdings schon: „Wir wollen dafür sorgen, dass in zwei Schichten gebaut wird.“ Ein Dreischichtbetrieb sei hingegen nicht sinnvoll, weil die Bauarbeiten Lärm verursachten. Das sei den Anwohnern am Peendamm nicht zuzumuten.

Die Beton- und Stahlteile der Brücke müssen teilweise ausgetauscht, an anderen Stellen neu verdübelt und abgedichtet werden. Daher ist auch schon klar, dass die Brücke mehrfach voll gesperrt werden muss: „Wenn wir mit Beton arbeiten, muss das einige Tage aushärten.“ Die Planer rechnen derzeit damit, die Brücke während der 14 Bau-Monate insgesamt sechs Mal für jeweils einige Tage zu sperren.

Auch Auswirkungen auf Rettungs- und Schulwege

„Wir werden nach den günstigsten Zeitpunkten für solche Sperrungen suchen“, verspricht Wehner. Über die kommenden Monate soll das Straßenbauamt gemeinsam mit den lokalen Behörden alle Eventualitäten vorbereiten: „Das Ganze hat natürlich auch Auswirkungen auf Dinge wie Rettungswege und Schulwege“, sagt Wehner.

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) informierte daher die lokalen Behörden und auch die Tourismusverbände in der vorigen Woche über die Pläne. „Wir wollen dafür sorgen, dass die Verantwortlichen vor Ort gut informiert sind und sich mitgenommen fühlen“, verspricht Wehner.

In Anklam klärt nun etwa die Schulverwaltung, wie man den Schülertransport organisieren kann, wenn die Brücke gesperrt ist. Womöglich werden die Schüler dann per Bus bis zur Brücke gebracht, laufen durch den Fußgängertunnel, der auch während der Bauarbeiten geöffnet bleibt, und werden auf der anderen Seite von einem anderen Bus abgeholt.

Ministeriums-Sprecher Wehner verspricht außerdem, die Öffentlichkeit werde rechtzeitig über die Sperrungen informiert.