Wie es wirklich war:

Ducherower Dackel-Rätsel ist gelöst

Die Herkunft der knuffigen Welpen, die eine Frau angeblich einem Jungen aufgeschwatzt hat, hat sich aufgeklärt. Rozalia Hierer aus Ducherow hat die drei Dackel weitergegeben. Doch aufgeschwatzt hat sie die Hunde niemandem. Das Gegenteil sei der Fall, sagt sie.

Rozalia Hierer ist wegen der Geschichte ihrer Dackelwelpen gefrustet.
Jörg Foetzke Rozalia Hierer ist wegen der Geschichte ihrer Dackelwelpen gefrustet.

Die Tränen stehen Rozalia Hierer in den Augen, als sie über die Geschichte der sechs kleinen Welpen ihrer Dackeldame Scarlett spricht. Die gebürtige Polin, die seit anderthalb Jahren in Ducherow ein Café führt, kann das Geschehen der letzten Tage immer noch nicht so recht fassen. „Ich war einfach zu gutgläubig, zu naiv, aber aufgeschwatzt habe ich niemandem etwas“, sagt sie.

Die Geschichte sorgte als mysteriöses Dackel-Rätsel von Ducherow für Aufsehen: Drei Jugendliche standen in der vergangenen Woche bei Ute Gudath, der Chefin des Anklamer Tierschutzvereins, auf dem Hof. Ihrem Kumpel seien in Ducherow drei Dackel-Welpen von einer fremden Frau aufgeschwatzt worden, doch zu Hause hätten die jungen Hunde für alles andere als Amüsement gesorgt. Der Vater des Kumpels soll gedroht haben, die Tiere zu töten. Da habe man keine andere Wahl gehabt, als sich dem Tierschutz anzuvertrauen.

Wer die gewissenlose Dame wohl gewesen sei, die einem Jungen einfach drei Tiere aufschwatzt, wird sich so mancher gefragt haben. Und in Ducherow haben sich einige ihren Reim darauf gemacht: Es ist schließlich kein Geheimnis, dass die Dackeldame von Rozalia Hierer sechsfache Mutter geworden ist. Mit den Welpen hat die Chefin des Cafés Rozalia ihre liebe Not. Der Dackelnachwuchs braucht so viel Betreuung, dass sie gar Aushilfen für ihr Café engagieren musste. „Doch den Kleinen sollte es an nichts fehlen“, sagt Rozalia. Sogar zum Impfen sei sie mit den Welpen zu einem Tierarzt gefahren. Der Dackelnachwuchs gedieh jedenfalls prächtig und sprach dann auch schon vor der achten Lebenswoche fester Nahrung zu. „Und die Mutter wollte sie auch nicht mehr säugen“, berichtet Rozalia Hierer.

Für drei Hunde gab es keine Interessenten

Für Rozalia Hierer war damit der Zeitpunkt gekommen, sich nach Interessenten für die Jung-Dackel umzusehen. Für die ersten drei Kleinen fanden sich dann auch recht schnell neue Halter. Auch für die restlichen drei kleinen Hunde gab es einen Interessenten. Ein 30-Jähriger aus Dargibell wollte die Tierchen unbedingt haben. Mehrmals habe er im Café vorbei geschaut. „Da hätte ich vielleicht sagen sollen, dass er es erst mit einem Hund versuchen solle“, sagt Rozalia Hierer. Doch der 30-Jährige drängte trotz seiner Sprachbehinderung darauf, alle drei Welpen zu nehmen. Auf den Einwand eines Freundes, dass die Tiere auch Kosten verursachen, soll er „das weiß ich“, geantwortet haben. „Ich habe ihm noch gesagt, dass er die Hunde zurückbringen kann, wenn er damit nicht klar kommt“, erklärt Rozalia Hierer.

Auch Tierschutz-Chefin Ute Gudath kennt mittlerweile die Zusammenhänge. Die Halter der drei anderen Welpen hätten sie informiert. „Sie haben mir gesagt, dass sie sich so etwas nicht vorstellen können.“ Und der 30-Jährige aus Dargibell hat am Samstag bei Rozalia im Café vorbei geschaut und sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt, die er ihr bereitet hat. Vorher habe sie ihm noch die Ohren langziehen wollen, aber dann habe sie sogar ein wenig Verständnis für ihn gehabt, berichtet Rozalia Hierer. „Er hat doch bloß Freunde gesucht“, meint sie. Und das Manko habe er mit den drei kleinen Hunden aufwiegen wollen.

Rozalia hofft nun natürlich, dass die Geschichte damit für alle beendet ist und das Ducherower Dackel-Rätsel seine mysteriösen Züge endgültig verloren hat. Sie selbst will Konsequenzen daraus ziehen. Dackeldame „Scarlett“ soll künftig keine unkontrollierten Rendezvous mehr genießen und sie selbst will nicht mehr so gutgläubig sein.