Staatsanwalt irrt, Polizei verschweigt:

Durcheinander bei Strafverfolgern

Ein von der Polizei verschwiegener Angriff mit einer Schreckschusswaffe und eine Verwechslung bei der Staatsanwaltschaft haben für falsche Verdächtigungen gegen einen Anklamer gesorgt.

Im Hinterhof dieses Hauses kam es zum tödlichen Einsatz eines Schreckschussrevolvers.
Tilo Wallrodt/Archiv Im Hinterhof dieses Hauses kam es zum tödlichen Einsatz eines Schreckschussrevolvers.

Und es war doch alles anders. Der Anklamer Steven D. wurde vor Kurzem zu zwei Monaten Haft verurteilt. Das Amtsgericht in Pasewalk sah es als erwiesen an, dass er an der Attacke auf drei Asylbewerber in Anklam zumindest fahrlässig beteiligt war.

Der Nordkurier hatte im Zuge der Berichterstattung über den Prozess auch auch über weitere Vorwürfe gegen Steven D. berichtet, der seit mehreren Wochen in Untersuchungshaft sitzt. Dabei ging es um die tödliche Attacke mit einer Schreckschusswaffe im Dezember 2015 in Anklam. Nun korrigierte die Staatsanwaltschaft ihre Antwort auf die entsprechende Nordkurier-Anfrage.

Denn an dem tödlichen Angriff Mitte Dezember war Steven D. mit Sicherheit nicht beteiligt: Da saß er nämlich bereits in Untersuchungshaft – wegen eines anderen Vorfalls in Anklam, der sich einige Wochen zuvor ereignet hatte und bei dem ebenfalls eine Schreckschusswaffe eine Rolle spielte.

Die Polizei hat wieder einmal die Öffentlichkeit im Unklaren gelassen

Laut Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler wird Steven D. zur Last gelegt, eine solche Waffe im Streit gegen den Hinterkopf eines Mannes gehalten und abgedrückt zu haben. Das Opfer trug dabei schwere Verletzungen davon. „In diesem Fall geht es um den Vorwurf der schweren Körperverletzung“, erläutert Zeisler. Deshalb befinde sich der Mann in Untersuchungshaft.

Wegen der Parallelen zwischen beiden Ermittlungsverfahren sei es bei der Nordkurier-Anfrage zu Steven D. zu einem Missverständnis gekommen, so der Staatsanwalt auf erneute Nordkurier-Nachfrage am Freitag.

Dass die Verwechslung überhaupt geschehen konnte, hängt wohl auch damit zusammen, dass die Polizei den Vorfall mit der Schreckschusswaffe, wegen dem Steven D. in U-Haft sitzt, verschwiegen hatte. Das heißt im Klartext: In Anklam wurde – nicht zum ersten Mal und nicht zum letzten Mal im Jahr 2015 – mit einer Waffe auf einen Mann geschossen, der anschließend schwer verletzt war. Und die Polizei hielt es nicht für erforderlich, die Anklamer darüber zu informieren.

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