Nur drei Gäste folgen Einladung zum Gespräch:

Erste Niederlage“ für Einzelbewerber bei Landratswahl

Er hatte sich eine Rede zurecht gelegt, hatte schon gefürchtet, der kleine Rittersaal im Schloss Buggenhagen würde gar nicht reichen für all die Leute, „die vielleicht etwas verändern wollen und die sich für die Zukunft Ostvorpommerns interessieren“.

 Und dann saß der unabhängige Landratskandidat Jürgen Stanschus am Sonnabendnachmittag fast verzweifelt in dem Raum. Die Gesprächsrunde über Wirtschaftsförderung, zu der er die Bürger eingeladen hatte, hatte zwei Journalisten und drei Interessenten angelockt – und die kannten ihn bereits persönlich. „Ich sehe das fast als erste Niederlage an“, sagte der 37jährige selbstständige Obst- und Gemüsehändler aus Lentschow.Er sei enttäuscht über das Desinteresse.‹‹

Tourismus im Hinterland ››Die Wenigen, die gekommen waren, wollten aber schon von Jürgen Stanschus wissen, wie er etwas verändern will. „Ein fertiges Konzept kann ich nicht vorlegen, eigentlich wollte ich in den Gesprächsrunde Schwerpunkte erarbeiten“, räumte er ein. Für ihn spiele aber der Tourismus in Ostvorpommern die größte Rolle. Nicht sanft, sondern kompromisslos, er wolle voll darauf setzen. Auch im Hinterland könne man davon profitieren, der Bau von Ferienwohnungen müsse auf dem Land viel stärker unterstützt werden. Da solle das Landratsamt eine wichtige Anlaufstelle sein.

Langfristig müsse sich der Kreis wirtschaftlich unabhängig machen, meinte Jürgen Stanschus. Ein Lentschower gab aber zu bedenken, dass Tourismusförderung auch langfristig nicht ohne Mittel von Land und Bund möglich sei. „Wenn eine Gegend wirklich blühen soll, ist Kaufkraft wichtig und ein gesunder Mittelstand, wir haben beides nicht. Wie soll das Geld in die Region kommen, was gibt’s für Vorschläge für den Mittelstand?“, fragte Wolfgang Woltanski, Transportunternehmer aus Lassan. „Das Geld sollen die Urlauber bringen“, meinte Stanschus. Das reiche wohl nicht.

Er habe schon konkrete Ziele des Landratskandidaten erwartet, wie er Arbeitsplätze schaffen und die Betriebe unterstützen wolle, so Woltanski. Jürgen Stanschus sieht für sich einen Vorteil, weil er als Parteiloser bei Entscheidungen keinen parteipolitischen Zwängen unterworfen sei. Ein Gast riet ihm allerdings, schon zu den Parteien im Kreistag Position zu beziehen, schließlich habe er selbst keine hinter sich. Wie wolle er da als Landrat seine Ziele durchbringen.

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