:

Extremismus? Anklam wieder abgestempelt

Vielleicht liegen die Worte Anklam und Extremismus in manchen großen deutschen Redaktionen tatsächlich in der gleichen Schublade. Das macht die Arbeit ja auch viel leichter und spart teure Recherchen vor Ort.

Asylbewerber, Angriff, Anklam - bei diesen drei Worten denkt mancher gleich an Extremismus und Ausländerfeindlichkeit.
Montag: Fred Woytaczak Asylbewerber, Angriff, Anklam - bei diesen drei Worten denkt mancher gleich an Extremismus und Ausländerfeindlichkeit.

„Extremismus: Asylbewerber in Anklam angegriffen.“ So kann man es seit Sonntag beim Nachrichtenmagazin Focus in dessen Online-Ausgabe lesen, die Schweriner Volkszeitung machte es wortgleich nach. Grundlage der alarmierenden Meldungen: Eine Polizeimeldung vom Sonntagvormittag, dort konnte man lesen, dass ein Asylbewerber aus Ghana in den frühen Morgenstunden des Sonnabends in der Anklamer Mühlenstraße „geschubst“ worden sei. Der angegriffene Ghanaer verletzte sich dabei, so die Polizeimeldung weiter, an der Hand, konnte aber noch sein mitgeführtes Pfefferspray einsetzen und seinen Angreifer damit attackieren. Der erlitt Augenreizungen und ging darauf zum Arzt.

Täter und Opfer bereits polizeibekannt

So konnte man es auch im Nordkurier am Montag nachlesen, dazu noch eine Stellungnahme der Polizei, dass man zu einem möglichen rechtsextremen Hintergrund keine Vermutungen anstellen wolle. Das war auch besser so. Denn inzwischen weiß man mehr. Sowohl Täter als auch Opfer waren schon vor dem Vorfall bei der Polizei bekannt, unter anderem wegen Drogenvergehen. Der Ghanaer soll es sogar schon auf 19 Ermittlungsverfahren gebracht haben. Zudem, so teilte die Polizei jetzt weiter mit, hatten sich Täter und Opfer schon vor der Tat gekannt. Ob die Bekanntschaft aus der gemeinsamen Drogenvorliebe resultierte, wollten die Beamten nicht kommentieren, auch nicht Spekulationen, dass die Auseinandersetzung womöglich aus unterschiedlichen Auffassungen über den korrekten Ablauf eines Drogendeals resultierte. Die Ermittlungen dauern jedenfalls an.

Keine neuen Erkenntnisse gibt es zum Vorfall von Anfang November am Anklamer Bahnhof, bei dem eine Gruppe junger Anklamer drei Asylbewerber aus Afghanistan und Iran angegriffen haben soll. Die Polizei hat ihre Ermittlungen dazu abgeschlossen und den Fall an die Staatsanwaltschaft in Neubrandenburg abgegeben. Von dort allerdings gab es bis jetzt noch keine Auskünfte über mögliche Hintergründe.

Weiterführende Links