Zuckerfabrik gilt als Verursacher:

Fischsterben in der Peene - "Katastrophe für die Natur"

Die Zuckerfabrik Anklam räumt eine Verunreinigung der Peene ein. Doch noch ist unklar, ob diese auch für das Massensterben von Fischen verantwortlich ist. Umweltminister Backhaus fordert eine lückenlose Aufklärung.

Stefan Sauer Die Anklamer Zuckerfabrik räumt nach eigenen Probenentnahmen ein, für die Verschmutzung der Peene verantwortlich zu sein. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg ermittelt wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung - bislang gegen Unbekannt.

Massenhaft tote und sterbende Fische in der Peene: In dem als «Amazonas des Nordens» bekanntem Fluss hat sich nach Einschätzung von Fachleuten eine große Umweltkatastrophe ereignet. Nach Angaben der Naturparkverwaltung ist auf mehrere Kilometer das gesamte Gewässersystem betroffen - im Ober-, Mittel- bis zum Grundgewässer lebende Fische wurden tot gefunden. "Das ist eine Katastrophe für die Natur", sagte Mike Stegemann, Mitarbeiter der Naturparkverwaltung "Flusslandschaft Peenetal". Neben meterlangen Hechten, starken Zandern und Barschen seien auch Aale verendet, die am Grund der Peene leben. "So ein Ausmaß an toten Fischen habe ich seit 1993, seitdem ich hier arbeite, noch nicht erlebt", sagte Stegemann. Wann sich das Ökosystem wieder erhole, könne bislang nicht gesagt werden.

Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg ermittelt wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung - bislang gegen Unbekannt. "Wir stehen ganz am Anfang", sagte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler. Zunächst müsse nach der Entnahme von Wasserproben geprüft werden, ob die Einleitung einer stark nach Ethanol riechenden Flüssigkeit ursächlich für das Massensterben sei. "Das wird eine Zeit dauern", sagte Zeisler.

Die Anklamer Zuckerfabrik teilte am Dienstag mit, dass in mehreren Schächten einer Regenwasserleitung des Bioethanol-Lagers dieselbe Flüssigkeit festgestellt worden sei, die zuvor bereits in einem Kanalisationsrohr aufgefallen war. Die stark nach Ethanol riechende Flüssigkeit war über die Kanalisation in ein mit der Peene verbundenes Grabensystem geflossen. Die Anklamer Bioethanol GmbH ist ein Tochterunternehmen der Zuckerfabrik. Die Produktion im Bioethanolwerk wurde inzwischen gestoppt.

Trotz einer noch am Montagabend verfügten Absperrung floss am Dienstag weiter die brennbare Flüssigkeit aus dem Rohr, wie Anwohner berichteten. Die Feuerwehr sperrte daraufhin die Stelle weiträumig wegen Explosionsgefahr ab.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) forderte eine lückenlose Aufklärung. "Es muss jetzt bis ins letzte Detail alles untersucht werden, damit so etwas nicht wieder passieren kann", sagte Backhaus. Für die Flora und Fauna im Naturpark Flusslandschaft Peenetal sei dies eine "dramatische Situation".

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Kommentare (2)

Dabei hat die Zuckerfabrik gerade erst eine Ausnahmegenehmigung bekommen, weil deren Klärbecken nicht dicht sind und entsprechend die Peene belasten. Absurdes Argument der Zuckerfabrik war, sie könnten sich die Sanierung (sprich das Einhalten geltendes Rechts) finanziell nicht leisten. Letztlich ist die Politik beim Totschlagargument Arbeitsplatzverlust eingeknickt. Spätestens jetzt kann jeder erkennen, warum man nicht mit dem Teufel paktieren sollte.

Die Umweltgefährdung durch die Zuckerfabrik ist den Behörden einschließlich Kommunal- und Landesregierung einschlägig bekannt. Bitte, lieber Nordkurier, bleibt jetzt dran! Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um Till Backhaus mit seiner Maulkorb-Politik zu konfrontieren! Er hat sich und seine untergeordneten Behörden von den Konzernen erpressbar gemacht und einem solchen Skandal den Weg geebnet. Im Übrigen kommen immer noch massenhaft tote Fische auf der Peene angetrieben. Das ganze Ökosystem ist zwischen Seesportclub und Menzlin umgekippt.