Im Gespräch mit Georg-Werner Voss:

"Für uns interessieren sich keine Parteien"

Anklamer Zeitung im Gespräch mit dem Buggenhagener Gemeinde-Oberhaupt Georg-Werner Voss.

Die Kommunalwahlen am 13. Juni werfen ihre Schatten voraus: Allerorten schmieden die Parteien ihre Wahl-Programme und suchen nach Kandidaten. In Buggenhagen spielt Parteipolitik dagegen kaum eine Rolle, und damit ist Bürgermeister Georg-Werner Voss (46) ganz zufrieden. Unser Redaktionsmitglied Elke Gundel unterhielt sich mit dem Landwirt über seine Erfahrungen als Gemeinde-Chef.

Welche Bilanz ziehen Sie nach anderthalb Jahren Regierungszeit?

Im großen und ganzen entwickelt sich die Gemeinde Buggenhagen positiv.

Was waren die größten Erfolge für die Gemeinde?

Das wichtigste ist, daß wir politisch selbständig sind und uns mit 270 Einwohnern selbst verwalten. Entscheidend ist außerdem, daß es bei uns Konsens ist, daß wir unseren dörflichen Charakter erhalten und nicht zu einer Schlafstätte für andere Orte werden wollen. Die Zusammenarbeit mit dem Amt Ziethen und den anderen Gemeinden im Amtsbereich läßt ebenfalls keine Wünsche offen. Sehr gut hat sich auch die Kooperation mit dem Förderverein Ziethen entwickelt. Dadurch ist es uns möglich geworden, vier Einwohner über AB-Maßnahmen in Arbeit zu bringen, eine weitere Stelle ist in Aussicht - das ist für uns schon sehr viel. Außerdem sind wir in der glücklichen Lage, daß alle Bürger in zumutbaren Wohnungen leben. Und wir haben es geschafft, mit allen Partnern aus Wirtschaft und Politik ein gutes Verhältnis zu pflegen. Daß in der Gemeindevertretung großer Wert auf Ökologie und Naturschutz gelegt wird, halte ich auch für wichtig.

Was waren die größten Enttäuschungen?

Eigentlich hatten wir keine großen Reinfälle.

Wo liegen die spezifischen Vorteile in Ihrer Gemeinde?

Daß wir eine kleine Gemeinde mit dörflichem Charakter sind - was viele nicht mehr haben. Das wird auch im Flächennutzungsplan, der gerade erarbeitet wird, weiter verfolgt. Ein Vorteil ist auch, daß wir neuerdings komplett im Landschaftsschutzgebiet liegen - bei uns kann man noch Natur pur erleben. In Sachen sanfter Tourismus sind wir aber noch entwicklungsfähig.

Wo liegen die spezifischen Probleme in Ihrer Gemeinde?

Weil wir nur wenig Einwohner auf einer großen Fläche haben, liegen auch die Einnahmen entsprechend niedrig. Daher ist unsere Gemeindekasse meistens stark in Anspruch genommen.

Bei welchem Landesgesetz haben Sie am lautesten aufgestöhnt?

Immer, wenn man uns 'was abzieht.

Bei welchen Themen gab es Meinungsverschiedenheiten in der Gemeindevertretung?

Beim Wegebau, und dabei bei der Frage, ob die Wege befestigt werden sollen oder nicht. Ansonsten sind wir eine Wählergemeinschaft, haben unsere wichtigsten Ziele erreicht und finden meistens eine gemeinsame Linie. Schwierig war, daß wir unseren Bürgermeister aus gesundheitlichen Gründen und einen Stellvertreter aus Altersgründen ersetzen mußten.

Schon Erfahrungen

Spielt Parteipolitik auf kommunaler Ebene eine Rolle?

Bei uns überhaupt nicht. Für uns interessieren sich keine Parteien.

Wo stößt Kommunalpolitik Ihrer Meinung nach an ihre Grenzen?

Beim Geld, ansonsten eigentlich nicht. In so einer kleinen Gemeinde wie Buggenhagen wird von oben kaum hineinregiert. Da haben wir auch den Vorteil, daß wir weit ab vom Schuß liegen.

Hatten Sie sich die Arbeit von Anfang an so vorgestellt?

Ich war schon vorher Gemeindevertreter und habe daher schon Erfahrungen sammeln können. Als ich den Posten übernahm, habe ich mir schon etwas dabei gedacht. Ich versuche, mit der Hilfe der Gemeindevertreter und der Bevölkerung etwas für Buggenhagen zu bewegen. Einiges haben wir dabei schon erreicht - zum Beispiel konnten wir die Haushaltssituation verbessern, und die kommunalen Wohnungen sind weitgehend saniert.

Gab es einen Punkt, an dem Sie ihr Amt am liebsten abgegeben hätten?

Nein.

Man sagt ja: Drei Dinge braucht der Mann. Welche drei Dinge braucht denn ein Gemeindevertreter?

Erstens eigene Vorstellungen davon, warum man sich hat wählen lassen. Zweitens einen Bürgermeister und eine Gemeindevertretung, die einem hilft, bestimmte Ziele durchzusetzen. Und drittens eine Verwaltung, die einen davor bewahrt, Fehler zu machen.

Ich glaube, in unserer Gemeinde ist das zum Teil gelungen. Der Zusammenschluß der Altkreise Anklam und Wolgast im Amt Ziethen ist für Buggenhagen vorteilhaft gewesen - alle amtsangehörigen Gemeinden haben diesen Prozeß unterstützt.

Werden Sie erneut als Bürgermeister antreten?

Ja - ob ich allerdings gewählt werde, das müssen die Bürger entscheiden.

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