Bandidos-Rückkehr :

Geadelt durch Dresche

Die Polizei hatte einen Heizpilz dabei, die Rocker jede Menge schlechte Laune und viele zwielichtige Gäste. Die Neugründung der „Bandidos“ - eine differenzierte Betrachtung.

Erst im Sommer 2012 haben die Anklamer Bandidos feierlich verkündet, dass ihr Chapter nun aufgelöst ist. Anderthalb Jahre später feiern sie die Wiedereröffnung – mit reichlich mies gelaunten Gästen aus der gesamten Republik.
Marius Becker Erst im Sommer 2012 haben die Anklamer Bandidos feierlich verkündet, dass ihr Chapter nun aufgelöst ist. Anderthalb Jahre später feiern sie die Wiedereröffnung – mit reichlich mies gelaunten Gästen aus der gesamten Republik.

Jungs sind Jungs. Einerseits. Sie dürfen Chrom polieren und Lederjacken anziehen, Anabolika dürfen sie nicht nehmen, weil verboten, aber gerne in Eisenstudios schwitzen, damit auch jeder sieht, was sie für harte Kerle sind. Sie dürfen Bier trinken, bis der Arzt kommt, aber der wird in diesen Kreisen nur selten gerufen, sie dürfen Frauen fiese Namen geben, wenn sie welche finden, die sich das gefallen lassen. Kurz, sie dürfen jeden Tag ihren etwas aus der Zeit gefallenen Leder-Fasching feiern.

Andererseits: Was soll der ganze Blödsinn? Hatten nicht noch im Juli letzten Jahres die „Bandidos“ feierlich ihre Selbstauflösung verkündet? Okay, sie hatten gute Gründe, drei führende Köpfe standen gerade vor Gericht, da macht sich so eine Abkehr nicht schlecht. Aber dann: Wird da einfach bauernschlau eine neue Unterstützergruppe aufgemacht, die da weitermacht, wo die Bandidos aufgehört haben: Sich höllisch von Hells Angels verdreschen lassen (neulich in Greifswald, mitten auf der wichtigsten Kreuzung) oder selbst Angels verdreschen (in Anklam im Tierfuttergeschäft, Opfer war der frühere Bandidos-Boss und jetzige Hells Angel Ossi aus Anklam).

Alles Bruderschaft, alles geheim

Man blickt ja bei diesen Rockern mit ihrer unter den Lederjacken womöglich irgendwie schwitzigen Kameraderie nicht durch, ist ja alles Bruderschaft, alles geheim. Aber es dürfte schon irgendwie so gelaufen sein, dass genug gedroschen oder Dresche bezogen wurde, dass man sich jetzt wieder mit dem total angesagten Bandidos-Titel schmücken kann. Denn man kann den Bandidos ja vieles nachsagen, aber eines muss man zu ihrer Ehrenrettung sagen: Aufsteigen in ihrer Hierarchie tut man nicht, indem man Omis schubst.

Aber dass sie überhaupt so auf Hierarchien stehen und wie der piefigste Provinzverein rasend wichtige Funktionen kennen, um die ein riesiges Brimborium gemacht wird, das verwundert dann schon etwas bei Leuten, die doch sonst so auf wilde Freiheit machen. Aber egal, jeder, wie er will.

Dann darf man halt sein Clubhaus nicht mitten in die Stadt setzen

Oder nein, lieber doch nicht. Denn warum auch immer die Bandidos jetzt wieder in Vorpommern aktiv sind, was uns ja irgendwie auch so ein großstädtisch-wildes Image gibt, fast so wie die Eröffnung eines McDonalds oder eines Kreisverkehrs, eines sollten zumindest unsere einheimischen Bandidos ihren Freunden mal flüstern: In der Region, in der man bleiben möchte, führt man sich nicht gleich bei der Eröffnung auf wie wilde Sau. Gut, das machen Berliner manchmal so, auch wenn sie keine Bandidos sind, aber Einheimische, die nur mal gucken wollen, was dieser ganze Rummel um die Clubhaus-Eröffnung am Sonnabend in Anklam sollte, die möchten doch bitteschön nicht von Berliner Kuttenträgern doof angemacht werden. Dann darf man halt sein Clubhaus nicht mitten in die Stadt setzen, wenn man so schüchtern ist, dass man keine neugierigen Blicke aushält.

Dagegen waren dieses Mal die Polizeikräfte, die aus dem ganzen Land zusammengezogen waren, um nach den jüngsten Dresche-und-verdroschen-werden-Eskapaden für Sicherheit zu sorgen, richtig gut drauf und sogar nett: Sie hatten sogar einen Heizpilz mitgebracht, weil sich solche Personenkontrollen manchmal ja doch in die Länge ziehen. Aufwärmen durften sich Polizisten und Patienten, pardon, zu kontrollierende Mitbürger.

Jeder Dritte vorbestraft

Die hatten keine gefährlichen Gegenstände, wohl aber beeindruckende Vorstrafen im Gepäck: Von den rund 100 kontrollierten Bandidos-Freunden war jeder Dritte vorbestraft. Dazu zählten Drogendelikte, aber auch Verstöße gegen das Waffengesetz, Raub und gefährliche Körperverletzungen. Ehrlicherweise muss man dazu aber auch sagen, dass es auch in Vorpommern Kneipen gibt, in denen jede Menge Aktenzeichen verkehren, gut, alles verjährt, aber trotzdem. Und in diesen Kneipen ist es eigentlich immer friedlich. Von daher: Warten wir mal ab, wo dieser Leder-Fasching noch hinführt.