Neue Bahn-Waggons nicht in Vorpommern:

Großer Bahnhof, kleine Wirkung

Die Deutsche Bahn tauft in Greifswald einen ihrer neuen Regionalzüge und lässt es dabei richtig krachen - natürlich ist auch Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) mit von der Partie. Dumm nur, dass vorerst trotzdem weiter die alten Züge fahren - auch dank des Ministers.

Natürlich kam auch Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) zur Zugtaufe nach Greifswald. Dabei steht er in Sachen Bahn gar nicht so glänzend da.
Gabriel Kords Natürlich kam auch Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) zur Zugtaufe nach Greifswald. Dabei steht er in Sachen Bahn gar nicht so glänzend da.

Wenn die Deutsche Bahn zu Torte, Bratwurst, Sekt und guter Laune auf den Greifswalder Bahnhof einlädt, darf einer natürlich auf keinesfalls fehlen: Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Der 41-Jährige lässt sich bekanntlich besonders gern auf Foto-Terminen ablichten.

So auch am Freitag: Da taufte Pegel gemeinsam mit Greifswalds Oberbürgermeister Arthur König (CDU) einen neuen Doppelstock-Regionalzug auf den Namen „Caspar David Friedrich“. Die Bahn will damit „regionale Verbundenheit“ symbolisieren – doch mit der ist es in Vorpommern derzeit eigentlich noch ziemlich weit her.

Denn auf der Bahnstrecke von Stralsund über Pasewalk nach Berlin (RE3) rollen die neuen Züge bislang eher selten. Stattdessen sind dort antike Waggons aus dem vorigen Jahrhundert im Einsatz, denen all das, was die neuen Wagen haben, fehlt: Klimaanlage, Steckdosen, ausreichend Fahrradplätze und große Gepäck-Bereiche. Schuld daran ist allerdings nicht die Bahn, sondern Pegels Ministerium. Die Behörde schreibt den Regionalverkehr auf den Bahnstrecken des Landes nämlich alle paar Jahre aus.

Ministerium patzte bei der Ausschreibung

Im Fall der Vorpommern-Strecke war dies zuletzt vor einigen Jahren der Fall, seit Ende 2014 gilt der neue Verkehrsvertrag. Den Zuschlag erhielt die Deutsche Bahn, die nach Ministeriums-Meinung das beste Angebot abgab. Im Gegenzug für die mutmaßlich günstigen Preise machte das Ministerium der Bahn aber offenbar ein Zugeständnis: Auf der Vorpommern-Strecke dürfen zunächst statt moderner Züge noch die alten Schrott-Waggons fahren.

Die Bahn begründet das mit Lieferverzögerungen. „Wann uns alle neuen Züge zur Verfügung stehen, können wir noch nicht sagen“, sagt Bahn-Sprecher Holger Auferkamp. Nach seinen Angaben sind aber auch jetzt schon mehr als die Hälfte der Züge auf der Linie RE3 mit den modernen Waggons unterwegs – Bahn-Fahrgäste nehmen das allerdings ganz anders wahr.

Erst voriges Jahr hatte sich das Ministerium in ähnlicher Weise bei der Ausschreibung der Bahnstrecke nach Ueckermünde blamiert: Dort waren in den vergangenen Jahren zwar sämtliche Bahnhöfe behindertengerecht saniert worden. Seit 2014 sind dort aber plötzlich wieder alte Züge im Einsatz, die Rollstuhlfahrer nicht nutzen können. Das Verkehrsministerium hatte zerknirscht zugeben müssen, bei der Ausschreibung wohl zu sehr auf die Kosten geachtet zu haben. So rechtfertigte Minister Pegel auch gestern das Gemurkse bei der Vorpommern-Bahn: Landesweit koste der Schienen-Nahverkehr 240 Millionen Euro im Jahr, 30 Millionen davon flössen in die Strecke Stralsund-Pasewalk-Berlin: „Das ist kein Pappenstiel“, findet Pegel.

Guter Rat vom Minister: Fahrt mehr Bahn!

Immerhin: Deutlich komfortabler als bislang sind die neuen Waggons in der Tat. Neben Klimaanlage, Steckdosen und Ledersitzen für die erste Klasse gibt es Automaten für Getränke und Snacks sowie eine Video-Überwachung für mehr Sicherheit – und um nicht zwangsläufig immer einen Schaffner an Bord haben zu müssen.

Der vorpommersche Bundestags-Abgeordnete Matthias Lietz (CDU) kritisierte am Rande der Veranstaltung, dass Vorpommern erst ganz zuletzt mit neuen Waggons bedacht wird: „Das finde ich, vorsichtig gesagt, ein bisschen ungeschickt.“ Er fahre selbst regelmäßig mit der Bahn nach Berlin und achte stets darauf, einen der wenigen Fernzüge zu erwischen: „Es wäre schön, wenn man sich künftig nicht mehr davor fürchten müsste, einen Regionalzug zu nehmen.“

Minister Pegel räumte dann sogar selbst ein, die langsame Verfügbarkeit der neuen Waggons sei ein „Wermutstropfen“. Er hatte für die geplagten Bahn-Fahrer in der Region gestern allerdings auch einen guten Ratschlag parat. Der lautete: „Kaufen Sie einfach mehr Fahrkarten, damit die Bahn mehr Umsatz macht!“

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