Wirtschaft:

Güterzüge lassen Anklamer Hafen richtig brummen

Der Wasserweg spielt für den Güterumschlag in Anklam nur eine Nebenrolle. Das Bahngleis an der Kaikante ist viel wichtiger, damit die städtische Gesellschaft schwarze Zahlen schreiben kann.

Der Kies-Zug ist da: Im Anklamer Hafen wird auch am Wochenende Baumaterial für die Anklamer Umgehung entladen. Nicht etwa Schiffe, sondern Züge stehen beim Güterumschlag an der Kaikante im Mittelpunkt.
Claudia Müller Der Kies-Zug ist da: Im Anklamer Hafen wird auch am Wochenende Baumaterial für die Anklamer Umgehung entladen. Nicht etwa Schiffe, sondern Züge stehen beim Güterumschlag an der Kaikante im Mittelpunkt.

Eine Goldgrube ist der Anklamer Hafen nicht, sagt Susanne Bluhm, Geschäftsführerin der Binnenhafen Anklam GmbH. Aber die Bürger zahlen auch nicht drauf – der Hafen ist keine Belastung für die Stadt, betont sie. Gab es vor vier Jahren noch ein Minus von 58 000 Euro, so stabilisiert sich die Sache seither. Es zahlt sich offenbar aus, dass die GmbH auf neue Füße gestellt wurde. Sie wird nun in Personalunion von der Chefin der Grundstücks- und Wohnungswirtschafts GmbH (GWA) geführt, aber getrennt abgerechnet.

Die Bilanzen schwenkten abgesehen von einem Ausrutscher wegen der Brückenbauarbeiten an der Peene ins Plus. Im vorigen Jahr erzielte die städtische Hafengesellschaft ein positives Ergebnis von 6030 Euro und in diesem Jahr wird es noch besser: „Wir rechnen mit Rekordumschlagszahlen“, sagt Susanne Bluhm. Und das, obwohl Restbauarbeiten an der Eisenbahnbrücke ab Mitte Oktober bis zum Jahresende zeitweise noch einmal Sperrungen der Wasserstraße mit sich bringen werden.

80 000 Tonnen Güter umgeschlagen

Bis jetzt sind in Regie der GmbH bereits über 80 000 Tonnen Güter umgeschlagen worden – der größte Teil davon in Anklam. Die Häfen in Jarmen und Demmin, die ebenfalls von der GmbH betrieben werden, sind eher Nebensache. Zehntausende Tonnen Holz, Dünger, Ölfrüchte und Baumaterial - so viele Frachtschiffe legen doch in Anklam gar nicht an?

Richtig – den Wasserweg nahmen in diesem Jahr bisher nur rund 23 000 Tonnen. Viel wichtiger für die Hafen-GmbH ist das, was auf der Schiene anrollt – 59 000 Tonnen wurden in den ersten neun Monaten des Jahres dort umgeschlagen. Auf dem sogenannten Bahnanschlussgleis können Güterzüge bis ins Hafengelände fahren. So brachte ein Zug am Wochenende erneut massenweise Kies für den letzten Bauabschnitt der Anklamer Ortsumgehung – Lkw holen die Fracht ab.

Bei Holz ist es umgekehrt: Von den Holztransportern werden die Stämme in Güterwaggons umgeladen – 21 000 Tonnen Holz hat die GmbH 2013 bereits bewegt. Und was Susanne Bluhm besonders freut: Zunehmend wird im Anklamer Hafen auch Raps für die Ölmühle umgeschlagen. Um die Ölfrüchte besser entladen zu können, hat die GmbH in diesem Jahr sogar investiert und ein spezielles Förderband angeschafft.

"Froh, dass der Hafen stabil läuft"

Und wie sieht Susanne Bluhm die Zukunft – gibt es Entwicklungsmöglichkeiten für den Hafen? „Wir sind erstmal froh, dass der Hafen stabil läuft.“ Dennoch ist der Umschlag Schiene-Straße aus ihrer Sicht noch ausbaufähig. So könnte die Bilanz des Hafens deutlich verbessert werden, wenn moderne, schnellere Technik zur Verfügung stehen würde. Denn bisher müssen die Förderbänder meist manuell bedient werden. Die Binnenhafen GmbH arbeitet abgesehen von der Geschäftsführerin nur noch mit einer Vollzeitstelle, alles andere wird mit Teilzeitkräften und Dienstleistungen Dritter erledigt – das spart Kosten.

Auf jeden Fall ist das Logistik-Angebot an der Kaikante für Anklam ein Standortvorteil, wenn es um Firmenansiedlungen geht, ist Susanne Bluhm überzeugt. Der Hafen sollte daher nach ihrer Meinung auch das bleiben, was er ist – ein Wirtschaftshafen.  Der Traum mancher Anklamer, den Hafen in eine Sportboot-Marina zu verwandeln, sei derzeit auch gar nicht möglich: Für den Anklamer Hafen sind Fördermittel geflossen – unter der Voraussetzung, dass dort weiterhin Güter umgeschlagen werden.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung