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Hält das Wundermittel DNA, was es verspricht?

Wie schütze ich mein Eigentum vor Dieben? Jetzt gibt es ein künstliches Schloss, das wertvolle Anlagen wie etwa die Solarmodule in Anklam sichert. Künstliche DNA ist das Zauberwort. Doch wie soll das denn Diebe abschrecken?

Axel Matz trägt künstliche DNA auf ein Photovoltaikmodul auf. Sie ist unsichtbar und soll Diebe abschrecken.
Oliver Wunder Axel Matz trägt künstliche DNA auf ein Photovoltaikmodul auf. Sie ist unsichtbar und soll Diebe abschrecken.

Mit Pinsel und Sprühflaschen bewaffnet kniet sich Axel Matz über die Solarmodule der Photovoltaikanlage in der Max-Planck-Straße in Anklam. Er trägt Lack mit künstlicher DNA auf die Module. Das soll Diebe effektiv abschrecken.

Denn immer wieder geraten Anlagen wie diese in das Visier der Kriminellen. Die Anklamer Photovoltaikanlage verfügt über 2000 Module zur Stromerzeugung sowie zehn Wechselrichter zur Umwandlung der Gleichspannung aus den Solarmodulen in Wechselspannung und Einspeisung in das Stromnetz. Die Technik ist richtig teuer. „Die Kosten betragen 200 bis 250 Euro pro Modul und 4000 bis 10 000 Euro pro Wechselrichter“, sagt Axel Matz, Geschäftsführer der Firma spectrum distribution, die die künstliche DNA vertreibt.

Ein massiver Zaun mit NATO-Draht schützt das Gelände sichtbar gegen Diebstahl. Unsichtbar dagegen ist der frisch aufgetragene Schutz durch künstliche DNA.

Künstliche DNA funktioniert so, dass die Module an mehreren Stellen mit einer klaren Flüssigkeit markiert werden. Diese ist nicht zu sehen. Die markierte Stelle leuchtet, wenn sie mit einer UV-Lampe angestrahlt wird. Zusätzlich ist in dem Lack ein künstlicher DNA-Strang mit einem eigenen unverwechselbaren Code eingearbeitet. In der Flüssigkeit sind auch sehr kleine beschriftete Plättchen, Microdots, aufgetragen, die erst unter dem Mikroskop ihre Codierung offenbaren. In einer zentralen weltweiten Datenbank sind die Codierungen eingetragen.  

Im Idealfall findet die Polizei das Diebesgut, untersucht es mit einer UV-Lampe und stellt dann fest, dass es leuchtet. Die Beamten sehen mit dem Mikroskop die Microdots und fragen die Codierung in der Datenbank ab. Wenn keine Microdots zu finden sind, kann selbst in den winzigsten Lackresten ein forensisches Labor die künstliche DNA nachweisen.

„In Bremen lief ein Modellversuch über drei Jahre mit 6000 Haushalten. Das Einbruchsrisiko in diesen Wohnungen liegt nur noch bei 0,03 Prozent, bei nicht ausgestatteten Haushalten liegt es bei 4 Prozent“, sagt Axel Matz.

Die künstliche DNA eignet sich eher zur Abschreckung als zur Aufklärung. Statistisch belastbare Zahlen gibt es dazu noch nicht.

Es gibt aber auch Kritiker des Verfahrens. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) spricht von „falschen Versprechungen an die Bevölkerung“. Die Wirkung von künstlicher DNA sei überschätzt. Dazu kommt, dass Hinweisschilder Diebe erst recht anlocken oder aber Verdrängungseffekte auslösen könnten: Die Langfinger weichen auf unmarkierte Häuser aus.