:

Herr Telekom-Boss, warum sind wir hier so langsam?

Breitband-Internet - für viele Dörfer in Vorpommern ist das auch heute noch ein Wunschtraum. In den letzten Jahren ist viel passiert, behauptet die Deutsche Telekom. Aber auch bei uns? Fragen an Ulrich Adams, Vorstandsbeauftragter für den Breitbandausbau bei der Telekom.

Schnelles Internet - viele Orte in Vorpommern sind davon noch weit entfernt.
Frank Rumpenhorst Schnelles Internet - viele Orte in Vorpommern sind davon noch weit entfernt.

Kann es sein, dass unsere Region beim Breitbandausbau absolut stiefmütterlich behandelt wird? Viele sagen inzwischen, wir seien das neue Tal der Ahnungslosen...

Das sehe ich nicht so. Sie können sich ja vorstellen, dass wir aus unternehmerischem Interesse alle Menschen ans Netz bekommen wollen. Genau zu diesem Zweck hat die Telekom meinen Job geschaffen. Der Auftrag ist: Bringe so viele Menschen wie möglich ans Netz! Ich mache das jetzt seit fünf Jahren und in dieser Zeit habe ich 4500 Kooperationen zum Ausbau einer Breitband-Verbindung im ländlichen Raum geschlossen. Es gibt Länder, in denen haben wir 150 Kooperationen abgeschlossen, in anderen 450. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 300. Ich finde, diese Zahl kann sich sehen lassen. 52 dieser Kooperationen gab es im Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Beschränken Sie sich beim Ausbau womöglich auf die touristisch relevanten Regionen? Und das „Hinterland“ hat das Nachsehen?

Nein. Für Touristen dürfte das mobile Internet ohnehin wichtiger sein. Wir haben in Vorpommern-Greifswald zuletzt etwa in Torgelow-Holländerei und in Ziethen investiert. Das sind Orte, in denen es nicht primär um Tourismus geht. Unser Interesse gilt wirklich in besonderem Maße den Privatkunden. Denn erst die Masse der Kunden bringt Auslastung auf eine neue Leitung – mehr noch als einzelne Firmen, auch wenn die natürlich ebenfalls auf schnelles Internet angewiesen sind.

Kann man das Engagement Ihres Konzerns in Vorpommern mit dem in anderen Regionen vergleichen? Lässt sich beziffern, wie viel Ihr Konzern für 1000 ländliche Bayern und 1000 ländliche Vorpommern investiert?

Sicherlich hat Bayern früher und intensiver öffentliche Gelder für den Netzausbau bereitgestellt, aber inzwischen hat Mecklenburg-Vorpommern nachgezogen. Was die Investitionen unseres Konzerns in die Projekte angeht, kann ich aber versichern, dass wir generell sehr viel Geld in die Hand nehmen. Wirklich vergleichen kann man die 4500 Projekte nicht, denn das sind sehr individuelle Kosten. Das hängt von der Länge der Strecken ab, aber auch davon, ob es bereits vorhandene Leerrohre oder Ähnliches gibt. Da geht es also weniger um bestimmte Regionen als um die Verhältnisse vor Ort.

Gibt es Regionen, die wir hier bei der Breitbandversorgung schon hinter uns gelassen haben?

Auch das lässt sich nicht pauschalisieren. Ich möchte die Diskussion aber versachlichen: Die so genannte Grundversorgung von 2 MBit erreichen wir in unserem Festnetz bei 84 Prozent der Menschen in Deutschland, in M-V sind es 81 Prozent, also kaum weniger. Und Vorpommern-Greifswald liegt bei 80 Prozent. Selbst beim schnellen Internet mit 16 Mbit sind die Zahlen mit 69 Prozent in Deutschland, 62 Prozent in M-V und 61 Prozent in Vorpommern-Greifswald nicht so gravierend, wie man vielleicht annehmen würde.

Naja, aber insgesamt betrachtet ergeben die Zahlen schon das Bild, dass M-V schlechter dasteht als Deutschland und Vorpommern-Greifswald schlechter als M-V.

Aber die Unterschiede halten sich doch sehr in Grenzen. Hinzu kommt, dass die Ressource Breitband eine sehr emotionale Ressource ist. Sie ist heute für viele so wichtig wie Gas, Wasser und Strom, das sage ich immer wieder. Aber während Strom, Wasser und Gas für immer zur Verfügung stehen, wenn erst mal die Leitung liegt, ist beim Internet der technische Fortschritt enorm. Da kann morgen schon wieder zu wenig sein, was heute noch ausreicht. Hinzu kommt die Ungleichverteilung: Natürlich ärgert es die Leute, wenn das Nachbardorf schneller am Netz ist als das eigene.

Macht der Breitband-Ausbau des Festnetzes im Zeitalter von LTE-Funk überhaupt noch Sinn?

Doch, aus unserer Sicht auf jeden Fall. Wir wollen 2016 zwar flächendeckend LTE-Funk anbieten, aber es gibt da trotzdem eine Faustregel: Nämlich dass das Internet aus dem Kabel technisch gesehen ungefähr fünf mal so schnell sein kann wie das Internet über Funk. Die Menschen wollen zunehmend auch HD-Fernsehen und ähnliches über das Internet beziehen. Das lässt sich über Funk noch nicht realisieren.

 

Kommentare (4)

Seit einiger Zeit ist eine Entwicklung zu beobachten, die das Lesen Ihrer Zeitung sehr verleitet: unglaublich dämliche, weinerliche, kindische Überschriften. Was wollen Sie damit erreichen? Qualitätsjorunalismus? Leserbindung? Bitte fangen SIe an, Ihre Leser als Erwachsene zu betrachten und auch für eine erwachsene Zielgruppe zu schreiben (falls Sie das können) In diesem Sinne, C. Müller-Gödecke

Über Internetprobleme schreibt es sich aus einer Redaktion mit Standleitung aus NB natürlich äußerst komfortabel. Vllt. sollte sich der Nordkurier mal Weihnachtlich geben und die außenstehenden ...ows mit Netz versorgen statt die Telekom anzuprangern.

...sitzt im schönen Anklam und nicht in Neubrandenburg.

.. mir wohl bewusst, aber die Redaktion hat eine Standleitung nach NB, vor x-Jahren wurde nur für diese ein Glasfaserkabel verlegt :)