Alarm in Anklam und am Haff:

Hochwasser in Vorpommern: Halten die Deiche?

Der erste Herbststurm des Jahres wütete am Donnerstag weiter in Vorpommern. Während sich die Demminer nur über eine rückwärts fließende Peene wunderten, wurde Anklams Yachtclub überschwemmt und krachten Bäume auf die B 110 - und am Haff werden die Deiche so langsam weich.

Schöpfwerk Rieth: Sandsäcke stabilisieren die Deiche.
Christopher Niemann Schöpfwerk Rieth: Sandsäcke stabilisieren die Deiche.

Der Pegel der Peene stand in Anklam am Donnerstag bei 5,99 Meter. Auch wenn er sich derzeit nicht weiter nach oben bewegt, ist für die Verantwortlichen im Rathaus und bei der Wasserwacht noch keine Entwarnung in Sicht. Die Umweltbehörde löste am Vormittag für Anklam Hochwasseralarm aus.

Land unter an der Peene

"Das Wasser aus dem Haff drückt noch ganz ordentlich. Da wird wohl noch was kommen", sagt Ordnungsamtschef Bernd Lange. Die Deichläufer sind seit den frühen Morgenstunden auf Tour. An einigen neuralgischen Punkten vor allem im Deichvorland schwappte das Wasser ganz gut rein. Im Yachtclub Peene zum Beispiel war Land unter: Schon in der sturmgepeitschten Morgendämmerung hatten die Fluten das Vereinsheim erreicht, die Bootsschuppen, eigentlich in sicherem Abstand zum Flussufer aufgereiht, standen zum Teil fast knietief unter Wasser.

An der Zecheriner Brücke wurde die Bundestraße 110 teilweise überspült. Ärger bereitete auch der Deich am Schöpfwerk Ziethen. Dort gab es einen kleineren Durchbruch. Außerdem wurde beim Polder Gnevezin ein Deich überspült und auch bei Kagenow war der Wasserstand zeitweise grenzwertig.

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Die Sturmflut ist bis hoch zum Kummerower See geschwappt und wird auf der Peene noch tagelang nachwirken. Das Küstenhochwasser presste eine rekordverdächtige Flutwelle flussaufwärts. Nach Messungen des Staatlichen Amtes für Natur und Landwirtschaft (Stalu) Neubrandenburg strömten an der Demminer Meyenkrebsbrücke zeitweise fast 35 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in Richtung Kummerower See. Normalerweise sind es 15 bis 20 - in entgegengesetzte Richtung. Das war die größte Durchflussmenge seit zehn Jahren.

Flutwelle kam bergauf

Noch viel heftiger schwappte die Sturmflutwelle in Anklam bergauf: Am dortigen Pegel flossen laut Stalu mehr als hundert Kubikmeter Wasser pro Sekunde vorbei, der höchste dort bislang gemessene Wert. 

Hochwasseralarm gab es in Demmin bei einem Pegelstand von 5,60 Meter vorerst nicht. Zu Überschwemmungen kam es nicht, das Deichsystem der Hansestadt hielt stand.

Der erste Herbststurm dieses Jahres hält auch die Menschen in der Haff-Region weiter in Atem. Im Haff bei Ueckermünde stiegen die Pegelstände am Donnerstag weiter. "Es gibt dort mehrere Stellen, an denen die Deiche weich werden", sagte Kreissprecher Achim Froitzheim.

Sandsäcke gestapelt

In Leopoldshagen hat die Feuerwehr am Deich bereits vorsorglich Sandsäcke gestapelt. "Das Wasser drückt leicht durch den Deich", sagte Bürgermeister Werner Hackbarth.

Zwischen Jarmen und Zemmin krachte am Donnerstagmorgen auf der B 110 ein Pkw in einen dicken Ast, der kurz zuvor von einer der Allee-Eichen quer auf die Straße gestürzt war. Der Fahrer kam mit einem gehörigen Schreck und einigem Sachschaden davon.

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