Tiefschlaf im Dienst:

In diesem Blitzer-Auto schläft das Auge des Gesetzes

So eine Verkehrskontrolle kann pure Entspannung sein. Jedenfalls dann, wenn man im Auftrag des Landkreises unterwegs ist.

Ein lauschiges Plätzchen – allerdings dicht am Straßenlärm. Schlafen ließ es sich während der Geschwindigkeitsmessung trotzdem ganz gut.
Tilo Wallrodt Ein lauschiges Plätzchen – allerdings dicht am Straßenlärm. Schlafen ließ es sich während der Geschwindigkeitsmessung trotzdem ganz gut.

Wenn man täglich sieht, was auf den Straßen Vorpommerns geschieht, wenn man sich beruflich mit den Rasern und anderen Verkehrsrowdys befassen muss, kann man dann eigentlich noch friedlich schlafen? Man kann. Das belegt das Fundstück eines Vorpommern. Der hatte in dieser Woche ein Kontroll-Fahrzeug im Auftrag des Landkreises bemerkt. An der L 266 bei Ulrichshorst sollten mit der Spezialausstattung des Autos Raser erfasst werden. Doch als sich der Mann dem Fahrzeug näherte, konnte er sehen, wie anstrengend der Dienst für Sicherheit und Ordnung sein kann. Während das Überwachungsgerät seine Arbeit erledigte, saß auf dem Beifahrersitz ein schlafender Mann. Und weil er das irgendwie kurios fand, schaute der Vorpommer einige Zeit später noch mal vorbei, als das Blitzer-Auto schon den Standort gewechselt hatte. Da stand der Wagen an der B 110 bei Murchin. Anderer Ort, gleiches Bild. Ein Mann im Tiefschlaf auf dem Beifahrersitz.

Entspannung während der Arbeitszeit, mutmaßte der Passant und fertigte sogar noch Fotos des Schläfers an. Kein gutes Bild, das da im Auftrag des Landkreises abgegeben wird. Und möglicherweise auch juristisch ein Problem. Denn abhängig vom verwendeten Modell müssen manche Kontrollanlagen ständig überwacht werden, damit die Ergebnisse nicht anfechtbar sind.

Behörde hält Nickerchen für unkritisch

Doch bei der zuständigen Behörde kann man an dem Nickerchen nichts Kritisches finden. Denn der fotografierte Schläfer sei gar kein Mitarbeiter der Kreisverwaltung. „Bei dem Mann handelt es sich um die technische Begleitung des angemieteten Fahrzeugs“, so Anke Radlof, Sprecherin des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Mit dem Fahrzeug seien nämlich zwei Personen unterwegs gewesen. Ein Angestellter des Dienstleistungsunternehmens und ein Mitarbeiter des Landkreises. Der habe sich zeitgleich im hinteren Teil des Autos aufgehalten, um dort die Geschwindigkeitsmessungen an der Straße über den Monitor zu verfolgen.

Eine ständige Überwachung sei zwar bei der verwendeten Anlage nicht zwingend notwendig, trotzdem hätten die Mitarbeiter entsprechende Anweisungen, die Geräte im Blick zu behalten, auf Besonderheiten zu achten und diese zu protokollieren. „Sie haben dafür zu sorgen, dass die Anlage während der ganzen Messung ordnungsgemäß funktioniert und dass die Anlagenkomponenten an ihren Plätzen bleiben. Kraftfahrer, die zur Messstelle kommen, haben sie über die Messung zu informieren“, so Radlof.

Dass der technische Begleiter in der Zeit ein Nickerchen mache, sei deshalb gar kein Problem.

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Kommentare (9)

Zwei Personen werden gebraucht, um Blitzgeräte durchs Land zu fahren? Zudem nicht einmal eine ständige Überwachung nötig sei? Vielleicht schliefen im abgedunkelten hinteren Raum des Fahrzeuges weitere Personen - aus welchen Gründen auch immer. Nette Lachnummer.

Unabhängig davon ob ein technischer Begleiter dazu befugt ist während einer Geschwindigkeitsmessung zu schlafen hat der Passant seine Persönlichkeitsrechte verletzt indem er ihn ohne Erlaubnis fotografiert hat. Er sollte also froh sein wenn er sich damit selber keine Anzeige einhandelt ...

Hallo schwarzesschaf40! Das Recht am eigenen Bild, auf das Sie sich beziehen, regelt nicht, ob jemand fotografiert werden darf, sondern ob das Foto veröffentlicht werden darf. Theoretisch darf jeder jeden fotografieren, aber nicht jeder jedes dieser Fotos veröffentlichen. Wir haben weder Online noch in der Zeitung ein Foto des Schlafenden veröffentlicht. Somit ist das Recht am eigenen Bild hier durchaus gewahrt. Ganz unabhängig von der Frage, ob dieses Foto nicht von so großem öffentlichen Interesse wäre, dass es veröffentlicht werden darf. Mit freundlichen Grüßen, Oliver Wunder, Nordkurier-Redaktion

Es geht hier nicht um eine Veröffentlichung im Sinne des Kunsturheberrechts sondern bereits um die Anfertigung des Fotos. Laut Urteil des OLG Frankfurt (AZ. 21U164/84) kann bereits die Herstellung eines Fotos - auch ohne die Absicht es zu veröffentlichen - einen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen darstellen. Diese Auffassung wurde übrigens auch vom Bundesverfassungsgericht bestätigt.

Ob das hier greifen würde, müssten die Gerichte zeigen. Denn im zitierten Urteil geht es um die Anfertigung einer Video-Aufnahme. In der heutigen Zeit tatsächlich eine spannende Frage. Denn wie häufig filmen und fotografieren Menschen andere ohne deren Einverständnis - oft genug in kompromittierenden Situationen.

Auf welch dünnem Eis Sie sich bewegten, wenn Sie ein Bild des schlafenden Mannes veröffentlichten, wissen Sie vermutlich selbst, denn sonst hätten Sie es getan.

@SCHWARZESSCHAF40, Er sollte also froh sein wenn er sich damit selber keine Anzeige einhandelt ... Warum wenn die mich blitzen bin ich ja auch fotografiert worden, hatte die mich vorher gefragt?

... braucht Sie nicht zu fragen, die darf blitzen!

der fotograf hat ja nur wichtiges beweismaterial geschaffen und gesichert, mehr nicht. wer sich im öffentlichen raum "normal" bewegt hat auch nichts zu befürchten. auch die öffentlichkeit hat ein recht zu wissen in welche dubiosen blitzerkolonnen das geld verschwindet - arglistig und selber zu faul um hart zu arbeiten.