Schüler-Mangel:

In Schlatkow läutet bald die Schulklingel zum letzten Mal

Das Amt Züssow hat die Schließung der Grundschule Schlatkow beantragt. Als Gründe für die Entscheidung nennt das Amt zu wenig Schüler und zu hohe Sanierungskosten. Die Eltern sind sauer, da sie davon am letzten Schultag vor Weihnachten erfahren haben.

Ihre letzte Stunde hat geschlagen: Die Grundschule Schlatkow muss schließen.
Oliver Wunder Ihre letzte Stunde hat geschlagen: Die Grundschule Schlatkow muss schließen.

Es ist kein blauer Brief, aber er hat es in sich. Die Schüler der Grundschule Schlatkow haben ihn am letzten Schultag mit nach Hause gebracht. Der Inhalt: Das Amt Züssow hat beschlossen, die Einstellung des Schulbetriebes zum Schuljahr 2015/2016 oder 2016/2017 beim Kreis zu beantragen.

Laut Amt sind zu hohe Sanierungskosten und zu geringe Schülerzahlen schuld an der Entscheidung. Eine Schätzung geht für die Sanierung der baulichen Mängel von 1,3 Millionen Euro aus. Die geschätzten Schülerzahlen seien zu niedrig und entsprächen nicht den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Für eine kleine Grundschule auf dem Lande müssten jeweils zwei Lerngruppen mit mindestens 20 Schülern gebildet werden. Außerdem müssen mindestens 42 Schüler in drei Jahrgangsstufen vorhanden sein.

Nach dem derzeitigen Stand werden diese Bedingungen ab 2015 nicht mehr erfüllt. Eine Ausnahmegenehmigung sei nicht möglich, da auch in Folgejahren keine höheren Schülerzahlen erwartet werden. Zukünftige Grundschüler müssen nun mit langen Schulbusfahrzeiten rechnen, weil die Alternativen in Anklam, Gützkow und Züssow liegen.

Direkt vor Weihnachten kam der Brief

Die Post vom Amt empört die Eltern. „Ich finde es unmöglich, direkt vor Weihnachten so einen Brief in die Hände zu bekommen“, sagt Nicola Flierl. Es sei keine Art, so mit den Schülern und Eltern umzugehen. „Die Kinder wussten, was in dem Brief stand und waren vollkommen verunsichert.“ Dabei hat Nicola Flierl für die Grundschule gekämpft. Sie setzt sich in einer Elterninitiative für den Erhalt der Schule ein. Die Initiative ist seit über einem Jahr aktiv. Sie hat Briefe an die Parteien geschrieben. Keine Reaktion. Sie hat mit den zuständigen Mitarbeitern im Amt in Kontakt gestanden. Der Schultod konnte immerhin etwas hinausgezögert werden.

„Das ist ein trauriges Ereignis zum Jahresende“, sagt Klaus Brandt. Der Bürgermeister von Schmatzin kennt die Grundschule seit Jahrzehnten und hat „sie voller Kinder gesehen“. Eine Schließung lasse sich selten zurückdrehen. Die Gemeinde bekommt zusätzlich den Schwarzen Peter zugeschoben: Wenn die Schule geschlossen wird, geht das sanierungsbedürftige Gebäude an die Gemeinde.

Doch vorher muss der Kreistag dem Antrag auf Schulschließung noch zustimmen. Reine Formsache. Dann läutet 2015 in der Grundschule das letzte Mal die Klingel.

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