Anklamer attackiert Vermittlerin:

Insulin-Ausraster im Jobcenter

Die persönliche Jobcenter-Ansprechpartnerin von Hartmut Wolthusen hat sich von ihm bedroht gefühlt. Was dazu führte, dass eines Abends die Polizei vor seiner Tür stand und ihn zu einer vermeintlich ausgesprochenen Morddrohung befragte.  

Der Citroen C5 ist dem Jobcenter zu viel wert. So lange Hartmut Wolthusen das Auto besitzt, gibt es kein Geld mehr für den 49-Jährigen.
Caroline Schiko Der Citroen C5 ist dem Jobcenter zu viel wert. So lange Hartmut Wolthusen das Auto besitzt, gibt es kein Geld mehr für den 49-Jährigen.

Seit 2012 ist Hartmus Wolthusen unzufrieden mit der Arbeit seiner Vermittlerin im Jobcenter. Er sieht sich Schikanen ausgesetzt und macht den daraus entstandenen Stress auch für seinen gesundheitlichen Zustand verantwortlich. „Mein Herz haben sie kaputt gemacht, und dann ging auch noch die Galle hops“, erzählt Wolthusen. Vor zwei Jahren wurden ihm drei Bypässe gelegt, und vor Kurzem wurde bei einer Operation seine Galle entfernt. Schon mit der Herz-OP verschlimmerte sich seine Diabeteserkrankung erheblich. Seitdem muss sich 49-Jährige Insulin spritzen. Deswegen hat er immer einen Insulin-Pen bei sich. So auch an dem Tag, als er ins Jobcenter kommt, um sich zu beschweren.

Wegen seines Autos haben sie Wolthusen die Bezüge gestrichen. „Leistungen können nur die beziehen, die als bedürftig eingestuft werden“, erklärt der Sprecher des Jobcenters Vorpommern-Greifswald Nord, Sven Reinke. Dabei gibt es Freibeträge, und Autos spielen überhaupt erst eine Rolle, wenn sie einen Wert von 7500 Euro überschreiten. Der Citroen C5 übersteigt den erlaubten Wert von 7500 Euro. Also wird er als Vermögen angerechnet.

Als Wolthusen erfuhr, dass er deswegen keine Bezüge mehr erhalten wird, ging er sofort zum Jobcenter. Dort beschwerte er sich bei der Sachbearbeiterin. Schließlich sei er allein durch Arztbesuche auf den Wagen angewiesen. Und die Eltern liefen an Krücken beziehungsweise am Rollator, auch diese müssten im Auto Platz finden. „Aber die hat mir nur höhnisch ins Gesicht gegrinst und gemeint, dass ich eben Widerspruch einlegen soll“, erinnert sich Wolthusen. Zu viel für den Diabetiker. Durch die Erkrankung unterliege er sowieso starken Stimmungsschwankungen, und diese würden durch Herzmedikamente wohl noch verstärkt. So erklärt sich Wolthusen zumindest die folgende Situation: In seinem Ärger griff er in die Brusttasche und holte seinen Insulin-Pen hervor, warf der Vermittlerin an den Kopf, dass sie Mitschuld an seiner Erkrankung habe und fragte sie spöttisch, ob sie nicht auch mal eine Dosis Insulin haben wolle. Da zusätzliches Insulin für einen gesunden Menschen lebensbedrohlich sein kann, fühlte sich die Vermittlerin mit dem Tode bedroht. Zwar steckte Wolthusen den Insulin-Pen sofort wieder weg und verließ das Jobcenter, am Abend stand dennoch die Polizei vor seiner Tür. Auf die Wache musste der 49-Jährige nicht. Doch bis auf Weiteres hat er ein Hausverbot im Jobcenter.

 

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Kommentare (1)

Ist zusätzliches Insulin für einen gesunden Menschen wirklich gefährlich? Neulich hatte ich einen Gespräch mit einem Diabetiker, der sich mittels eines Pens auch selbst spritzt. Der war der Meinung, dass es für einen gesunden nicht lebensgefährlich wäre. Natürlich macht die Dosis das Gift, aber die Menge, die ein Durchschnittsdiabetiker sich spritzt, ist die wirklich gefährlich?