Schlamperei:

Jobcenter lässt Ehepaar verzweifeln

Verbummelte Unterlagen, fehlende Stempel und unlösbare Forderungen: Was die Eheleute Schultz aus Anklam mit dem Jobcenter erlebt haben, ist schon ziemlich haarsträubend. Für viele Vorfälle hat das Jobcenter selbst auch keine Erklärung.

Kerstin Schultz ist fassungslos, wie ihr Mann Roland vom Jobcenter behandelt wird. Doch wie sie gegen die Eingliederungsvereinbarung vorgehen können, wissen die Eheleute nicht.
Caroline Schiko Kerstin Schultz ist fassungslos, wie ihr Mann Roland vom Jobcenter behandelt wird. Doch wie sie gegen die Eingliederungsvereinbarung vorgehen können, wissen die Eheleute nicht.

Kerstin Schultz und ihr Ehemann Roland sind verzweifelt. Der 51-Jährige hatte kürzlich einen Bandscheibenvorfall und hat derzeit im rechten Oberschenkel kein Gefühl mehr. Doch davon allein wollen sich die beiden nicht unterkriegen lassen. Vielmehr macht ihnen zu schaffen, was sie – beide sind arbeitslos – beim Jobcenter erleben. Seit es Umstrukturierungen innerhalb des Jobcenters gab und viel über die Hauptstelle in Greifswald läuft, kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten.

„Da weiß die rechte Hand nicht mehr, was die linke macht“, findet Kerstin Schultz. Nicht nur, dass die beiden nun schon den dritten persönlichen Ansprechpartner innerhalb eines halben Jahres haben. In der letzten Zeit verschwinden auch ständig Daten. „Jedes Mal müssen wir einen neuen Lebenslauf abgeben, weil der dauernd aus dem Computer verschwindet“, ärgert sich Roland Schultz. Eine Tatsache, die sich Sven Reinke nicht erklären kann. Der Sprecher des Jobcenters Vorpommern-Greifswald Nord versichert, dass die Computer-Technik bisher ganz gut funktioniert habe. Was er aber auch sagt: Die Dokumente der Schultzes sind schon wieder verschwunden. Warum, ist ihm ein Rätsel.

Und das ist noch nicht alles. Seine letzte Krankschreibung brachte Roland Schultz noch am selben Tag zum Jobcenter. Dort hätten ihn die Mitarbeiterinnen am Empfangstresen aber keines Blickes gewürdigt, sondern seien ins Gespräch vertieft gewesen, erzählt er. Irgendwann habe er einer der Damen seinen Krankenschein in die Hand gedrückt und sei gegangen. Seither ist das Dokument verschwunden.

Auch diesen Vorfall kann Reinke nicht erklären. Schön sei das alles nicht, jedoch wäre es schlauer gewesen, mit den Damen am Empfang zu sprechen, meint der Sprecher. Er rät auch, immer eine Kopie von Unterlagen zu behalten. Dafür gebe es im Jobcenter sogar kostenlose Kopierer. Auch würden die Mitarbeiter den Empfang von Dokumenten auf Nachfrage quittieren. Bei den Schultzes klappte das aber noch nie. „Die wollten uns nie etwas gegenzeichnen“, moniert Kerstin Schultz. Eine Situation, von der auch andere frustrierte Kunden des Jobcenters berichten.

Trotz vermeintlichen Krankenscheins ging Roland Schultz dann übrigens zu einem Gespräch mit seiner neuen Vermittlerin. Nach Hause kam er mit einer neuen Eingliederungsvereinbarung. Darin steht, dass er künftig sechs statt bisher zwei Bewerbungen im Monat abschicken muss. Für den 51-jährigen Ungelernten eine schier unlösbare Aufgabe, findet seine Frau – zumal die alte Vereinbarung noch bis Oktober galt.

„Da hat die Vermittlerin aber alles richtig gemacht“, meint Sprecher Reinke. Vor angedrohten Kürzungen, die den Schultzes Existenzängste bescheren, bräuchten sie sich allerdings nicht fürchten. Wenn sich Roland Schultz nachweislich Mühe gebe, es aber einfach keine sechs Stellen pro Monat gebe, solle er das nur rechtzeitig seiner Vermittlerin mitteilen.

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Kommentare (1)

Was , bitte, soll mit diesem Artikel ausgesagt werden? Dass alle Menschen bei der Arbeit Fehler machen? Dass das aber höchst verwerflich ist, wenn es einer aus dem Jobcenter macht? Werden jetzt in Zukunft alle an den Pranger gestellt, die in ihrer Arbeit nicht perfekt sind? Dafür eine halbe Seite! Ich bin Abonnent und bezahle dafür. Und: nein , ich arbeite nicht beim Jobcenter und auch niemand aus meiner Verwandschaft. Ich finde sowas lächerlich.