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Kaffee schwarz-braun wird immer beliebter

Die Gegensätze in der Anklamer Kommunalpolitik scheinen so groß wie noch nie und dann sitzen die CDU-Stadtvertreter auch noch beim Pausenkaffee mit der NPD an einem Tisch. Wieder einmal!

Ein schwarz-braunes Kaffeekränzchen von CDU und NPD fand nun zum wiederholten Mal in der Gaststätte Dabers statt. Bürgermeister Michael Galander vermutet dahinter mittlerweile politische Kungeleien.
Montage: Nordkurier Ein schwarz-braunes Kaffeekränzchen von CDU und NPD fand nun zum wiederholten Mal in der Gaststätte Dabers statt. Bürgermeister Michael Galander vermutet dahinter mittlerweile politische Kungeleien.

Das schwarz-braune Kaffeekränzchen geht weiter! Die jüngste Sitzung der Anklamer Stadtvertreter wurde wieder mal eine langwierige Sache. Mehr als vier Stunden tagte das Stadtparlament, und weil zwischendrin schon mal die Konzentration nachlässt, gönnten sich die Stadtvertreter - wie immer - einen Pausenkaffee in der nahen Gaststätte Dabers.

Fast die gesamte CDU-Fraktion der Anklamer Stadtvertretung saß an einem Tisch in trauter Runde mit den zwei Abgeordneten der NPD. Das ist so neu eigentlich nicht. Schon in der vergangenen Legislaturperiode pflegten die Anklamer Christdemokraten das schwarz-braune Kaffeekränzchen und ließen sich dabei auch von den Protesten des Bürgermeisters und von anderen demokratischen Fraktionen nicht davon abhalten.

Andere Parteien kritisieren CDU

Doch was sich dort jüngst abspielte, ließ nicht nur bei Bürgermeister Galander die Zornesfalten anschwellen. Ihn ärgert der Umstand, dass man Hoffnung hatte, die „runderneuerte“ CDU-Fraktion würde da andere Signale setzen. Doch wie sagt das Sprichwort: „Wie die Alten summen, zwitschern nun auch die Jungen.“ Bürgermeister Michael Galander ist fassungslos und wütend. Es sei für ihn inakzeptabel, wenn Vertreter von demokratischen Parteien gemeinsame Sache mit der NPD machten. Doch die jüngste Entwicklung lässt gerade diese Vermutung beim Bürgermeister aufkommen.

„Mit Leuten, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, die Demokratie und unseren Staat abzuschaffen, setzt man sich nicht an einen Tisch“,  sagt denn auch Monika Zeretzke, Chefin der Linken-Fraktion in der Anklamer Stadtvertretung. Diese Meinung teilen auch Norbert Gehrke (IfA) und Uwe Schultz  (SPD). Wobei Gehrke darauf hinweist, dass die Gemeinsamkeiten zwischen CDU und NPD in der Stadtvertretung weit darüber hinaus gingen. „Die CDU hat doch kein Problem damit, dass sie gemeinsam mit der NPD in der Stadtvertretung stimmt, wenn es Mehrheiten in ihrem Sinne bringt.“

CDU-Chef ist die Sache "zu doof"

CDU-Fraktionschef Steffen Gabe will sich zu der ganzen Sache nicht äußern. „Das ist mir zu doof, dazu sage ich nichts“, erklärte er auf Anfrage.

Allerdings gibt es auch in der CDU Mitglieder, die die ganze Sache kritisch sehen. Bernd Wieczorkowski zum Beispiel. Er hatte bewusst den Tisch seiner Fraktion gemieden und sich zu den SPD-Stadtvertretern gesellt, die noch einen Stuhl freihatten. „Als Stadtvertreter kann ich mich nicht an einen Tisch mit Undemokraten setzen“, erklärt er. Auch CDU-Kreischef Egbert Liskow sieht das Kaffeekränzchen mit Unbehagen. „Ich glaube, ich muss mal mit den Anklamern reden. Wir sollten uns davor hüten, auch nur den Anschein zu erwecken, dass wir mit der NPD kungeln“, meinte er. 

Werden politische Themen in der Pause besprochen?

Von Kungelei könne absolut keine Rede sein, sagt CDU-Stadtvertreter Steffen Göritz, der auch mit am Tisch saß. Man müsse die Umstände sehen, dass es nirgendwo anders Plätze im Lokal gegeben habe. „Und was würden wohl die anderen Stadtvertreter sagen, wenn wir ihre Tische besetzten“, fragt Göritz.

Bürgermeister Michael Galander geht allerdings davon aus, dass das schwarz-braune Kaffeekränzchen auch politische Themen bespricht. „Das Abstimmungsverhalten lässt darauf schließen“, sagte er. Mit einem selbst gewählten Lokalverzicht will Galander nun seinerseits ein Zeichen gegen das schwarz-braune Kaffeekränzchen setzen. Solange dies bestehen bleibt, wird er die Pause im Sitzungssaal verbringen oder seinen Pausenkaffee in der Bäckerei am Markt einnehmen.

Kommentare (2)

die cdu hat doch schon immer eine rechtsausrichtung in ihrer gesinnung. nach außen so tun als ob und innerlich braun. wenn sie charakter hätte würde die npd schon lange verboten, aber dieses scheinheilige demokratiegeschmalze kotz einen langsam an. ich erwarte ein klares bekenntnis, aber so ist es eh nur eine behinderte politik.

im Sitzungssaal bleiben, oder seinen Kaffee beim Bäcker trinken. Dort kann er dann auch gleich die Bürger nach Sorgen fragen. Denen wird es sicher egal sein wer mit wem den Kaffee schlürft. Hat der Nordkurier gleich eine Umfrage gemacht bei Linke, IfA und SPD? Die empören sich ja auch. Und lieber Schreiber, um was ging es in den vier Stunden in der Sitzung? Das interessiert die Anklamer sicher mehr.