Streit mit Disney:

Kino Anklam boykottiert jetzt die Superhelden

Das kleine Anklamer Kino beteiligt sich an einem filmreifen Boykott gegen den mächtigen Konzern Disney. Ein Großteil der Branche will damit gegen gestiegene Leihgebühren protestieren. Doch dabei machen in Vorpommern nicht alle mit.

Kinobetreiber Matthias Karstädt allein im leeren Saal. Das Poster für den neuen Teil der "Avengers" wurde schon geliefert, der eigentliche Film wird hier aber nicht laufen.
Simon Voigt Kinobetreiber Matthias Karstädt allein im leeren Saal. Das Poster für den neuen Teil der "Avengers" wurde schon geliefert, der eigentliche Film wird hier aber nicht laufen.

Mächtige Superhelden, bombastische Effekte und eine spannende Geschichte: Am Donnerstag startet der zweite Teil des Kassenschlagers „The Avengers“ und das dürfte weltweit für volle Kinosäle sorgen. Nicht aber in Anklam. „Wir haben den Film storniert“, sagt Matthias Karstädt, der Betreiber des Kinocenters.

Vor gut zwei Wochen flatterte ein Einschreiben von „Disney“ ins Haus. Der Filmverleih will den Mietsatz kurzfristig von den üblichen 47,7 Prozent auf 53 Prozent erhöhen. Pro verkaufter Karte ginge somit mehr als die Hälfte des Eintrittspreises an den Verleiher. Der niedrige Satz war bisher eine Sonderregelung für Kinos in Kleinstädten, die weniger Publikum haben und trotzdem die neuesten Blockbuster zeigen wollen. Für die „großen“ Kinos und die Ketten gelten schon länger 53 Prozent, nun will Disney diesen Satz für alle durchdrücken.

„Damit sind wir absolut nicht einverstanden“, sagt Karstädt und daher fliegen nun bis auf Weiteres alle geplanten neuen Disney-Filme aus dem Programm. Würden der Anklamer die Bedingungen akzeptieren, dann müsste der Kartenpreis wahrscheinlich um einen Euro steigen. Und das will Karstädt seinem Publikum nicht zumuten.

Kino-Betreiber wollen Disney zum Umdenken zwingen

Etwa 600 Kinos haben sich deutschlandweit für den Disney-Boykott zusammengeschlossen. „Wir brauchen eine einheitliche, gemeinsame Stimme“, heißt es in einem Rundschreiben der Betreiber. Die neuen Verleihkonditionen seien existenzgefährdend. Gemeinsam wollen die Kino-Betreiber – so die Hoffnung – Disney nun zum Umdenken bewegen.

Der Boykott greift aber nicht überall. Im Kino Ueckermünde sollen die „Avengers“ am Donnerstag wie geplant anlaufen. Wie der Chef Christian Guhl erklärt, betreibt er das Haus erst seit 2012 und zahlt bereits den Satz von 53 Prozent. Andere Verträge wurden ihm nicht angeboten. „Mit Disney darf man es sich nicht verscherzen“, sagt Guhl, der einen Großteil seines Umsatzes mit den Produktionen dieser Filmfabrik bestreitet.

Ab der vierten Spielwoche liegt der Mietsatz für Filme übrigens nur noch bei 38 Prozent. Spätestens dann werden die Superhelden aus den „Avengers“ wohl auch nach Anklam kommen.

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