Kranker Säugling:

Klinik setzt junge Familie nachts auf die Straße

Der Säugling hat Schmerzen. Die Kinderklinik ist zu. Also ließ sich eine junge Familie zur Greifswalder Uni-Klinik bringen. Es wurde eine lange Nacht - auf der Straße.

Wegen der Schließung der Kinderstation in Wolgast steht die Universitätsmedizin Greifswald seit Monaten in der Kritik. Lange Wege und chaotische Zustände, genau das waren die Befürchtungen vieler Eltern.
Stefan Sauer / NK-Archiv Wegen der Schließung der Kinderstation in Wolgast steht die Universitätsmedizin Greifswald seit Monaten in der Kritik. Lange Wege und chaotische Zustände, genau das waren die Befürchtungen vieler Eltern.

Dieser Patzer wird wohl noch ein Nachspiel haben: Die Greifswalder Uni-Medizin hat in der Nacht zu Montag offenbar eine junge Familie auf der Straße stehen lassen. Das Paar aus Wolgast hatte sich am Sonntag von einem Bekannten ins Krankenhaus der Kreisstadt bringen lassen, weil ihr wenige Wochen altes Kind offenbar Schmerzen hatte.

Die Kinderstation in Wolgast wurde vor wenigen Wochen geschlossen. In der dortigen Notaufnahme hatte man den Eltern zuvor geraten, das Kind nach Greifswald zu bringen. Gegen 23:30 Uhr kam es dann in der Uni-Klinik zum Gespräch mit dem diensthabenden Arzt. Die gute Nachricht: Es war wohl nichts Ernstes.

Stationär jedenfalls wollte man das Kind in Greifswald nicht aufnehmen, verweigerte auch die Ausstellung eines Transportscheins für die Eltern. Weil die sich nach eigenen Angaben kein Taxi leisten konnten, machten sie sich mit dem Kinderwagen auf den Weg zum Bahnhof.

Polizei hilft, Klinik reagiert kleinlaut

Gegen 2.30 Uhr wurden sie in der Stadt von einer Polizeistreife kontaktiert. Weil der nächste Zug nach Wolgast erst gegen 6 Uhr früh fuhr, nahmen die Beamten die Familie mit aufs Revier, damit sie zumindest in einem beheizten Raum warten konnten. Das bestätigte die Polizei auf Nachfrage.

Auch die Uni-Medizin hat den Vorgang inzwischen bestätigt. Die Vorgehensweise "war nicht in Ordnung und entspricht nicht unserer Philosophie vom Umgang mit jungen Eltern und ihren Kindern", so der ärztliche Vorstand Thorsten Wygold. Die Kindernotaufnahme gewähre in solchen Fällen üblicherweise Aufenthaltsmöglichkeiten in ihren Räumen. Auch einen Transportschein, mit dem die Taxi-Kosten von der Krankenkasse gedeckt würden, wäre möglich gewesen, so Wygold. Warum dies alles nicht geschehen sei, wolle man nun aufklären und auswerten.

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