Abrissprämie für Dörfer:

Kommt nur her, wir warten schon!

Ein vorpommersches Dorf mit weniger als 200 Einwohnern? Weg damit, sagt jetzt ein Berliner Wissenschaftler. Die Einwohner bekommen eine Abfindung, die Dörfer werden abgerissen. Doch so geht’s nicht - es regt sich Widerstand.

Rossin abreißen? Bürgermeister Frank Kieckkäfer findet das gar nicht gut. Er kämpft für den Erhalt des Dorfes.
Oliver Wunder Rossin abreißen? Bürgermeister Frank Kieckkäfer findet das gar nicht gut. Er kämpft für den Erhalt des Dorfes.

Frank Kieckhäfer auf einem Bagger vor dem Ortsschild seiner Gemeinde Rossin. Man könnte meinen, er sagt: Kommt doch her! Wir haben keine Angst. Und so ganz falsch ist das ja auch nicht. Doch was soll das? Der Rossiner Bürgermeister hat von einem ganz neuen Vorschlag im Kampf gegen die Demografie gehört. Reiner Klingholz vom Berlin-Institut fordert nämlich eine Abrissprämie für die vorpommerschen Dörfer. Also, nicht alle Dörfer. Nur die mit weniger als 200 Einwohnern sollten dem Erdboden gleichgemacht werden.

Warum? Klingholz meinte jüngst im Schweriner Landtag, dass diese Dörfer keine Entwicklunsperspektive mehr hätten. Es sei zu teuer, die Infrastruktur dieser Dörfer aufrecht zu erhalten. Also soll die Abrissbirner her und die Hunderte Jahre alten Gemeinden abreißen. Und die Einwohner? Die sollen ausbezahlt werden. Blühende Landschaften mal umgekehrt, quasi. 

Rossin wäre eine dieser Gemeinden. 161 Menschen leben hier. Doch mit Menschen wie Bürgermeister Frank Kieckhäfer hat Klingholz wohl nicht gerechnet: "Abrissprämie? Wir geben unser Dorf nicht einfach so auf!", sagt Kieckhäfer. Die kleinen Streusiedlungen seien historisch gewachsen und prägen seit Jahrhunderten das Landschaftsbild Vorpommerns. Den Menschen gefällt das Leben hier, sie haben es sich schließlich auch so ausgesucht und es werden wieder mehr. "Es sind nicht nur alte, die auf dem Dorf leben, sondern auch viele junge Menschen, die aufs Land ziehen und hier wohnen wollen", sagt Kieckhäfer. Und bevor irgendein Abrissbagger aus Berlin anrollt, steht er mit seinem eigenen Gefährt lieber schon mal wachsam am Dorfeingang.

Weiterführende Links

Nordkurier digital jetzt ab 3,75 € pro Monat

Kommentare (1)

Es ist ja fast ein wenig dummdreist, wenn hier auf anrollende Abrissbagger aus Berlin verwiesen wird. Bei uns wird Entsiedlung unter der goldenen Kuppel des landesherrschaftlichen Schweriner Schlosses betrieben. Bevor die vom Land ausdrücklich gewünschte Ferkelfabrik am Tollensetal geplant wurde, gab es Zuzug in die dortige Gemeinde Alt Tellin. Aber mit der Installation des Schweinesystems , setzte die Landflucht ein. In der Gemeinde gibt es inzwischen weniger als 400 Einwohner. Tendenz stark fallend. Woran das wohl liegt?