Kulturverein:

Kulturmacher mit Weitblick

Über den Namen "Weitblick" lässt sich herrlich philosophieren.

Noch dazu, wenn es sich um den Titel eines Kulturvereins im Vorpommerschen handelt. Der schier endlose Blick über Wiesen und Wasser hat die "Weitblick"-Gründer vor gut acht Jahren animiert zur Namensfindung, erinnert sich Pressesprecher Holger Brandstädt.

Mittlerweile hat sich der Blick auf den Namen aber geweitet, wenn man in der Metapher bleiben will. Ziel des Vereins ist es, Musiker nach Vorpommern zu locken, die hierzulande selten zu erleben sind. "Wir wollen Künstlern ein Podium bieten, die es sonst hier eher nicht haben", sagt Brandstädt. Dabei weiten die Vereinsmitglieder ihren Blick auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. So kommen Ende April die "United Steelworkers of Montreal", eine der besten Live-Bands Kanadas. Exklusiv, direkt von einem Festival in Belgien nach Bugewitz im Kreis Ostvorpommern.

Wie bei dieser Band findet sich bei fast allen Konzerten des ersten Halbjahres 2010 der Hinweis "Einziges Konzert in Mecklenburg-Vorpommern". Für viele Bands sei der Saal in der Gaststätte "Zum Mühlengraben", dem Hauptveranstaltungsort von "Weitblick", zudem das einzige Dorf während einer Tournee. "Back to the roots" heißt es dann vor allem für viele deutsche Bands: Die Geräuschkulisse des Tresens; Gäste, die während des Auftritts ihr Bier holen; Publikum und Musiker nur einen Meter voneinander entfernt - das kennzeichnet die Atmosphäre in dem Kneipensaal, wenn er rappelvoll ist. Wie beispielsweise beim Auftaktkonzert dieses Jahres im Januar mit "Engerling".

Neben solchen Knallern treten aber auch Bands auf, die oft nur Insidern bekannt sind. Beispielsweise "The Baby Universal" aus Halle, die Anfang Februar kommen. "Zwei Schlagzeuge, zwei Gitarren und ein charismatischer Sänger. Die Band macht Rock, der richtig abgeht", verspricht Brandstädt. Zwei der Bandmitglieder haben immerhin schon den legendären Musiker Hans-Eckardt Wenzel auf Tournee begleitet. Wer sich von den Gästen in Bugewitz nach dem letzten Ton noch ein bisschen Zeit lässt, hat die gute Chance, ganz nah an die Musiker zu kommen, mit ihnen zu quatschen und zu testen, ob das Schulenglisch noch funktioniert.

Gemäß eines weiteren Mottos des Vereins: "Wir wollen Raum für Begegnungen schaffen", wie es Brandstädt ausdrückt. Während er als Buchhändler in Ueckermünde sein Geld verdient, ist der Vereinsvorsitzende Piet Oltmanns Dramaturg. Als Ehrenvorsitzende fungiert die Kinderbuchautorin Inge Jonas. Das bunt gemixte Ensemble wird unter anderem ergänzt durch einen Beleuchter, eine Schauspielerin, eine Homöopathin, eine Yoga-Lehrerin, eine Schulsozialarbeiterin und - einen Gerichtsvollzieher. Das funktioniere sehr gut, sagt Brandstädt, der den Verein mit aus der Taufe gehoben hatte. Man sei sich auch einig darin, die Zahl der Mitglieder überschaubar zu halten. Seine Geschichte gibt dem Verein recht. Es habe sich bewährt, auf staatliche Förderung zu verzichten und unabhängig zu sein.

Mittlerweile reißen sich Musiker sogar regelrecht darum, in Bugewitz auftreten zu können. Auf die 15 Konzerte, die "Weitblick" pro Jahr organisiert, bewerben sich rund 150 Künstler und Bands, sagt Brandstädt. Bei der Auswahl gehe es um ein musikalisch vielfältiges Angebot. Über ein ganz besonderes "Bewerbungsschreiben" verbunden mit einer moderaten Honorarforderung würde er sich aber trotzdem freuen: "Die 17 Hippies würde ich mir mal in Bugewitz wünschen. Die können wir bislang aber nicht bezahlen."

 

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