Verfolgungsjagd:

Mann flüchtet mit Tempo 150 und auf Drogen

Stundenlang beschäftigt ein offenbar wildgewordener Mann aus Berlin die Polizei: Unter Drogen beginnt er Fahrerflucht und liefert sich eine Verfolgungsjagd mit den Beamten.

So etwa muss es ausgesehen haben, als der Berliner mit qualmenden Reifen vor der Polizei flüchtete.             
Gero Breloer/dpa-Archiv So etwa muss es ausgesehen haben, als der Berliner mit qualmenden Reifen vor der Polizei flüchtete.  

Er ist kräftig, aggressiv und groß – sehr groß: Um ganze zwei Köpfe überragt er die Polizeibeamten. Dieser 44-jährige Riese, ein Berliner, hielt am Mittwoch die Polizei auf Usedom in Atem.

Alles beginnt mit einem gewagten Überholmanöver gegen 16.30 Uhr: Der Hauptstädter rast zwischen Ahlbeck und Heringsdorf mit seinem silberfarbenen BMW 3er-Coupé an einem Seat trotz Gegenverkehrs vorbei, dann bremst er den Seat so aus, dass dieser ihm hinten auffährt. Schaden: 1000 Euro. Der Riese flieht und die Geschichte nimmt jetzt erst richtig Fahrt auf.

Zwei Polizeiwagen verfolgen sofort den Mann. Ein dritter Wagen stoppt den flüchtigen Fahrer schließlich in Ückeritz. Die Beamten steigen aus, doch der BMW fährt mit durchdrehenden Reifen davon. Die Polizisten trauen im ersten Moment ihren Sinnen nicht und nehmen hektisch erneut die Verfolgung auf. Weiter geht es – nun Richtung Wolgast.

Wollte er mit der Bahn flüchten?

Mit 150 Stundenkilometern rast der Flüchtende durch eine 30er-Zone in Koserow. Auch auf der Strecke Richtung Zempin bremst ihn das nächste Polizeiaufgebot nicht. Der rasende Riese hängt die Polizei ab. Kurz nach 17 Uhr entdecken die Beamten dann seinen Fluchtwagen. Leer. Ein Spürhund wird angefordert. Doch zu seinem Einsatz kommt es nicht mehr. Ein aufmerksamer Bürger sieht den Flüchtigen, wie er über einen Zaun auf das Bahnhofsgelände der UBB in Zinnowitz klettert und dabei wirr lacht. Dort zieht der Riese seinen auffälligen roten Pullover aus und wirft ihn ins Gras.

Kurze Zeit später fasst die Polizei den Berliner am Bahnhof und endlich klicken die Handschellen. In der Tasche des Riesen findet die Polizei einen kurz zuvor gelösten Fahrschein nach Stralsund. Es stellt sich heraus, dass der Mann wegen Drogenbesitzes vorbestraft ist. Bei seiner Festnahme droht er dem Zeugen und will auf ihn losgehen, doch die Polizei hält den Berliner mit Mühe zurück. Ein sofort angeordneter Alkoholtest ergibt einen Wert von 0,31 Promille Atemalkohol, auch der Drogentest fällt positiv aus.

Beamter wird zu Boden getreten

Beim Blutabnehmen dreht der Mann durch und tritt einem Beamten in den Bauch, der Polizist geht verletzt zu Boden. Dennoch wird der Berliner nach Absprache mit der Staatsanwaltschaft auf freiem Fuß gesetzt. Die falsche Entscheidung, wie sich später zeigt. Gegen 4.30 Uhr am Donnerstag fällt der Mann schon wieder auf. Er randaliert in einem Zinnowitzer Hotel und zieht danach weiter zur Tankstelle an der Ahlbecker Straße, kauft sich Zigaretten und raucht sie direkt an der Zapfsäule: Explosionsgefahr! Den Aufforderungen des Personals kommt er nicht nach und bedroht zudem einige Kunden. Wieder Einsatz für die Polizei. Ein Notarzt weist den Mann in die Psychiatrie in Greifswald ein, da er sehr aggressiv ist und außerdem an Verfolgungswahn leidet.

Insgesamt sind 15 Polizeibeamte aus den Revieren Wolgast und Heringsdorf sowie von der Bundespolizei im Einsatz, um den Verdächtigen zu stellen. Der rasende Riese muss nun mit Anzeigen wegen Verkehrsgefährdung, Unfallflucht, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Fahren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln rechnen. Die Ergebnisse seines Bluttests stehen aus.