Fall aus Vorpommern bei "Aktenzeichen XY":

Kann Simones Mörder jetzt gefasst werden?

1992 wurde die Leiche einer 17-Jährigen auf einer Deponie bei Barth gefunden. Die Polizei ermittelt noch immer.

Sabine Kohrs wurde 1992 umgebracht.
Polizei Sabine Kohrs wurde 1992 umgebracht.

Der Täter lebt womöglich noch immer unbehelligt in Nordvorpommern. Der Mörder von Studentin Simone Kohrs, nach dem die Polizei seit 21 Jahren erfolglos sucht, besitzt einen Führerschein und müsste inzwischen zwischen 45 und 63 Jahre alt sein. Mittwoch Abend soll der Fall noch einmal in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ aufgerollt werden. „Wir haben die Beweislage noch einmal aufgearbeitet und damalige Spuren nach dem heutigen Stand der Wissenschaft überprüft“, sagt Kriminalhauptkommissar Reinhard Kowalke in Anklam. Unter anderem seien neue DNA-Tests gemacht worden, die noch ausgewertet würden. „Wir hoffen, dass möglichst viele Menschen der Region die ZDF-Sendung ansehen werden, und vielleicht gibt es danach ja neue zweckdienliche Hinweise.“

Studentin wurde mit Äther betäubt

Das 17-jährige Mädchen war am Abend des 9. Januar 1992 an einer Bushaltestelle ihres Heimatortes Katzenow in das Auto eines unbekannten Mannes gestiegen. Möglicherweise kannten sich Mörder und Opfer sogar. Einen Tag später war die nur spärlich bekleidete Leiche des vergewaltigten Mädchens keine 20 Kilometer entfernt auf einer illegalen Mülldeponie bei Duvendiek-Lassentin entdeckt worden. An der Strecke dorthin fanden die Ermittler in einem Waldstück vor der Ortschaft Obermützkow Kleidungsteile der jungen Frau.Rechtsmedizinische Untersuchungen ergaben, dass das Mädchen mit Äther betäubt, missbraucht und anschließend getötet wurde. Fremd-DNA konnte sichergestellt werden. Doch jahrelange mühsame Ermittlungsarbeit von Experten des Landes- und Bundeskriminalamtes und die Überprüfung von mittlerweile 8700 Personen brachten keinen Erfolg.

Chef-Ermittler Ulf Jokiel hofft jetzt noch einmal vor allem auf Hinweise aus der Bevölkerung über den Verbleib der schwarzen Schuhe des Mädchens. Gesucht werden auch immer noch ein sogenanntes Palästinensertuch, eine Handtasche und ein blaues Postsparbuch.

Ins Leere liefen bislang auch die Untersuchungen einer anderen Spur. Ein Jahr nach dem Mord an Simone Kohrs hatte sich bei der Polizei eine 19-jährige Frau gemeldet und über einen ähnlich gelagerten Vergewaltigungsversuch in Devin bei Stralsund im Jahre 1988 berichtet. Demnach hatte sich die damalige Auszubildende am 14. Mai 1988 am Strand gesonnt und bemerkt, dass ein etwa 20- bis 22-jähriger Mann sie beobachtete. Nachdem der Mann sich für einige Zeit entfernt hatte, verfolgte er die junge Frau und versuchte, sie mit Äther zu betäuben. Doch das Opfer konnte fliehen. In den drei Jahren danach glaubte die Frau, dem Täter noch mehrmals begegnet zu sein. Doch obwohl Äther auch schon zu DDR-Zeiten nicht ohne Weiteres zu beschaffen war, brachten die Untersuchungen kein Ergebnis.

Weitere Frau an Bushaltestelle überfallen

So richtig stutzig wurden die Ermittler durch den Fall einer 23-jährigen Frau, die im Dezember 1991, also nur knapp drei Wochen vor der Ermordung von Simone Kohrs an einer Bushaltestelle in Duvendiek, dem späteren Fundort der Leiche, überfallen wurde. Nach Aussagen der Zeugin war der Täter mit einem hellen Ford Kombi zunächst an ihr vorbeigefahren, hatte dann gewendet und versucht, sie in das Fahrzeug zu zerren. Auch damals entkam das Opfer, weil es sich mit einer Reizgasflasche verteidigen konnte. Beide Frauen hatten übrigens unabhängig voneinander Phantombilder des Täters erstellt, die sich verblüffend ähnelten.

Dass es seitdem nach vorliegenden Erkenntnissen nicht wieder zu ähnlichen Übergriffen kam, könnte nach Mutmaßungen der Polizei aber auch daran liegen, dass der gesuchte Mörder längst fortgezogen ist oder gar nicht mehr lebt. „Wir haben deshalb auch schon DNA-Proben im verwandtschaftlichen Umfeld von Verstorbenen nehmen lassen“, sagt Kowalke.

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