Zuckerfabrik:

Nach mir die Stinkflut!

Anklam versinkt im Fäulnis-Mief aus der Zuckerfabrik – und was macht Fabrikchef Sauer? Fährt einfach in den Urlaub! Seine Mitarbeiter dürfen nichts sagen, die Behörden wissen auch nicht so recht, was sie dagegen machen können und die Stadtpolitiker sind geteilter Meinung. Die Stinkwolke erreicht währenddessen immer mehr Anklamer Nasen.

Fabrikchef Michael Sauer (m) macht Urlaub
G. Kords / Archiv Fabrikchef Michael Sauer (m) macht derzeit Urlaub.

Der Bürgermeister bleibt neutral, einige Stadtvertreter sind sauer oder zumindest enttäuscht. Der üble Geruch vergorener Rübenschnitzel ist jetzt auch in der Politik angekommen. Doch was können Stadtvertreter oder Stadtverwaltung für geplagte Bürger tun?

„Wir haben leider kaum Einflussmöglichkeiten – hier ist das Umweltamt gefordert, damit die Vorschriften eingehalten werden“, sagt CDU-Stadtvertreter Marco Schulz. Die Stadtvertretung hat zwar zugestimmt, dass die Anklamer Zuckerfabrik das Gelände am Lilienthalring für das Rübenschnitzellager nutzt, doch da war von Geruchsbelästigungen nicht die Rede. Die sind jetzt aber unter anderem im nahen Wohngebiet Gneveziner Damm übelriechende Tatsache: „Der Geruch ist eklig und eine Zumutung – die Leute, die dort wohnen, tun mir leid“, sagt Marco Schulz. Der CDU-Mann ist enttäuscht, dass sich die Zuckerfabrik auf Fragen nach Ursachen und Gegenmaßnahmen bisher zurückgehalten hat. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Betriebsleitung offen sagt, womit das zusammenhängt. Wenn es Probleme gibt, muss man mit offenen Karten spielen“, meint er. Das sieht Stadtvertreterin Monika Zeretzke (Linke) ähnlich: „Schade, dass sich die Zuckerfabrik bedeckt hält – selbst wenn der Chef in Urlaub ist, muss das Leben doch weitergehen“, sagt die Fraktionsvorsitzende.

Immerhin: Gegenüber den Stadtvertretern soll der Betrieb zugesagt haben, nach einer Lösung zu suchen. Und die Stadtverwaltung? Die hält sich nobel zurück: Weder bei Bürgermeister Michael Galander noch beim Ordnungsamt sei bisher eine Beschwerde eingegangen, heißt es von dort. Die Kritiker hätten sich offenbar gleich an das Umweltamt gewandt. Wie praktisch: So müssen sich Galander und seine Mannschaft nicht die Finger schmutzig machen bei dem für Anklam so wichtigen Unternehmen. Auch wenn der Bürgermeister eilfertig betont: „Wenn es Missstände gibt, muss das Umweltamt dem nachgehen und darauf achten, dass sie abgestellt werden.“ Und doch: Nach Galanders Sicht der Dinge sind Kompromisse nötig. „Völlig geruchlos“ könne ein solcher Betrieb nicht arbeiten. Außerdem liege der Fehler ganz woanders: Nach der Wende hätte am nahen Gneveziner Damm kein neues Bauland ausgewiesen werden dürfen.

Indessen ist das Umweltamt schon tätig geworden – wenn auch nur als Papiertiger. Man habe die Zuckerfabrik bereits aufgefordert, Abhilfe zu schaffen, heißt es aus der Kreis-Behörde. Das Amt vermutet, dass die Zuckerfabrik die stinkenden Schnitzel nicht sorgfältig genug abdeckt und die miefende Sickerflüssigkeit aus den Schnitzeln anders als vorgesehen in das Regenwasserbecken läuft.

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