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Neuer Revier-Chef: Was lange währt, wird gut?

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg FoetzkeKein Scherz: Seit dem 1.April hat das Anklamer Polizeirevier einen neuen Chef. Jedoch erreicht die merkwürdige ...

Die Posse um den Chef-Posten im Anklamer Polizeirevier scheint aber immer noch nicht am Ende zu sein.

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg Foetzke

Kein Scherz: Seit dem 1.April hat das Anklamer Polizeirevier einen neuen Chef. Jedoch erreicht die merkwürdige Personalpolitik im Neubrandenburger Polizeipräsidium damit
eine neue Dimension.

Anklam.Was lange währt, wird endlich gut – in gewisser Weise könnte das Sprichwort auch Anwendung für die Neubesetzung des Chefpostens finden. Denn nach sage und schreibe sieben Monaten ist es dem Polizeipräsidium (PP) Neubrandenburg gelungen, einen Leiter einzusetzen, der auch körperlich anwesend die Führung des Anklamer Reviers übernimmt.
Genauer gesagt, hat seit dem 1. April der Erste Polizeihauptkommissar Andreas Furth dort das Sagen. Für die Arbeit im Polizeirevier der Peenestadt ist dies ohne Zweifel ein Gewinn, den Andreas Furth ist gewissermaßen ein Lokalmatador. 1983 begann der heute 53-Jährige seine Ordnungshüter-Karriere im damaligen Volkspolizei-Kreisamt (VPKA) in Anklam. Noch vor der Wende absolvierte er die Offiziersschule und war dann fast 20 Jahre in verantwortungsvollen Tätigkeiten in der damaligen Polizeidirektion Anklam tätig. Im Zuge der Polizeistrukturreform wechselte Furth in das Neubrandenburger Polizeipräsidium und übernahm dort den Dienstposten „Polizeiführer vom Dienst“. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Mit seiner Familie lebt er in der Nähe von Krien.
Sollte damit die merkwürdige Personalpolitik innerhalb des Polizeipräsidiums Neubrandenburg ein Ende gefunden haben? Denkste! Vielmehr erreicht sie nun eine ganz neue Dimension. Einen ersten versteckten Hinweis bietet die offizielle Erklärung des Polizeipräsidiums vom 22. März zu der personellen Veränderung im Anklamer Revier: Darin heißt es, Furth werde „ab dem 1. April 2013 die Dienstgeschäfte des Leiters des Polizeihauptrevieres in Anklam übernehmen“. Wer denkt da schon, dass jemand, der die Dienstgeschäfte des Leiters übernimmt, nicht gleichzeitig der Leiter sein muss?
Kurze Zeit später besagen Informationen aus Polizeikreisen, dass Furth zwar als Revierchef in Anklam fungiert, vom Dienstposten her jedoch weiter als Polizeiführer vom Dienst im Neubrandenburger Polizeipräsidium geführt wird. Den Dienstposten des Anklamer Revierleiters behält nach wie vor der Bezirkspersonalratsvorsitzender Martin S.. Er wird offiziell schon seit Monaten als Anklamer Revierleiter geführt, ist aufgrund seiner Personalratsarbeit jedoch vom Dienst freigestellt (wir berichteten).
Die Entscheidung begründet das Polizeipräsidium mit geltenden Vorschriften: Demnach werden Dienstposten gemäß der Landesverordnung der Laufbahnen der Polizeivollzugsbeamten grundsätzlich nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung übertragen. Sachfremde Erwägungen spielten prinzipiell keine Rolle.
Warum Martin S. auf dem Dienstposten des Anklamer Revierleiters verbleibt, erklärt dies kaum, sollte er doch planmäßig mit Erreichen des 60. Lebensjahres im Oktober in Ruhestand gehen. Vielleicht aber die Information, die der Redaktion von Mitarbeitern aus dem Bereich des PP zugespielt wurde. Demnach wolle man Martin S. eine Verlängerung seiner Dienstzeit zugestehen. Dies sei aber nur möglich, wenn er einen entsprechenden Dienstposten bekleidet. Diese Verlängerung sei ihm zumindest mündlich schon mitgeteilt worden. Unter den Beamten der PD kursiert das Gerücht, Polizeipräsident Abramowski habe dem „aus Dankbarkeit“ zugestimmt.
Für den Personalratsvorsitzenden S. könnte die ganze Sache noch einen interessanten Nebeneffekt haben: Da laut Dienstposten Anklam sein eigentlicher Dienstort ist, er aber aufgrund der Personalratsarbeit vorwiegend in der Viertorestadt zu tun hat, könnte er für die Fahrten von der Peenestadt nach Neubrandenburg die anfallenden Kosten als dienstliche Aufwendungen abrechnen.