Aus dem Kreistag:

Nur ein Spar-Kommissar? Caffier schickt uns gleich acht!

Nicht nur ein beratender Beauftragter soll den Kreis vor der Schuldenfalle bewahren. Acht Sparfüchse rücken aus einer Nürnberger Kanzlei an - nach dem Motto: Sicher ist sicher, falls sich doch mal einer verrechnet.

Rechtsanwalt Peter Lindt wirft für das Land einen Blick auf die Sparbemühungen des Kreises.
Jörg Foetzke Rechtsanwalt Peter Lindt wirft für das Land einen Blick auf die Sparbemühungen des Kreises.

Muss der Kreis vor dem neuen Sparkommissar keine Angst haben? Der erste Eindruck scheint so. Als Rechtsanwalt Peter Lindt und zwei seiner Mitarbeiter in den Sitzungssaal des Greifswalder Kulturhauses kamen, machten sie alles andere als einen unnahbaren Eindruck. Freundlich, fast heiter, gaben sie sich bei der Begrüßung und nahmen dann fast ein wenig schüchtern auf der Verwaltungsbank Platz. Doch vorab reden wollte Peter Lindt nicht. Jegliche Fragen und Stellungnahmen zu seiner Arbeit seien an das Schweriner Innenministerium zu stellen. „Und auch zum Urlaub gibt es da sicher eine Erklärung“, meinte der Rechtsanwalt mit einem fast spitzbübischen Lächeln auf den Lippen.

Als er dann an das Rednerpult trat, setzte Sparkommissar Lindt ein Lächeln auf, als sei doch alles gar nicht so schlimm. Die Kanzlei „Rödl & Partner“ aus Nürnberg, die die Ausschreibung des Beratungsauftrags gewonnen hat, schickt aber nicht nur einen beratenden Beauftragten, sondern gleich ein ganzes Spar-Team aus acht Leuten. Für die Nürnberger ist die Sparberatung des Kreises Vorpommern-Greifswald kein Experiment, im Osten Deutschlands waren sie bereits als Berater für Städte wie Dessau, Magdeburg und Chemnitz unterwegs.

Peter Lindt machte den Abgeordneten dann auch klar, dass Ergebnisse und Vorschläge nicht von einem Tag auf den anderen zu erwarten sind. Und er zeigte seine milde Seite und bat um weitgehende Zusammenarbeit mit Verwaltung und Kreisparlament.

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Kommentare (1)

Viele sehen die Berufung eines beratenden Beauftragten kritisch, gerade in Hinblick auf die kommunale Selbstverwaltung. Diese Sicht ist auch realistisch, denn viel Spielraum für eigenes Gestalten wird der Landkreis Vorpommern-Greifswald in der Zukunft nicht mehr haben. Allzu gerne werden aber die Ursachen für die Haushaltsmisere ausgeblendet: neben der unverantwortlichen Sparpolitik des Landes, das sich in den vergangenen Jahren auf dem Rücken seiner Kommunen saniert hat, sind das nämlich vor allem die Sünden der Vorgänger-Landkreise. Teure Prestigebauten, viel zu hoher Personalbesatz und falsch verstandene soziale Verantwortung gegenüber dem Verwaltungspersonal sind eine schwere Hypothek, die eine Haushaltssanierung massiv erschwert. Ob allerdings ausgerechnet Juristen die Richtigen sind, um eine sinnvolle und nachhaltige Haushaltssanierung zu initiieren und zu begleiten - das darf mit Recht bezweifelt werden.