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Ohrenkino im Sternenzelt

Der Nordosten Deutschlands ist ein Augenschmaus und ein Land der Farbtöne.

Fehlt nicht zuletzt noch ein Sinneseindruck: Das Hören. Das dachten sich die drei gebürtigen Mecklenburgerinnen Sabine Münch, Kristina Ludwig und Julia Gerstmann vor fünf Jahren. Seither blasen sie regelmäßig in lauen Augustnächten zum "Lauschangriff" mit dem zungenbrecherischen Namen "Freilandlausch". Die neogotische Schlossruine Broock im malerischen Tollensetal und der weitläufige Lenné-Landschaftspark bieten dafür die poetische und zuweilen auch gruselige Kulisse für Hörspiele aus dem Ü-Wagen und kleinen Lautsprechern überall. Vom 8. bis 10. August nun laden die drei zu einem kleinen Jubiläum ein - zum 5. Freilandlausch in Broock.

Seit der Hörspielversion von "Die Heiden von Kummerow" hat Sabine Münch ihr Herz an das Medium verloren. Sie arbeitet jetzt als Medienpädagogin bei NB-Radiotreff, und somit ist nicht nur Fachverstand, sondern auch das Equipment gestellt. Kristina Spoerl und Julia Gerstmann kommen ebenfalls aus der Medienbranche, dem PR-Bereich.

Dass es eine fünfte Auflage des Hörspielfestivals gibt, ist nicht ganz selbstverständlich. Schließlich greifen die drei Initiatorinnen für die eintrittsfreie dreitägige Veranstaltung in ihre Privattaschen und werden lediglich vom Schlossherrn Hans von Rittinghausen unterstützt. Und in diesem Jahr seien ihnen die Sender bezüglich der Hörspielrechte endlich wieder finanziell entgegengekommen. Für eine Schlechtwettervariante ist auch gesorgt: im Marstall mit virtuellem, aber sicher ebenso, zumindest herzenswärmendem Kaminfeuer.

"Freilandlausch", das ist Ohrenkino, dazu Lümmeln im Schlosspark und Lauschen, zugedeckt vom Sternenzelt von Freitagabend bis Sonntagfrüh bei Hörspielen wie "Farm der Tiere", "In 80 Tagen um die Welt" oder einer "Kurzen Geschichte des Traktors auf Ukrainisch". Die Freitagnacht steht unter dem Motto "Sex, Crime and Horror", wenn um 23 Uhr Robert Louis Stevenson mit "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" ans Schlossgemäuer klopft. Am Sonnabend werden zwei Wunschhörspiele angeboten. Per Internet kann abgestimmt werden, ob man lieber "Ottokar, das brave Früchtchen", "Die Heiden von Kummerow" oder "Sonst noch was?" von Elke Heidenreich lauschen möchte. Für die "Late-Night" danach kann zum Beispiel gewählt werden aus "Die Entdeckung des Himmels" von Harry Mulisch oder "Spinnen" von Fritz Lang.

Als alle Sinne ansprechendes Erlebnis wird wiederum der natürliche "Kinosaal" integriert: Lauschen lässt sich nämlich auch im Kanu auf der Tollense schaukelnd, und auf dem Gelände darf gezeltet werden, so dass sich nach den späten Hörstücken noch die Atmosphäre mit Feuerkörben und illuminiertem Schloss genießen lässt.

Auch wenn die Akzeptanz von Hörspielen nicht so gediehen zu sein scheint wie etwa Filme, zeigte die eher spärliche Besucherzahl der letzten Jahre, stellen die Initiatorinnen den Spaß in den Vordergrund und machen weiter.

Versprecher beim Namen "Freilandlausch" sind sicher durchaus gewollt und noch dazu sinngemäß: Denn wer zwischen Zwetschgenzweigen unter zwitschernden Schwalben oder vielleicht auch im dicken Fichtendickicht "freilandlauscht", könnte meinen, er habe einen "Freilandrausch". Mit Max Goldts Erzählung "Der Krapfen auf dem Sims" als Hörspiel vielleicht beim nächsten Mal sowieso.

8. bis 10. August, Schloss Broock@!www.freilandlausch.de