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Per Handy-Funk gegen den Stau im Sommer

Jedes Jahr strömen tausende Touristen auf die Insel Usedom. Und der Verkehr kommt nicht selten bis nach Anklam hinein zum Erliegen. Damit soll nun Schluss sein.

Was soll denn das Gerüst da am Straßenrand? In dieser Woche werden an der B 109 zwei elektronische Tafeln angebracht, die für Verkehrsentlastung sorgen sollen.
Carsten Schönebeck Was soll denn das Gerüst da am Straßenrand? In dieser Woche werden an der B 109 zwei elektronische Tafeln angebracht, die für Verkehrsentlastung sorgen sollen.

Während der Autofahrt soll man keinesfalls das Handy benutzen. Aber in Vorpommern sollte es künftig zumindest eingeschaltet bleiben. Denn anhand der Funkstrahlung sollen nun Staus verhindert werden. Jedenfalls testweise. Ein Dorn im Auge ist den Verkehrsplanern dabei der Verkehr auf und von der Insel Usedom. Der sommerliche Urlauberverkehr sorgt bisher jedes Jahr für Staus und lange Wartezeiten, die auch viele Anklamer und Wolgaster ärgern. „In den Urlaubsmonaten ist insbesondere die nördliche Zu- und Abfahrt über Wolgast überlastet“, erläutert Verkehrsminister Christian Pegel (SPD).

Das neue System soll deshalb Teile des Verkehrs auf die Bundesstraße 110 und von dort über die Zecheriner Brücke leiten. Dabei wird an verschiedenen Stellen im Netz der Bundesstraßen die Zahl der Autos und ihre Reisegeschwindigkeit erfasst. Die dazu notwendige Technik wurde bereits im Winter installiert. Das Zauberwort heißt „Bluetooth“. Der Funkstandard wird von Handys, Tablet-Computern und vielen Freisprech-Einrichtungen verwendet. An den einzelnen Auswertungspunkten wird die individuelle Bluetooth-Signatur der Geräte erfasst, einige Meter weiter werden die Daten dann an einer zweiten Empfangsstation abgeglichen. Dazwischen muss das Programm noch alle Fußgänger, Radler und andere „Fehlsignale“ erkennen.

Drei neue Anzeigetafeln

„Das funktioniert über bestimmte Grenzwerte bei der Zeit, die das Signal von einem Sensor zum nächsten braucht“, erklärt Sven Rathey. Der Mitarbeiter der Fernmeldemeisterei in Malchow hat das System mitentwickelt. 16 der Messstellen wurden rund um die Insel installiert.

Was in Vorpommern bisher fehlte, war die Möglichkeit, die erfassten Daten auch zu nutzen. Das ändert sich nun. Die auffälligste Variante dazu sind insgesamt drei Anzeigentafeln, die am Donnerstag in Betrieb gehen sollen. Autofahrer sollen so vor Staus gewarnt werden. Zwei der Tafeln werden an der Kreuzung Moeckow Berg installiert, eine auf Usedom an der Kreuzung der B 111 mit der L 266 bei Heringsdorf.

Stau-Infos im Internet

Doch auch wer von Anklam aus in Richtung Insel unterwegs ist, soll von der neuen Technik profitieren. Die Stau-Warnungen lassen sich im Internet abrufen und werden in verschiedene Navigationssysteme eingespeist. Für diese Saison spricht das Ministerium noch von einem Probebetrieb. Bis Ende des Jahres sollen das System und die damit gegebenen Routenempfehlungen noch optimiert werden.

Sorgen von Datenschützern weist das Verkehrsministerium zurück. Alles werde verschlüsselt und sei nicht zurückzuverfolgen. Theoretisch sei es zwar möglich, damit auch Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen, dafür fehle aber jede gesetzliche Grundlage. Die Kosten von knapp 1,2 Millionen Euro werden zum großen Teil vom Bund getragen.