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Raser machen Anklam zur Rennstrecke

Anwohner in Anklam sind verzweifelt: Am Abend und am Wochenende machen rücksichtslose Rennfahrer die Straßen unsicher, sagen sie. Im Juni wurde hier einer mit 118 km/h geblitzt - in der Stadt! Muss erst etwas passieren, bevor die Polizei einschreitet, fragen die Anwohner?

Tagsüber hält sich die Raserei auf der Pasewalker Allee in Grenzen - wie dieses Bild zeigt. Doch vor allem abends scheinen hier rücksichtslose Raser unterwegs zu sein.
Sarah Schaefer Tagsüber hält sich die Raserei auf der Pasewalker Allee in Grenzen - wie dieses Bild zeigt. Doch vor allem abends scheinen hier rücksichtslose Raser unterwegs zu sein.

Mit 118 km/h war der junge Mann im Juni dieses Jahres in eine Geschwindigkeitsmessung gerast – auf der Pasewalker Straße, wo 50 km/h erlaubt sind. "Die zumeist jungen Fahrer, die meinen, die Pasewalker Straße als Rennstrecke zu missbrauchen, müssen wohl über das Portemonnaie und die zeitweise Abgabe des Führerscheins erzogen werden", sagte Polizeisprecher Axel Falkenberg damals.

Waghalsige Überholaktionen

Doch ein langfristiger Warneffekt ist offenbar ausgeblieben. Noch immer beschweren sich Anwohner über rücksichtslose Fahrer von Autos und Motorrädern. Besonders schlimm sei die Situation am Wochenende und in den Abendstunden, sagen viele. Oft sei zu beobachten, dass dieselben Fahrer mehrmals auf der Allee hin- und herfahren und sich teilweise waghalsige Überholaktionen liefern, sagt eine Anwohnerin.

Das Raser-Problem in der Pasewalker Allee sei der Polizei bekannt, sagte Polizeisprecher Axel Falkenberg. "Wir versuchen, die Anliegen von Anwohnern in unseren Planungen zu berücksichtigen." Die Lösung könne aber nicht sein, laufend an dieser Stelle zu kontrollieren. "Dann entsteht ein Gewöhnungseffekt und die Leute geben einfach nach der Kontrolle Gas", so Falkenberg. Zudem sei die Pasewalker Allee nicht die einzige Strecke, die es im Bereich des Polizeireviers zu kontrollieren gebe.

Kommentare (2)

Was für eine geistig armselige Argumentation des Herrn Falkenberg ! Natürlich kann man nicht laufend an dieser Stelle kontrollieren. Die Polizei soll ja nicht beim Laufen kontrollieren, sondern sie soll einen ständigen Kontrolldruck ausüben, und das geht nur bei öfteren Kontrollen. Nicht der Gewöhnungseffekt an Kontrollen soll vermieden werden, sondern es muß ein Gewöhnungseffekt an die StVO wiederhergestellt werden. Auf keinem anderen Rechtsgebiet als dem Straßenverkehrsrecht werden täglich so viele Verstöße begangen, und 99 Prozent davon bleiben von der Polizei ungesehen und ungesühnt. Denken Sie an die Problematik des grünen Abbiegepfeils an Lichtsignalanlagen, an das unterlassene Halten an der Haltlinie beim STOP-Schild, denken Sie an Halten und Parken etc.. Es ist dringend an der Zeit, einen Polizisten mal als Figur ins Wachsfigurenkabinett aufzunehmen, damit uns die Erinnerung an das Erscheinungsbild eines öffentlich sichtbaren und wirksamen Polizisten erhalten bleibt ! Von Seiten der Polizei wird die Personalknappheit beklagt. Wer außer den verantwortlichen Politikern ist denn daran schuld ? Ämter nach SPD- bzw. CDU-Parteibuch zu vergeben - diese Praxis ist uns aus der DDR und der SED noch erinnerlich. Nichts hat sich daran geändert. Wenn die höchste Qualifikation des im Bundesland M-V höchsten Entscheidungsträgers der letzten Jahre eine agrartechnisch-ökonomische ist, verwundern die heutigen Zustände niemanden mehr. Ich kann Ihnen Ortschaften benennen, an deren einziger Durchfahrtsstraße es keine Bürgersteige gibt und die Kraftfahrzeuge trotzdem nicht die vorgeschriebenen 50 km/h fahren. Bei Messungen des Landkreises sind dort 35 Prozent aller Kraftfahrzeuge in der Meßstelle auffällig schnell gewesen, Doch das ist für die Polizei kein Grund: Verkehrsregulierende Maßnahmen werden leider immer noch von einer Unfallhäufigkeit abhängig gemacht. Es sind eben noch nicht genügend Hunde, Katzen, Igel, Menschen tot gefahren worden. An die Lebensqualität der Anwohner denkt schon lange niemand mehr. Die ist ja nicht in Statistiken meßbar. Nur mit einer Null-Toleranz-Strategie, und zwar allerorts, kann der steigenden Verrohung der Sitten im Straßenverkehr noch Einhalt geboten werden.

Sollte der längst überfällige und vom Bundesrat mittlerweile auf den Weg gebrachte Antrag demnächst hoffentlich in geltendes Recht umgesetzt werden drohen Rasern nicht mehr die bisher lächerlichen Bussgelder oder ein Monat Fahrverbot sondern Auto- und lebenslänglicher Führerscheinentzug sowie Freiheitsstrafe (bei Unfällen mit Toten bis zu 10 Jahre).