Doch nicht "Systempresse":

Schreibt der Nordkurier zu nett über die AfD?

Auch der Nordkurier wurde schon als Lügenpresse beschimpft, von der NPD werden wir nur "Rotkurier" oder "Systempresse" genannt. Jetzt allerdings gibt es heftige Vorwürfe gegen unsere Redaktion von genau den Leuten, die gegen Rechts kämpfen. Der Nordkurier sei viel zu AfD-freundlich, das müsse in Berlin "presseethisch überprüft" werden.

Auch dieser Beitrag des Nordkuriers über die AfD wurde heftig kritisiert.
Nordkurier.de Auch dieser Beitrag des Nordkuriers über die AfD wurde heftig kritisiert.

Wenn sie die Demokratie in Gefahr wähnen, wollen sie anpacken. Das Bündnis "Anklam für alle" hatte sich im April gegründet, um ein Zeichen für Toleranz zu setzen. Die Gründungsurkunde unterschrieben 40 Ehrenamtliche, Politiker, Vereinsvertreter sowie Hauptamtliche aus der Demokratie- und Flüchtlingsarbeit. Neben der NPD als natürlichem Gegner hat die Gruppe nun offenbar noch eine andere Gefahr für die Demokratie ausgemacht: den Nordkurier.

Der hatte in den vergangenen Wochen und Monaten des Wahlkampfes auch über die AfD, ihre Kandidaten und Forderungen berichtet. Und natürlich auch über den Streit zwischen der Stadt Anklam und der Partei um die Vermietung des Volkshauses für einen Wahlkampfauftritt der AfD-Chefin Frauke Petry.

AfD-Berichte bedenklich?

Deutlich zu viel AfD auf den Nordkurier-Seiten, so sieht man es jedenfalls beim Bündnis "Anklam für alle". Das war der Ratschluss der jüngsten Sitzung. Umfang und Tendenz der AfD-Berichte wurden von der Runde als bedenklich eingestuft, Bündnis-Sprecher Ulrich Höckner damit beauftragt, sich "wegen presseethischer Prüfung" an den Presserat in Berlin zu wenden.

An der Sitzung des Bündnisses nahm kein Nordkurier-Reporter teil, Nachfragen bei der Redaktion über die Berichterstattung gab es auch nicht.

Art und der Umfang der Berichterstattung

Auf Nordkurier-Nachfrage erklärte Bündnissprecher Ulrich Höckner, die Berichterstattung im Lokalteil zeige ein einseitig-positives Bild der AfD. Die Partei würde in einer "Opferrolle" im Streit um das Volkshaus und die Wähler dargestellt, obwohl sie mit Ressentiments und Vorurteilen arbeite und Menschen ausgrenze. Die Art und der Umfang der Berichterstattung seien deshalb falsch.

Kritik an der Arbeit einer Redaktion ist insbesondere in Wahlkampfzeiten nicht nur normal, sondern absolut erwünscht. Schließlich soll eine Zeitung den Informationsbedürfnissen ihrer Leser folgen, die sie auch bezahlen. Der Nordkurier stellt sich gerne der Kritik, auch öffentlich, auch in diesem Fall.

Allerdings: Die Debatte um den Petry-Auftritt im Volkshaus beschäftigte nicht nur die Stadt, sondern schlug Wellen im ganzen Land, die Umfragewerte für die AfD verbieten es nach Meinung der Redaktion, ihre Kandidaten zu ignorieren.

Aber natürlich kann man darüber streiten, vielleicht nicht unbedingt in Berlin, sondern hier auf unserer Seite. Also, liebe Leser: Wie sehen Sie das?

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung

Kommentare (6)

Herr Höcher, in Frau Kahane haben Sie genau die richtige Ansprechpartnerin,die die Artikel des Nordkurier überprüfen kann. Sie ist ja kompetent als ehemalige IM. Warum ihr bunter Verein sich jetzt über die Berichterstattung aufregt,ist sicherlich Ihr Geheimnis. Welche Ämter,haben eigentlich Ihre Mitstreiter zur Zeit der DDR bekleidet ?

Es ist sehr gut für das politische Bewusstsein, dass etablierte Presse hier einmal zwischen die Fronten gerät.

Die Diskussion um die Kündigung eines städtischen Saales in Anklam, den die AfD für eine Wahlkampf Veranstaltung gebucht hatte, wird bundesweit aufmerksam verfolgt. Ähnliches wurde auch bei uns im Süden versucht, die Prozesse wurden allerdings alle von der AfD gewonnen. So verbrennt der Bürgermeister Steuergeld, um die Meinungsfreiheit einzuschränken. Gott sei Dank gibt es noch eine freie Presse, die darüber berichtet und sich nicht einschüchtern lässt. Dazu passt ein Zitat von Heinrich Böll der einmal schrieb: "er sähe nur Reste verfaulender Macht, die mit rattenhafter Wut verteidigt werden.

lieber Nordkurier. Wer aufmerksam die Artikel des letzten Monats über die AfD liest, wird keine kritische Analyse des populistischen und fremdenfeindlichen Wahlprogramms dieser Partei finden. Statt dessen menschelnde Porträts von AfD-Landtagskandidaten ("Überhaupt gibt Manthei sich bodenständig, sein Leben wirkt beinahe asketisch. Fernsehen sei nicht seins, außer eben beim Fußball. Film- und Musikgeschmack? Querbeet." ). Klar, über den Streit ums Volkshaus wurde ausführlich berichtet. Aber eine inhaltliche Auseinandersetzung? Fehlanzeige. Bitte verlinken Sie den entsprechenden Artikel, wenn ich ihn übersehen haben sollte. Der Grund liegt auf der Hand: der Nordkurier verzeichnet eine sinkende Auflage. Und die wenigen Leser will man nicht auch noch verprellen mit einer allzu kritischen Berichterstattung über eine Partei, die in Umfragen immerhin auf 19% kommt.

Ich für meinen Teil möchte nicht, dass eine Zeitung mir permanent erklärt, was ich von einer Partei zu halten habe. Ob ich ein Parteiprogramm als fremdenfeindlich zu empfinde habe oder viel mehr als realistisch, muss mir kein Redakteur sagen. Auch die durchaus offene Frage, ob die AfD vielleicht noch populistischer ist als z.B. die SPD, entscheide ich für mich allein. Ich finde es deshalb vollkommen richtig, dass der Nordkurier über die AfD so berichten, wie über die anderen Parteien.

Man kann über die AfD denken was man will. Das ist ein Punkt unserer (noch) Freiheit. Die Medien sollen weitgehendst wertfrei informieren, es sei denn Personen oder Gruppierungen missachten das geltende Grundgesetz. Am 4.9.16 werden über 20 Prozent der Wähler AfD und zur führenden Oppositionspartei im Schweriner Landtag wählen. Ein Ignorieren dieser Partei und anhängigen Wählerschaft durch die Medien wäre demokratiefeindlich und Wasser auf die Mühlen der "Lügenpresse"-Rufer. Die Volkshaus-Affäre ist schon deshalb einige Artikel wert.