Sicherheit im Verkehr:

Senioren-TÜV - Schrott oder sinnvoll?

Senioren verursachten am Wochenende auf den Straßen Vorpommerns zwei schwere Unfälle. Und sofort fangen die Jungen im Internet an zu diskutieren: Senioren-TÜV: Ja oder Nein?

Man muss im Alter nicht unbedingt schlechter fahren. Aber sollte man das nicht doch besser testen?
Patrick Pleul Man muss im Alter nicht unbedingt schlechter fahren. Aber sollte man das nicht doch besser testen?

Vor zwei Jahren gab es den letzten heiß diskutierten konkreten Vorschlag vom Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD), dass jeder Führerscheinbesitzer alle 15 Jahre zum Gesundheits-Check soll. Andere Ideen zielen auf freiwillige oder verbindliche Tests ab einem gewissen Alter ab. Hier können sich Politiker und Experten aber bisher weder auf eine Altersgrenze einigen noch darauf, was überhaupt getestet werden soll. Nur die Augen? Oder gleich ein Ganzkörper-TÜV? Was soll das eigentlich sein, so ein Gesundheitscheck?

Fahrlehrer befürwortet Gesundheits-Check

Der Anklamer Fahrschullehrer Lothar Nowak beschäftigt sich naturgemäß intensiv mit diesem Thema. Er weiß natürlich auch, dass man mit zunehmendem Alter in der Regel schlechter hört und sieht. Auch die körperliche Fitness und die Konzentrationsfähigkeit sind wichtig im Straßenverkehr. Er befürwortet daher einen solchen Gesundheits-Check und orientiert sich an den Regeln, die heute schon für Berufskraftfahrer gelten: Ab dem 50. Lebensjahr müssen sie alle fünf Jahre zum Arzt. Dabei sollten das Sehvermögen, die Reaktionsfähigkeit und die körperliche Fitness getestet werden.

Der ADAC hält dagegen, dass solche Tests nur Momentaufnahmen seien. Langsamere Reaktionen machen die Älteren durch mehr Erfahrung wett, sagt Andreas Hölzel, Sprecher für Verkehr beim ADAC. Es könne ohnehin bei keinem Test sichergestellt werden, wie der Gesundheitszustand in der Zukunft sei. Deswegen setzt der ADAC hier auf Freiwilligkeit.

Sind die jungen Fahrer schuld an den vielen Unfällen?

Die Sorgenkinder der Straße sind viel mehr die jungen Leute zwischen 18 und 25 Jahren: Weniger Routine und mehr Aggression kommen hier zusammen. Während ihre Großeltern sich in der Regel auf bekannten Routen bewegen und das Auto nur für kurze Strecken nutzen, erobern die Enkel noch die Welt und all die neuen Möglichkeiten, die ein Führerschein bietet. Das bestätigen auch die Zahlen aus der Polizeiinspektion Anklam: Von Januar bis August gab es in diesem Jahr bei den 18- bis 30-Jährigen über 1100 Unfälle. Die Altersklasse 51 bis 60 Jahre schlägt zwar auch mit 977 Unfällen zu Buche, andererseits verbergen sich hinter dieser Altersklasse auch in etwa doppelt so viele Menschen. Bei den 61- bis 75-Jährigen waren es dann nur noch 711 Unfälle, bei den 75 bis 93-Jährigen nur noch 251 Unfälle.

 

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