Ein Fall aus dem Leserhilfswerk:

Sorge um Abschluss der Lehre

Anika M. möchte in wenigen Wochen ihre Ausbildung beenden. Doch sie kann das Schulgeld nicht mehr zahlen. Die Unterstützung vom Jobcenter lief erst spät an. Belastend sind für sie auch der Tod des Vaters und die Krankheit der Mutter.

Helfen mit Herz

Anika M. hat einen großen Traum: Sie möchte Alten- und Krankenpflegerin werden. Und sie ist ihrem Ziel schon sehr nah gekommen. Doch ihr Weg dorthin war und ist beschwerlich, und
Anika M. weiß zurzeit nicht, ob sie ihn wirklich bis zu Ende gehen kann. Dabei ist sie sicher, dass das genau der richtige Beruf für sie ist.

„In einem Schülerpraktikum habe ich in einem Pflegeheim gearbeitet. Das hat mir sehr gut gefallen“, sagt die 25-Jährige. Der Gedanke ließ sie nicht mehr los. Nach der Schule begann sie jedoch zunächst eine Lehre in der Gastronomie. „Aber das war einfach nichts für mich“, weiß sie heute. Auch die Ausbildungsbedingungen waren kompliziert. So brach sie die Lehre ab und versuchte, sich neu zu orientieren. Das alles passierte in einer für sie ohnehin schwierigen Zeit. Als sie 17 Jahre alt war, starb ihr Vater an einem Hirntumor. Die Mutter erlitt einen schweren Schlaganfall. Anika M. fiel es schwer, das zu verkraften und sich aus dem Tief, in dem sie danach steckte, herauszuarbeiten.

Sehr gute Noten in Theorie und Praxis

Als sich aber die Möglichkeit für die Ausbildung zur Kranken- und Altenpflegehelferin bot, griff sie zu. Im September 2013 begann die Lehre. Alles schien perfekt. Der Notendurchschnitt liegt sowohl in der Theorie als auch in der praktischen Ausbildung um 1,5. Der Haken an der Sache: Es ist eine überbetriebliche Ausbildung. Das heißt, Anika M. muss Schulgeld bezahlen. Durch BAföG, Kindergeld und Halbwaisenrente konnte sie das finanzieren – bis sie 25 wurde. Von da an hatte sie keinen Anspruch mehr auf Kindergeld. Das bedeutete 184 Euro weniger im Monat.

Anika M. lebt sehr sparsam und bescheiden. In ihrer kleinen Wohnung fehlen noch diverse Möbel. Sie ist froh, dass sie Schrank und Bett aus ihrem früheren Kinderzimmer mitnehmen konnte. Und auch die Couch von der Großmutter tut noch immer gute Dienste. „Irgendwann richte ich mir die Wohnung sicher auch mal schön ein“, wünscht sie sich.

Trotz aller Sparsamkeit konnte sie aber die Lücke, die das fehlende Kindergeld verursachte, nicht ausgleichen. Die Mutter konnte von ihrer Rente auch nicht helfen. Erst spät wandte sich Anika M. an das Jobcenter. Da war sie schon mit zwei Monatsbeträgen für die Ausbildung in Verzug, der Abbruch der Lehre drohte. „Ich wollte es unbedingt aus eigener Kraft schaffen“, erklärt die sympathische junge Frau.

Das Jobcenter half, übernimmt seither die Kosten für die Ausbildung. Rückwirkend ist das jedoch nicht möglich, so dass die Schulden bleiben. Dafür muss Anika M. selbst aufkommen. Doch woher 500 Euro nehmen? Die Schule ist zwar mit einer Ratenzahlung einverstanden, aber Anika M. drücken noch mehr Zahlungsrückstände.

Folgenreiche Zahlungsrückstände

„Das Schuldenkarussell begann sich zu drehen“, formuliert es die Betreuerin vom Jobcenter, die der jungen Frau gern helfen möchte. Das Problem: Das Jobcenter konnte nicht nahtlos zahlen. Bis zur Bewilligung der Anträge entstanden Miet- und Stromschulden. Das Konto von Anika M. war längst überzogen.

Inzwischen sind einige Monate vergangen. Die Stromschulden konnte sie aus
eigener Kraft abzahlen. Doch die Gedanken an die Folgen der anderen Schulden ließen sie nicht los. Sie wurde krank. Nur mühsam kann sie den Weg zu ihrem Beruf fortsetzen. Sie weiß, wenn das Schulgeld nicht bezahlt wird, droht der Abbruch der Ausbildung, wird sie nicht zur Prüfung zugelassen. Wird andererseits die Miete nicht ausgeglichen, droht die Kündigung der Wohnung.

„Ich möchte die Ausbildung unbedingt gut beenden“, sagt sie. Am liebsten würde sie sogar noch einmal zwei Jahre dranhängen, um Alten- und Krankenpflegerin zu werden, gesteht sie und ihre Augen leuchten. Dann könne sie auch Medikamente verteilen und Verbände anlegen und noch viel mehr in dem Beruf leisten.

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