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Überstunden für das Glockenspiel

Schon bald sollen die neuen Glocken der Marienkirche in Dienst gestellt werden. Doch es gibt noch einiges zu tun – die Handwerker planen bereits Überstunden am Feiertag ein. Auch für Pastorin Huse ist der Countdown für das Glockenspiel eine Herausforderung.

Die neuen Anklamer Glocken hängen im Turm der Marienkirche. Mathias Heitmann kümmert sich nun um die Antriebsmontage.
Joerg Foetzke Die neuen Anklamer Glocken hängen im Turm der Marienkirche. Mathias Heitmann kümmert sich nun um die Antriebsmontage.

Dass Pastorin Petra Huse auch sportlich Akzente setzen kann, ist in Anklam ein offenes Geheimnis. Diese Ambitionen kommen ihr jetzt im Amt zugute. Denn in diesen Tagen steigt sie mindestens zwei Mal am Tag auf den Glockenturm der Marienkirche. Das hält fit: Während die Pastorin, angekommen in der Glockenstube auf 45 Meter Höhe, einen immer noch frischen Eindruck macht, braucht so mancher untrainierte Gast einige Momente, um den Puls auf Normalniveau zu bringen.

200 geladene Gäste

Doch nicht alles fällt der Pastorin so leicht wie das Treppensteigen Richtung Kirchturm. Bevor die fünf neuen Glocken am Sonntagnachmittag um 14 Uhr während des Erntedank-Gottesdienstes feierlich in Dienst gestellt werden, muss noch so manches organisiert werden. Denn schließlich rechnet die Kirchgemeinde mit mindestens 200 geladenen Gästen und vielen Anklamern, die sich das erste offizielle Läuten der neuen Glocken am Sonntag nicht entgehen lassen wollen. An den Gottesdienst schließt sich ein Empfang an, danach dürfen interessierte Gäste noch auf den Glockenturm steigen. Damit dies in der Gesamtheit zum unvergesslichen Erlebnis wird, muss auch jedes Detail stimmen. Weil Thomas Binder, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats, gerade seinen wohlverdienten Urlaub absolviert, hat die junge Pastorin organisatorisch alle Fäden in der Hand. Doch die Last der Verantwortung macht ihr ein wenig zu schaffen. So habe sie in den vergangenen Tagen mitunter geträumt, dass am Sonntag irgendetwas schief gehen würde. Aber so motivieren sich wahrscheinlich Perfektionisten.

Es fehlten tausende Kleinigkeiten

Doch auch die Handwerker haben noch allerhand zu tun. Mitarbeiter einer Jarmener Baufirma zogen in einer Turmöffnung auf Höhe der Glockenstube einen von der Denkmalpflege geforderten zusätzlichen Pfeiler ein. Mitten in der Arbeit stecken noch Udo Griwahn und sein Mitarbeiter Mathias Heitmann. Griwahn, zu Hause in Bartmannshagen bei Grimmen, gilt als der Experte für Läuteanlagen im Land. Mittlerweile hat er in 600 Kirchen gearbeitet.  So umfangreiche Projekte wie in Anklam sind keine Seltenheit. „Da haben wir pro Jahr mindestens eins“, erklärt der 48-Jährige.  Den neuen Glockenstuhl habe man relativ schnell aufstellen können. „Doch dann fehlen immer noch tausend Kleinigkeiten“, erzählt Udo Griwahn – der als Elektromeister bei den Arbeiten in der Marienkirche übrigens voll in seinem Element ist. Denn neben der modernen Läuteanlage montierte er im Kirchturm eine vollständig neue Elektroanlage. Dass Udo Griwahn und Mathias Heitmann bis Sonntag ihre Arbeit schaffen, sehen die Handwerker als Ehrensache. Dafür haben sie sogar Überstunden am Feiertag einkalkuliert.

Früchte zum Erntedank

Mit dem Erntedank-Gottesdienst verbindet die evangelische Kirchgemeinde in Anklam aber nicht nur die Freude über die neuen Glocken. Zudem wollen die Christen den Gedanken der gegenseitigen Hilfe wachhalten und fördern. Deshalb bittet die Kirchgemeinde die Anklamer zum Erntedank-Gottesdienst um Lebensmittelspenden. Diese werden zur Zeremonie um den Altar drapiert. Gewissermaßen in Anlehnung an den Brauch der Altvorderen, die ihre Kirchen mit den Früchten der Felder zum Erntedank schmückten. Doch die Lebensmittel haben einen weiteren, weit wichtigeren Zweck. Am Montag nach dem Erntedankfest werden sie der Anklamer Tafel übergeben, die sie dann an sozial schwache Familien verteilt. Die Anklamer können ihre Lebensmittelspenden bereits am Samstag von 10 bis 16 Uhr in der Marienkirche oder unmittelbar vor dem Erntedank-Gottesdienst abgeben. Da die Spenden erst nach einigen Tagen verwertet werden können, bittet die Kirchgemeinde, dabei nicht auf leicht verderbliche Lebensmittel zurückzugreifen.