Schnitzellager:

Umweltamt sauer über Gestank aus der Zuckerfabrik

Es ist nicht das Gemeckere von Zugezogenen oder ganz besonders sensiblen Gemütern. Denn sogar alte Anklamer sagen: So schlimm wie jetzt hat es in unserer Zuckerfabrik echt noch nie gestunken. Das Umweltamt bestätigt: Im Schnitzellager brodelt eine üble Miefsuppe.

Unweit des Lilienthalrings lagern in den Silos die Rübenschnitzel, die in der Biogasanlage verarbeitet werden und den unangenehmen Geruch in Anklam verbreiten.
Simon Voigt Unweit des Lilienthalrings lagern in den Silos die Rübenschnitzel, die in der Biogasanlage verarbeitet werden und den unangenehmen Geruch in Anklam verbreiten.

Selbst alteingesessene Anklamer können sich nicht an einen solch starken Geruch wie in den letzten Tagen erinnern. Es riecht in der Stadt nach eine Mischung aus Fäkalien und Erbrochenem.

Ingolf Zölfel vom Umweltamt verortet die Geruchsquelle beim Schnitzellager am Lilienthalring, auch bekannt als „Zuckerstraße“. In acht Silos lagert die Fabrik dort Pressschnitzel ein. Reste aus der Zuckerproduktion, die später in die Bioethanolanlage des Betriebs wandern.

Vermehrt Beschwerden eingegangen

Denn neben der Zuckerfabrik sind in den letzten Jahren neue Anlagen auf dem Gelände hinzugekommen. Außer Zucker stellt das Unternehmen inzwischen  Bioethanol und Biomethan her.

Beim Umweltamt sind in letzter Zeit vermehrt Beschwerden Anklamer Bürger wegen der Geruchsbelastung eingegangen. Laut Zölfel weht dieser Tage der Wind aus dem Osten und stehe daher besonders „günstig“, um die Gerüche in die Stadt zu treiben.

Werte derzeit besonders hoch

Der Amtsleiter und seine Kollegen konnten zudem beobachten, dass mindestens zwei Kammern des Silos unnötig lange nicht abgedeckt waren. Das Problem dabei ist, dass die Gärungsprozesse, die in der Biogasanlage stattfinden, bereits bei der Lagerung einsetzen. Die Emissionswerte sind derzeit besonders hoch.

„Das geschieht wider besseres Wissen“, sagt Zölfel. Sein Vorwurf: „Das Unternehmen tut nicht alles, um die Geruchsbelastung zu minimieren.“ 

Aber: Eine der Auflagen, die 2012 für den Bau der Anlage gemacht wurden, war, alles zu versuchen, den Gestank in einem erträglichen Rahmen zu halten. Dafür reichte man Pläne ein, doch Zölfel schätzt, dass unter den realen Bedingen Nachbesserungen nötig sind. Der Geschäftsführer der Zuckerfabrik war bisher nicht für Rückfragen zu erreichen.