Neues vom Sparminator:

Vorpommerns Pleite-Berater

Doppelt kassiert und trotzdem kein Erfolg: Die Beraterfirma Rödl & Partner hatte dem Landkreis Vorpommern-Greifswald empfohlen, an den Ärmsten zu sparen. Dann ließ man sich auch noch für die Umsetzung der Idee bezahlen. Gebracht hat es: Nichts.

Peter Lindt und sein Team sollten dem Kreis erklären, wie bei der Sozialhilfe gespart wird. Dafür gab es satte Honorare. Gebracht hat es nichts.
Simon Voigt / NK-Archiv Peter Lindt und sein Team sollten dem Kreis erklären, wie bei der Sozialhilfe gespart wird. Dafür gab es satte Honorare. Gebracht hat es nichts.

Für den Landkreis Vorpommern-Greifswald und seine Berater ist es die nächste Pleite: Eine Million Euro sollte im Sozialbereich gespart werden. Es war einer der wichtigsten Vorschläge des so genannten Sparminators, um den verschuldeten Landkreis wieder auf Kurs zu bringen.

Konkret ging es dabei um die "Kosten für die Unterkunft", also Mieten und Nebenkosten von Sozialhilfeempfängern. In einer Richtlinie regelt der Landkreis, welche Mieten und Nebenkosten grundsätzlich als angemessen betrachtet werden. Doch das Beratungsunternehmen Rödl & Partner hielt einige der Werte für zu hoch. Eine neue Richtlinie sollte her.

Das günstigste Angebot hat gewonnen

Beim Landkreis sah man sich mit dieser Aufgabe allerdings überfordert. "Wir haben die Leistung öffentlich ausgeschrieben", erläutert Sozialdezernent Dirk Scheer. Der Zuschlag ging an eben jene Firma, die die Überarbeitung angeregt hatte. "Es war das wirtschaftlichste Angebot", verteidigt Scheer die Entscheidung.

Nun liegt die neue Richtlinie vor. Doch von Ersparnis ist plötzlich nicht mehr die Rede. "Es gibt heute weniger Bedarfsgemeinschaften als noch vor einem Jahr, dadurch wird auch der Kreis finanziell entlastet", so Scheer. Die neue Richtlinie aber habe keine erkennbaren Auswirkungen auf den Haushalt. Fazit: Außer Spesen nichts gewesen.

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