Rechte Mordopfer:

Waren es Nazis? Mord-Fälle sollen neu untersucht werden

Der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) wirft seine Schatten abermals bis nach Vorpommern-Greifswald: Als Konsequenz aus dem NSU-Skandal werden offenbar drei Mordfälle im Landkreis nachträglich auf rechtsextreme Hintergründe untersucht.

Ende 2000 fand die Verhandlung um den Tod des Obdachlosen Klaus-Dieter Gerecke statt. Während die Öffentlichkeit über einen rechtsextremen Hintergrund spekulierte, konnten Ermittler und Gericht diesen nicht erkennen. Jetzt wird der Fall wohl neu untersucht – waren die Täter doch Nazis?
dpa-Archiv Ende 2000 fand die Verhandlung um den Tod des Obdachlosen Klaus-Dieter Gerecke statt. Während die Öffentlichkeit über einen rechtsextremen Hintergrund spekulierte, konnten Ermittler und Gericht diesen nicht erkennen. Jetzt wird der Fall wohl neu untersucht – waren die Täter doch Nazis?

Opfer-Organisationen hatten die drei Mordfälle, um die es jetzt geht, schon lange als rechtsextrem motivierte Straftaten geführt – doch bislang sind die Behörden anderer Meinung. Konkret geht es um den Tod des Asylbewerbers Mohammed Belhadj, der am 22. April 2001 am Zarrenthiner Kiessee bei Jarmen von vier jungen Männern totgeprügelt wurde. Hier hatten Ermittler und das Gericht bislang keinen rechtsextremen Tathintergrund erkennen können. Ebenso war es bei Boris Morawek, der am 11. Juli 1996 auf einem Platz in Wolgast von zwei Tätern mit Tritten und Schlägen traktiert wurde, bis er starb. Und auch beim Tod des Obdachlosen Klaus-Dieter Gerecke, der am 24. Juni 2000 in Greifswald getötet wurde, stellten Beobachter entsprechende Vermutungen an.

Für einen gerichtsfesten Beweis der Vermutungen, die Taten hätten rechtsradikale Hintergründe, reichte es in allen drei Fällen nicht, mutmaßlich auch, weil die Ermittler nicht gründlich genug in Richtung der rechtsextremen Szene ermittelt hatten. Bei Boris Morawek hatte einer der Täter angegeben, er habe auf den Mann eingedroschen, weil der vorher ein Kind misshandelt habe. Beweise dafür gab es allerdings nicht.

Der Tod von Klaus-Dieter Gerecke steht in nahem zeitlichen Zusammenhang zur Ermordung des Obdachlosen Eckhardt Rütz, der ein halbes Jahr nach Gerecke ermordet wurde. Bei dieser Tat konnten die Ermittler einen rechtsextremen Hintergrund feststellen. Im gleichen Jahr wurde auch Norbert Plath in Ahlbeck auf Usedom getötet, auch dort waren sich die Behörden sicher, die Täter seien rechtsradikal orientiert.

Die Schweriner Volkszeitung will nun erfahren haben, dass die drei Fälle gemeinsam mit bis zu zehn weiteren von den Behörden noch einmal auf rechtsextreme Hintergründe untersucht werden. Das Schweriner Innenministerium bestätigte dies zwar, machte zunächst aber keine genaueren Angaben über die einzelnen Fälle.

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