Besser spät als nie:

Warum diese beiden erst mit Mitte 20 den Hauptschul-Abschluss geschafft haben

Zwei Anklamer haben jetzt mit Mitte 20 doch noch ihren Schulabschluss geschafft. Leicht war es nicht. Jetzt wollen sie durchstarten.

Bianca Unverricht und Ronny Paedow haben sich mit Mitte zwanzig nochmal durch den Schulaltag gekämpft und in neun Monaten ihren Hauptschulabschluss nachgeholt.
Caroline Schiko Bianca Unverricht und Ronny Paedow haben sich mit Mitte zwanzig nochmal durch den Schulaltag gekämpft und in neun Monaten ihren Hauptschulabschluss nachgeholt.

„Ich muss zusehen, dass ich meinen Schulabschluss habe, bevor meine Jungs ihn haben“, scherzt Bianca Unverricht und meint es doch sehr ernst. Die 26-Jährige wurde mit 14 zum ersten und mit 15 zum zweiten Mal Mutter und hat deshalb die Schule erst schleifen lassen und dann ganz abgebrochen. Über Jahre hinweg hat sie vom Amt gelebt und sich mit Mini-Jobs ab und zu einen Euro dazu verdient. Ihr großer Traum ist es jetzt, endlich unabhängig zu sein und eigenes Geld zu verdienen. „Man ist ja schon auch irgendwie Vorbild für die eigenen Kinder“, sagt sie. Doch um den Traum vom eigenen Geld zu verwirklichen, muss erst einmal ein Abschluss her. Den hat sie nun in der Tasche. Zusammen mit Ronny Paedow und anderen Schulabbrechern hat Bianca Unverricht in der Trainings- und Fortbildungsakademie (TFA) innerhalb von neun Monaten ihren Hauptschulabschluss nachgeholt.

Auch für Ronny war Schule irgendwann einfach zu uncool. „In der Grundschule war ich noch gut dabei, aber dann ab der fünften haben mich einfach andere Sachen mehr interessiert“, erinnert sich der 23-Jährige. Dass er seinen Schulabschluss nun doch noch nachholt, verdankt er seiner kleinen Tochter. Als sie 2010 geboren wurde, begann er umzudenken. Er fragte beim Jobcenter nach, ob und wie er seinen Schulabschluss nachholen kann. Mit der Frage ist er nicht der einzige in Anklam. Die TFA ist es schließlich, die eine passende Maßnahme entwickelt und anbietet.

Fünf Tage die Woche, acht Stunden am Tag. An den Schulalltag müssen sich die beiden erst wieder gewöhnen. „Im Winter ging das ja noch, aber zum Ende hin, als es wärmer wurde, da ist man doch lieber draußen“, sagt der 23-Jährige. Geschafft haben sie es letztendlich beide. Jetzt geht es in ein dreimonatiges Praktikum. Sie im Friseursalon, er als Fachlagerist im Autohaus. Wenn es gut läuft, fangen sie mit einer Einstiegsqualifizierung an, die später auch in der Lehre angerechnet werden kann.

Christian Schallock ist stolz auf seine Absolventen. Der nächste Durchgang ist schon in Planung. „Wer Interesse daran hat, soll sich einfach bei uns melden“, sagt der Regionalleiter der TFA.

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