Prügelattacke auf Flüchtling:

Sabotage bei Ermittlungen vorgeworfen

Die Verdächtigen waren Tage nach dem Übergriff bekannt, doch die Ermittlungen dauern seit einem halben Jahr an. Und bald stehen die wichtigsten Zeugen nicht mehr zur Verfügung.

Sechs Monate nach dem gewalttätigen Übergriff am Anklamer Bahnhof: Um den mutmaßlichen Tätern den Prozess zu machen, fehlen der Staatsanwaltschaft immer noch Informationen.
Nordkurier-Montage Sechs Monate nach dem gewalttätigen Übergriff am Anklamer Bahnhof: Um den mutmaßlichen Tätern den Prozess zu machen, fehlen der Staatsanwaltschaft immer noch Informationen.

Für den Landkreis ist es immer noch eine empfindliche Angelegenheit. Für die Stadt Anklam zumindest eine böse Erinnerung. Und der Verein zur Opferberatung „Lobbi“ sieht darin gar einen Skandal. Was geschieht nun mit dem asylsuchenden Iraner, der im vergangenen Jahr Opfer eines augenscheinlich ausländerfeindlichen Übergriffes wurde? Vergangene Woche sollten er und seine Frau bereits nach Italien abgeschoben werden. Und das, obwohl die Ermittlungen zu dem Fall noch laufen, wie Nicole Buchfink vom Polizeipräsidium Neubrandenburg bestätigt.

Der Vorfall, um den es geht, liegt jedoch schon Monate zurück. Als sicher gilt bisher, dass der Mann gemeinsam mit zwei weiteren Asylbewerbern in der Nähe des Anklamer Bahnhofs erst beleidigt und dann angegriffen wurde. Vor mehr als sechs Monaten. Verdächtige hatte die Polizei schnell ausgemacht. Schon drei Tage nach dem Vorfall waren Tatverdächtige ermittelt. Insgesamt ging es um acht Personen aus Anklam und Umgebung. Doch ein Verfahren hat die Staatsanwaltschaft immer noch nicht eröffnet.

Staatsanwaltschaft mit Ermittlungen nicht zufrieden

Warum nicht? Trotz der schnellen Ermittlungserfolge gebe es immer noch offene Fragen. Zu Einzelheiten der laufenden Ermittlungen will sich Polizeisprecherin Buchfink nicht äußern. Nur so viel: „Die Kollegen hatten die Ermittlungsergebnisse bereits vor einiger Zeit an die Staatsanwaltschaft gegeben.“ Dort habe man allerdings keine Anklage erhoben. Für die Staatsanwälte seien zu viele Fragen noch ungeklärt gewesen, Zeugen müssten erneut befragt werden. Die Akte sei deshalb mit entsprechenden Vermerken zurück an die Polizei gegangen.

Doch nun soll einer der wichtigsten Zeugen außer Landes gebracht werden. Kreis-Sprecher Achim Froitzheim bestätigte, dass die Abschiebung des Ehepaares vergangene Woche schon im Gange war. Alles war vorbereitet, erst am Flughafen nahmen die zuständigen Behörden Abstand von dem Vorhaben. Allerdings nicht wegen der laufenden Ermittlungen, sondern wegen „gesundheitlicher Probleme, die in dieser Form plötzlich auftraten“, so Froitzheim. Mit der Staatsanwaltschaft sei die Abschiebung abgestimmt gewesen. Die zuständige Landesbehörde hatte den Termin für die Abschiebung vorgegeben. Einen Ermessensspielraum habe es dabei nicht gegeben. Von „Sabotage gegen die Aufklärung einer rechts motivierten Straftat“ könne deshalb nicht die Rede sein, so der Kreis-Sprecher. Diesen Vorwurf hatte die Opferschutzorganisation Lobbi erhoben. Froitzheim macht auch deutlich: „Wenn es der gesundheitliche Zustand zulässt, wird die Abschiebung wiederholt.“

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